Cross Asset Weekly | KI verändert die globale Produktivität

Künstliche Intelligenz verändert die globale Produktivität spürbar. Während die USA und China beim Einsatz und Ausbau von AI an Dynamik gewinnen, droht Europa ins Hintertreffen zu geraten. Vor allem Deutschland gilt dabei zunehmend als strukturelles Warnsignal. J. Safra Sarasin Fund Management | 08.05.2026 15:01 Uhr
Dr. Karsten Junius, Chief Economist, J. Safra Sarasin / © e-fundresearch.com / J. Safra Sarasin Fund Management
Dr. Karsten Junius, Chief Economist, J. Safra Sarasin / © e-fundresearch.com / J. Safra Sarasin Fund Management

Künstliche Intelligenz beginnt, die Aussichten für die globale Produktivität neu zu prägen. Die Vereinigten Staaten treten aus einer Position der Stärke in diese Phase ein. Trotz wiederholter Schocks in den vergangenen Jahren hat sich die US-Wirtschaft als widerstandsfähig erwiesen, gestützt durch ein robustes Produktivitätswachstum. Ein Teil davon ist auf zyklische Kräfte und die Anpassung des Arbeitsmarkts nach der Pandemie zurückzuführen, doch Hinweise aus Branchendaten und Unternehmensumfragen deuten zunehmend darauf hin, dass KI zu einem neuen Treiber der totalen Faktorproduktivität wird. Bislang konzentrieren sich die Zugewinne auf eine begrenzte Zahl von Sektoren, doch die Einführung von KI ist für die meisten Unternehmen relativ kapitalarm. Das deutet darauf hin, dass sich die Verbreitung schneller vollziehen könnte als bei früheren Basistechnologien.

Auch China gewinnt an Dynamik, wenn auch auf einem anderen Weg. Das jüngste DeepSeek-Modell erregte weniger Aufmerksamkeit als die vorherige Einführung, doch seine teilweise Nutzung heimischer Chips unterstreicht Chinas Fortschritte auf dem Weg zu größerer Eigenständigkeit in der KI-Lieferkette. Chinesische Modelle werden besser und machen inzwischen einen größeren Anteil weltweit wettbewerbsfähiger Systeme aus. Zwar investiert China weiterhin deutlich weniger als die USA in Rechenzentren, spielt jedoch eine wichtige Rolle bei der Herstellung der Hardware für den inländischen wie auch internationalen Ausbau. Die politisch unterstützte Lokalisierung von Halbleiter-Lieferketten steigert bereits die Umsätze heimischer KI-Hardwareunternehmen, und die Exporte KI-bezogener Dienstleistungen dürften weiter wachsen.

Europa läuft Gefahr, zurückzufallen. Deutschland ist dabei das deutlichste Warnsignal. Ein starker Mieterschutz und starre Kündigungsregeln bewahren bestehende Strukturen, doch sie verlangsamen auch die Mobilität am Arbeitsmarkt, verringern die Fluktuation am Wohnungsmarkt und begrenzen die notwendige Reallokation, um von den Umbrüchen durch KI zu profitieren. Europas Herausforderung ist nicht nur technologischer, sondern auch institutioneller Natur. Um das Produktivitätspotenzial der KI zu nutzen, muss Deutschland den Wandel erleichtern statt erschweren.

Von Dr. Karsten Junius, Chief Economist, J. Safra Sarasin

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