Das bevorzugte Inflationsmaß der Fed fiel im April etwas niedriger aus als erwartet. Dennoch steigt die Inflation, und der Trend zeigt seit Beginn des Krieges im Nahen Osten nach oben. Im vergangenen Jahr konnten es sich Fed-Vertreter leisten, über zollbedingte Inflation hinwegzusehen, da sich der Konjunkturzyklus abschwächte. Dies jetzt zu tun, erscheint deutlich schwieriger. Wiederholte negative Angebotsschocks drohen, die Inflationserwartungen zu entankern – ein Risiko, das die Fed nicht eingehen kann. Da sich der Arbeitsmarkt stabilisiert, spricht die Risikobalance nun eher für einen höheren als für einen niedrigeren Leitzins.
In Deutschland bleibt das Wachstum im Bausektor verhalten, und daran dürfte sich kaum etwas ändern. Mietpreisregulierungen mindern die Anreize für Immobilieninvestitionen, während die Finanzierungsbedingungen ungünstig bleiben. Der Wohnungsmarkt dürfte daher angespannt bleiben, und die Immobilienpreise werden voraussichtlich weiter steigen.
Bei Aktien werfen wir einen Blick auf die bevorstehenden großen Börsengänge in den USA. SpaceX könnte bereits am 12. Juni an den Markt kommen, OpenAI und Anthropic sollen im vierten Quartal folgen. Um die Aufnahme dieser Mega-Cap-Aktien zu ermöglichen, haben Indexanbieter ihre Kriterien deutlich aufgeweicht. Gewinnfilter, Mindestnotierungsdauer und Mindestanforderungen an den Streubesitz wurden abgeschafft. Die rasche Indexaufnahme könnte in den ersten Handelstagen zu erheblicher passiver Nachfrage führen und dürfte mit deutlicher Volatilität einhergehen.
Unser Chart der Woche beleuchtet den Anstieg des Anteils der Unternehmensgewinne am Volkseinkommen der USA im ersten Quartal, der zulasten des Anteils der Arbeitseinkommen geht.
Von Dr. Karsten Junius, Chief Economist, J. Safra Sarasin
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