Cross Asset Weekly | Das FOMC dürfte restriktiver werden

Dr. Karsten Junius, Chief Economist bei J. Safra Sarasin, analysiert die geldpolitischen Aussichten für Fed, EZB und SNB. Im Fokus stehen Inflation, Zinsen, Konjunktur, Energiepreise und mögliche Folgen weiterer Devisenmarktinterventionen Japans. J. Safra Sarasin Fund Management | 05.06.2026 14:11 Uhr
Dr. Karsten Junius, Chief Economist, J. Safra Sarasin / © e-fundresearch.com / J. Safra Sarasin Fund Management
Dr. Karsten Junius, Chief Economist, J. Safra Sarasin / © e-fundresearch.com / J. Safra Sarasin Fund Management

Während viele Zentralbanken voraussichtlich in Kürze die Zinsen anheben werden, standen höhere Leitzinsen bei der Fed bislang nicht auf der Agenda. Im Gegenteil: Der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh gilt weithin als Befürworter niedrigerer Zinsen. Angesichts der erhöhten Inflation, die durch den Iran-Krieg und Zölle angetrieben wird, sowie einer widerstandsfähigeren US-Wirtschaft, die von einem starken KI-Investitionszyklus gestützt wird, hat sich das Argument für niedrigere Fed-Leitzinsen jedoch deutlich abgeschwächt. Daher dürfte Kevin Warshs erste Sitzung der Federal Reserve als Vorsitzender eine relativ restriktive Botschaft liefern, mit einem Dot Plot, der voraussichtlich keine Zinssenkungen in diesem Jahr zeigen wird, wobei einige Mitglieder möglicherweise sogar eine Zinserhöhung prognostizieren.

Wir erwarten, dass die EZB ihren Leitzins bei ihrer Sitzung am 11. Juni um 25 Basispunkte anheben wird. Die Lage im Nahen Osten bleibt unübersichtlich und die Energiepreise volatil, weshalb wir keine Hinweise für die kommenden geldpolitischen Sitzungen erwarten. Wir rechnen mit einer weiteren Zinserhöhung im September, sehen in diesem Jahr jedoch keine darüber hinausgehende Straffung und halten die Marktbewertungen für zu restriktiv. Von der SNB wird erwartet, dass sie ihren Leitzins am 18. Juni unverändert bei 0 % belässt und signalisiert, dass in den kommenden Quartalen kein Bedarf für Zinsanpassungen besteht. Anders als 2022 bleibt die Inflation moderat, die Erzeugerpreise sind schwach, die Arbeitslosigkeit liegt über dem Durchschnitt und die Kapazitäten im verarbeitenden Gewerbe sind unterausgelastet. Die SNB dürfte daher trotz leicht höherer kurzfristiger Inflationsprognosen eine insgesamt eher expansive Botschaft vermitteln.

Abschließend wirft unser Chart der Woche einen Blick auf vier Jahrzehnte japanischer Devisenmarktinterventionen. Die Interventionen im Mai übertrafen Japans frühere Yen-Käufe, doch da sich USD/JPY wieder in Richtung 160 bewegt, könnten weitere Interventionen erforderlich sein.

Von Dr. Karsten Junius, Chief Economist, J. Safra Sarasin

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