Die Märkte wurden von der restriktiven Wende des FOMC bei Kevin Warshs erster Sitzung als neuer Fed-Vorsitzender überrascht. Schließlich hatte man erwartet, dass er argumentieren würde, KI dürfte sich letztlich als disinflationär erweisen. Allerdings ist der Einfluss von KI auf Inflation und den neutralen Zinssatz zumindest kurzfristig nicht eindeutig. Ein Grund dafür ist, dass die tatsächliche Automatisierung von Aufgaben deutlich hinter dem theoretischen Potenzial der Technologie zurückbleibt. Dennoch bezweifeln wir, dass die Aussicht, dass künftig mehr Aufgaben automatisiert werden könnten, die Fed davon abhalten würde, die Zinsen anzuheben, sofern die konjunkturellen Bedingungen eine straffere Geldpolitik rechtfertigen.
In Großbritannien dürfte Andy Burnham den glücklosen Keir Starmer als Premierminister ablösen. Seine Aufgabe wird es sein, das Wachstum anzukurbeln und die Labour-Wähler zufriedenzustellen, ohne den Anleihemarkt zu verschrecken. Wir erwarten, dass Laufzeitprämien und Volatilität bei langlaufenden Gilts erhöht bleiben, sehen jedoch Entlastung durch niedrigere Zinserwartungen. Am Devisenmarkt sehen wir kurzfristig wenig Unterstützung für den Euro, wenngleich die Abwärtsrisiken begrenzt sind: Niedrigere Energiepreise dürften die Auswirkungen einer restriktiven Fed abfedern, und die Hürde für positive Überraschungen bei europäischen Daten ist niedrig.
Die Aktienmärkte haben sich im Juni spürbar abgekühlt, ausgelöst durch eine Aufwertung des US-Dollars. Schweizer Aktien, der Gesundheitssektor und andere dollarenmpfindliche Marktsegmente haben sich dadurch von Nachzüglern zu Spitzenreitern gewandelt. Dieses Muster könnte noch eine Weile anhalten, da der Aufwärtsdruck auf den US-Dollar trotz des Rückgangs der Ölpreise wohl nicht rasch nachlassen dürfte. Letztlich dürfte der starke Dollar auch auf die Gewinnrevisionen in den USA lasten und damit den Aufwärtspfad der Aktienmärkte in den kommenden Monaten abflachen.
Von Dr. Karsten Junius, Chief Economist, J. Safra Sarasin
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