Unsere neuen Prognosen für den Fed-Funds-Satz sehen zwei Zinserhöhungen vor: eine im vierten Quartal 2026 und eine weitere im ersten Quartal 2027, statt einer längeren Pause. Diese Zinserhöhungen stehen somit nicht unmittelbar bevor. Da an den Märkten für die kommenden zwölf Monate derzeit jedoch nur eine Straffung um 35 Basispunkte eingepreist ist, werden sich die Markterwartungen für den Fed-Funds-Satz nach oben anpassen müssen. Der Großteil dieser Neubewertung dürfte sich in einer flacheren US-Dollar-Zinskurve widerspiegeln, wobei die kurzfristigen Realrenditen steigen. Die Argumente für Zinserhöhungen in Europa sind schwächer, da das Wachstum deutlich geringer ausfällt. Dennoch erwarten wir weiterhin eine weitere Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank, auch wenn der Zeitpunkt nun weniger sicher ist.
Unserer Ansicht nach beruht die Notwendigkeit einer strafferen Fed-Politik auf der anhaltenden Stärke der US-Wirtschaft. Das Wachstum wird durch den KI-getriebenen Investitionsboom befeuert, der Arbeitsmarkt dürfte sich in den kommenden Monaten weiter anspannen und die Kerninflation hat zuletzt angezogen. Höhere Realrenditen dürften die Finanzierungsbedingungen verschärfen und zinssensitive Sektoren belasten, insbesondere den Immobilienmarkt. Sie dürften außerdem den Druck auf Haushalte mit niedrigeren Einkommen sowie auf Unternehmen mit schwachen Bilanzen und begrenztem Zugang zu Finanzierungen erhöhen. Dennoch dürfte ein moderater Straffungszyklus weder den Aufschwung noch die Risikomärkte aus der Bahn werfen. Schwieriger würde der Ausblick erst, wenn die Fed zu einer schnelleren Straffung gezwungen wäre, die mehrere Zinserhöhungen in kurzer Folge umfassen würde.
Von Dr. Karsten Junius, Chief Economist, J. Safra Sarasin
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