Japans Wirtschaft ist nicht länger der Ausreißer mit niedrigem Wachstum und niedriger Inflation, an den sich die Anleger gewöhnt haben. Die Binnennachfrage nimmt zu, die Löhne steigen, das Kreditwachstum beschleunigt sich und die Inflationserwartungen sind deutlich gestiegen. Zwar haben staatliche Subventionen die Inflation unter 2 Prozent gedrückt, doch der zugrunde liegende Preisdruck nimmt weiter zu. Die entscheidende Frage lautet nicht mehr, ob Japan die Deflation überwunden hat, sondern wie schnell die politischen Entscheidungsträger reagieren. Geprägt von früheren Erfahrungen, in denen die Geldpolitik zu früh gestrafft wurde, agierte die Bank of Japan (BoJ) bislang zögerlich und erhöhte die Zinsen nur sehr schrittweise. Da die Regierung Takaichi eine stark expansive Fiskalpolitik verfolgt, wirkt es zunehmend so, als würde die Zentralbank den letzten Krieg führen. Die Argumente für eine schnellere geldpolitische Normalisierung sind überzeugend, und die Regierung scheint diese Realität allmählich anzuerkennen.
Diese Entwicklungen haben wichtige Auswirkungen für Anleger. Wir sehen erhebliches Potenzial für eine Verflachung der Renditekurve japanischer Staatsanleihen, da wir davon ausgehen, dass die BoJ ihre Zinserhöhungen beschleunigen wird. Lang laufende japanische Staatsanleihen sind nach einem deutlichen Anstieg der Laufzeitprämien attraktiv geworden und bieten inzwischen einen überzeugenden Wert gegenüber währungsgesicherten ausländischen Anleihen. Der japanische Yen bleibt das fehlende Puzzlestück. Aufgrund der Präferenz der Regierung für niedrige Leitzinsen wird er trotz höherer langfristiger Anleiherenditen weiterhin als Finanzierungswährung gehandelt. Eine nachhaltige Erholung des Yen wird daher sowohl einen entschlosseneren geldpolitischen Straffungszyklus als auch ein größeres Vertrauen in Japans fiskalische Entwicklung erfordern.
Insgesamt tritt Japan in ein neues makroökonomisches Regime ein. Anleger sollten sich auf höhere Leitzinsen, eine flachere Renditekurve und letztlich einen stärkeren Yen einstellen.
Von Dr. Karsten Junius, Chief Economist, J. Safra Sarasin
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