Es mag Zufall gewesen sein, dass Jürgen Klopp in derselben Woche als neuer Trainer der deutschen Fußballnationalmannschaft vorgestellt wurde, in der Bundeskanzler Friedrich Merz mit einer Umbildung seines Kabinetts begann. Zugegeben, beide Veränderungen verliefen etwas holprig und erfolgten erst nach einem enttäuschenden Abschneiden bei der Weltmeisterschaft, einer skandalösen Enthüllung durch den Vorsitzenden der gemeinsamen CDU/CSU-Bundestagsfraktion und einem massiven Rückgang der Beliebtheit des Bundeskanzlers. Aber zumindest fanden sie statt und wurden nicht so lange hinausgezögert, bis sie vollkommen unvermeidlich waren. Sie folgten zudem auf ein breit angelegtes Reformpaket, das die Regierungskoalition einige Wochen zuvor vorgelegt hatte und das unter anderem die Renten, den Arbeitsmarkt und die Steuern betrifft. Diese Veränderungen werden Deutschland nicht in einen neuen Wachstumstiger verwandeln, dürften aber dazu beitragen, die wirtschaftliche Stimmung weiter zu beleben. Die Wirtschaft hat bereits im zweiten Quartal eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit gezeigt und ist in einem von hohen Energiepreisen und geopolitischer Unsicherheit geprägten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,2 % gewachsen. Wir erwarten eine weitere Verbesserung der Konjunktur im Euroraum, was unsere Einschätzung stützt, dass die EZB im September die Zinsen erneut anheben wird.
Im Euroraum ist die deutliche Einengung der Spreads in den Peripherieländern weitgehend struktureller Natur und spiegelt den Reformbedarf in den Kernländern wider. Daher ist es ermutigend, dass die Reformprogramme in Deutschland angelaufen sind, auch wenn ihre Umsetzung Zeit benötigen wird. Aus einer stärker zyklischen Perspektive stellen wir fest, dass die jüngste Aufholbewegung bei den positiven Konjunkturüberraschungen im Euroraum das Abwärtspotenzial des Euro begrenzen dürfte, das sich aus möglicherweise höheren Zinserwartungen in den USA ergibt.
In den USA schließlich verunsicherte Kevin Warsh die Finanzmärkte während seiner zweiten Pressekonferenz, nicht durch geldpolitische Maßnahmen, sondern durch Untätigkeit und eine verwirrende Kommunikation. Die Rendite 30-jähriger Anleihen stieg am Mittwoch um 11 Basispunkte, da die Anleger eine höhere Inflationsrisikoprämie und eine Fed einpreisten, die möglicherweise später gezwungen sein könnte, ihren Rückstand aufzuholen.
Von Dr. Karsten Junius, Chief Economist, J. Safra Sarasin
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