Die US-Wirtschaft wächst weiterhin stärker als erwartet. Die Verbraucher geben trotz höherer Energiekosten weiterhin Geld aus, unterstützt durch großzügige Steuerrückerstattungen, während eine außergewöhnliche Investitionswelle in Rechenzentren, Software, Chips und andere KI-Infrastruktur eine starke neue Nachfragequelle schafft. Zusammengenommen treiben diese Kräfte die wirtschaftliche Aktivität deutlich über ihr geschätztes langfristiges Potenzial und ermöglichen es Unternehmen, Preise und Gewinnmargen zu erhöhen. Da die KI-bezogenen Investitionsausgaben kaum Anzeichen einer Verlangsamung zeigen und die meisten Benchmarks auf Basis der Taylor-Regel auf höhere Zinssätze hindeuten, werden die kommenden Inflationsberichte von entscheidender Bedeutung sein.
Sofern die Inflation nicht deutlich nachlässt, sprechen überzeugende Argumente für eine Zinserhöhung im September. Wir prognostizieren zwei Zinserhöhungen der Fed in den kommenden Quartalen, wobei die Risiken nach oben gerichtet sind, während die Terminmärkte derzeit weniger als zwei Zinserhöhungen einpreisen. Daher sehen wir Spielraum für steigende Leitzinserwartungen und erwarten eine flachere Zinskurve, wobei die langfristigen Renditen weitgehend innerhalb ihrer bisherigen Spanne bleiben dürften.
Die Bewegungen der Renditen von US-Staatsanleihen sorgen auch an den Devisenmärkten für erhebliche Ausschläge. Eine seltene gemeinsame Intervention der USA und Japans stärkte den Yen vorübergehend. Sorgen über einen weiteren Anstieg der Renditen von US-Staatsanleihen infolge möglicher japanischer Verkäufe zur Finanzierung von Devisenmarktinterventionen dürften die US-Regierung dazu bewogen haben, sich den japanischen Bemühungen anzuschließen. Wir sind nicht der Ansicht, dass die Maßnahmen der vergangenen Woche einen echten Wendepunkt für den Yen darstellen, da die fundamentalen Ursachen seiner Schwäche weiterhin bestehen.
Von Dr. Karsten Junius, Chief Economist, J. Safra Sarasin
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