Es gibt mehrere Faktoren, die der Wirtschaft der EU schaden werden. Erstens gibt es die direkten Auswirkungen der Zölle auf die Wirtschaft. Zweitens wurde nun ein viel höherer Zoll auf China verhängt, was zu einem verstärkten Wettbewerb auf dem Inlands- und Drittmarkt führen wird. Und schließlich wird es ein beispielloses Maß an handelspolitischer Unsicherheit geben, das die inländischen Investitionen und den Konsum für lange Zeit belasten wird. Eine leichte Rezession im Euroraum im Jahr 2025 ist nun wahrscheinlich. Die EZB wird die Zinsen unter den neutralen Zinssatz auf 1–1,5% senken.
Großbritannien wird von diesen neuen Maßnahmen am wenigsten betroffen sein. Ich glaube, dass die negativen Auswirkungen auf die britische Wirtschaft in diesem Jahr insgesamt nur bei etwa 0,2–0,5% liegen werden. Dies liegt hauptsächlich daran, dass die Handelsumleitung in die USA über Großbritannien jetzt wahrscheinlich erheblich sein wird. Produktionsstätten, die in Großbritannien etwas herstellen, werden wettbewerbsfähiger sein als in der EU, was einige inländische Investitionen unterstützen wird. Großbritannien hat ein Handelsbilanzdefizit und Präsident Trump hat gerade weltweit erhebliche Überkapazitäten geschaffen. Britische Haushalte werden nun von viel günstigeren Waren profitieren, was das verfügbare Einkommen erhöht. Am wichtigsten ist jedoch, dass die britische Regierung vor sechs Monaten ein großes Konjunkturpaket geschnürt hat, gerade rechtzeitig, um den Zollschlag abzufedern. Trotz dieser Widrigkeiten wird es Großbritannien 2025 besser gehen als der EU.
Von Tomasz Wieladek, Chief European Economist bei T. Rowe Price