- Japanische Aktien werden weiterhin durch starke Unternehmensgewinne, Reformen sowie die Nachfrage nach KI- und Halbleitertechnologie gestützt.
- Eine moderate Yen-Schwäche bleibt für Exporteure positiv, eine übermäßige Volatilität könnte jedoch die Anlegerstimmung und die Gewinnerwartungen belasten.
- Das größte kurzfristige Risiko ist eine deutliche Aufwertung des Yen infolge einer Straffung der Geldpolitik der Bank of Japan, die die Bewertungen von Exporteuren unter Druck setzen könnte.
Die meisten Aktieninvestoren betrachten die Yen-Volatilität weiterhin als beherrschbar und nicht als grundlegende Bedrohung, auch wenn die Anlegerstimmung inzwischen ausgewogener ist als in einer früheren Phase der Rally. Ein schwächerer Yen stützt Exporteure, Hersteller und global ausgerichtete Industrieunternehmen weiterhin, weil er ihre Ertragskraft im internationalen Wettbewerb stärkt. Die Sorge besteht jedoch darin, dass eine starke Gegenbewegung oder eine anhaltende Aufwertung des Yen – möglicherweise ausgelöst durch eine Normalisierung der Geldpolitik der Bank of Japan oder politischen Druck aus den USA – die Gewinnerwartungen belasten könnte. Daher werden Anleger innerhalb Japans selektiver. Sie bevorzugen Unternehmen mit starker Preissetzungsmacht, Ausrichtung auf die Binnennachfrage und strukturellen Wachstumstreibern, statt sich allein auf Rückenwind durch die Währung zu verlassen.
Kann Japan mit einem schwächeren Yen weiter überdurchschnittlich abschneiden?
In gewissem Maße ja. Eine schrittweise Yen-Schwäche stützt weiterhin die Gewinne von Exporteuren und multinationalen Unternehmen, was für Aktien insgesamt positiv bleibt. Allerdings ist der Zusammenhang weniger eindeutig als in früheren Zyklen, weil Japan inzwischen auch mit importierter Inflation und steigenden Inputkosten konfrontiert ist. Sollte die Yen-Schwäche ungeordnet ausfallen, könnten sich Anleger zunehmend Sorgen über eine geldpolitische Straffung, die Kaufkraft der privaten Haushalte und die Finanzstabilität machen.
Aus unserer Sicht können japanische Aktien bei einer moderaten Yen-Schwäche weiter überdurchschnittlich abschneiden. Ein unkontrollierter Rückgang des Yen würde jedoch voraussichtlich eher zum Belastungsfaktor als zum Rückenwind werden. Ebenso würde eine übermäßige und abrupte Aufwertung des Yen die Exporteure belasten. Der Yen ist auf diesem Niveau gemessen an vielen Kennzahlen günstig bewertet, etwa an der Kaufkraftparität, und wir gehen davon aus, dass er im Laufe der Zeit moderat aufwerten wird. Das gesündeste und beste Ergebnis für japanische Aktien wäre eine schrittweise Aufwertung des Yen, während die Bank of Japan ihre Geldpolitik normalisiert.
Warum japanische Aktien weiter steigen
Japanische Aktien haben weiter überdurchschnittlich abgeschnitten, weil Anleger Japan weiterhin als einen der wenigen großen entwickelten Märkte betrachten, in denen eine zyklische Erholung und strukturelle Reformen gleichzeitig stattfinden. Die Unternehmensgewinne bleiben widerstandsfähig, die inländische Inflation stützt nun das nominale Wachstum, statt die Nachfrage zu belasten, und das Lohnwachstum trägt dazu bei, die Konsumaussichten zu verbessern. Gleichzeitig ziehen Reformen der Unternehmensführung und Initiativen zur Verbesserung der Kapitalrückführungen an Aktionäre weiterhin globales Kapital an. Darüber hinaus ist Japan weiterhin stark auf Bereiche der globalen Investitionsausgaben ausgerichtet, die trotz geopolitischer Unsicherheit weiter wachsen – insbesondere Halbleiter, Fabrikautomation, KI-Infrastruktur und Industrietechnologie.
KI- und Technologienachfrage treiben die Rally
Ein wesentlicher Teil der Rally steht in direktem Zusammenhang mit Investitionen in KI-Infrastruktur und der Nachfrage nach Halbleitern. Japan nimmt in der globalen Technologielieferkette eine zentrale Position ein – über Halbleiterausrüstung, Spezialmaterialien, Robotik, Sensoren und Fabrikautomation. Unternehmen, die mit fortschrittlicher Fertigung und Technologien verbunden sind, die KI-Anwendungen ermöglichen, haben deutliche Aufwärtsrevisionen der Gewinnschätzungen und starkes Interesse ausländischer Investoren verzeichnet. Dennoch ist die Japan-Story breiter angelegt als nur Technologie. Auch die inländische Reflation, Reformen der Unternehmensführung, steigende Kapitalrückführungen an Aktionäre und eine verbesserte Kapitaleffizienz haben wesentlich zur Unterstützung des Marktes beigetragen.
Das größte Risiko in den nächsten sechs Monaten
Das größte kurzfristige Risiko ist eine stärker als erwartete Aufwertung des Yen, ausgelöst durch eine Straffung der Geldpolitik der Bank of Japan oder externen politischen Druck auf die Währungspolitik. Eine solche Entwicklung könnte die Gewinnerwartungen für Exporteure rasch infrage stellen und nach der starken Marktentwicklung eine breitere Neubewertung des Marktes nach unten auslösen. Zudem sind japanische Aktien nicht mehr so günstig bewertet wie früher, wodurch der Markt anfälliger für Enttäuschungen ist. Zwar bevorzugen wir Japan angesichts des stärkeren Wachstumsausblicks und der Reformdynamik weiterhin gegenüber Europa. Die nächste Phase der Performance dürfte jedoch stärker von der tatsächlichen Gewinnentwicklung und der Widerstandsfähigkeit der Binnenwirtschaft abhängen als allein von einer Ausweitung der Bewertungen.
Von Dan Hurley, Portfoliospezialist, T. Rowe Price
Weitere beliebte Meldungen: