„Die Breite des US-Aktienmarktes hat sich seit der globalen Finanzkrise weiter verringert, wobei der Anteil der Aktien, die den US-Aktienmarkt übertreffen, auf weniger als ein Drittel gesunken ist“, erklärt Patel. Die sogenannten „Magnificent Seven“ – also die sieben großen Technologiekonzerne Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon, NVIDIA, Meta und Tesla – hätten 2024 mehr als die Hälfte der Kursgewinne am US-Aktienmarkt erzielt und den S&P 500 Index in Richtung eines eher wachstumsorientierten Aktienstils gelenkt. „Ein Markt, der von nur wenigen Titeln getragen wird, ist jedoch anfällig“, sagt Patel. Eine strategische Neubewertung bestehender Portfolios sei deshalb nötig.
Viele Anleger teilen Patels Bedenken. Das zeige die erneute Begeisterung für den S&P 500 Equal Weight Index und dazugehörende börsengehandelte Indexfonds (ETFs). Allein im vergangenen Jahr seien laut Morningstar Direct über 19 Milliarden US-Dollar in entsprechende Produkte geflossen. „Gleichgewichtung klingt nach Ausgewogenheit – doch tatsächlich führt sie häufig zu einer stärkeren Gewichtung von Mid-Caps und damit zu höherer Volatilität“, sagt Patel. In den letzten fünf Jahren habe sich der gleichgewichtete S&P 500-Index zudem als weniger vorteilhaft für die Portfoliorenditen erwiesen – außerdem habe er eine höhere Volatilität als sein nach Marktkapitalisierung gewichtetes Pendant gezeigt.
Breite Diversifikation als Antwort auf Marktkonzentration
Patel setzt stattdessen auf Investitionen in etablierte Unternehmen aus einem breiten Querschnitt der US-Wirtschaft. „Ein gut diversifiziertes US-Aktien-Portfolio umfasst die ganze Breite des US-Aktienmarktes – von Dividendenzahlern bis hin zu hochrentablen Nicht-Dividendenzahlern“, erklärt die Expertin. Eine solch breite Positionierung biete vielfältige Quellen für absolute und relative Renditen und ermögliche es auch bei Marktschwankungen, das Gleichgewicht zu wahren. Patel gibt außerdem zu bedenken, dass „der Markt sich im Jahr 2025 voraussichtlich verbreitern und das Gewinnwachstum außerhalb der Magnificent Seven beschleunigen wird. Auch vor diesem Hintergrund ist es sinnvoll, bei US-Aktien in die Breite zu gehen.“
Aktive Auswahl als Schlüssel zur Resilienz
Ein zentrales Element sei dabei eine aktive, fundamental orientierte Titelauswahl: „Ein fundamentaler Bottom-up-Ansatz ist der wirksamste Hebel, um einerseits eine breite Streuung zu erreichen und andererseits gezielt Qualitätsunternehmen zu identifizieren, die langfristig stabile Erträge generieren können“, so Patel. Besonders in einem Marktumfeld, das stark von makroökonomischen Wendungen geprägt sei, könne dies ein entscheidender Vorteil sein. „In einem ausgewogenen Portfolio sollten unterschiedliche Ertragsquellen zusammenwirken – Dividenden, stabile Cashflows, Innovationskraft und unterbewertete Potenziale“, erläutert sie.
Entscheidend sei nicht die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Index, sondern die Fähigkeit eines Unternehmens, in unterschiedlichen Marktphasen Mehrwert zu liefern. „Die auf Dividenden ausgerichtete Komponente des Portfolios spielt eine wichtige Rolle im Portfolio, da ein stetiger Ertragsstrom zu einem gleichmäßigeren Ergebnismuster führen kann“, so die Expertin.
Fazit: Portfolios neu denken – mit klarem Fokus auf Balance
Angesichts der anhaltenden Dominanz weniger Tech-Werte am US-Aktienmarkt, rät Patel zu bewusstem Gegensteuern: „Langfristiger Anlageerfolg gelingt nicht, indem man auf kurzfristige Gewinner setzt, sondern indem man eine strukturierte, diversifizierte Strategie verfolgt.“ Dabei gelte es, Portfolios regelmäßig auf Konzentrationsrisiken zu überprüfen und sie so auszurichten, dass sie sowohl in Wachstumsphasen als auch in Korrekturphasen tragfähig bleiben.
Gerade in einem Jahr wie 2025 – in dem viele Marktbeobachter eine stärkere Breite in der Erholung erwarten – sei es von Vorteil, entsprechend breit aufgestellt zu sein. „Der US-Aktienmarkt bleibt weiterhin ein attraktives Umfeld – aber nur für diejenigen, die bereit sind, ihn differenziert zu betrachten und ihre Portfolios mit Weitblick auszurichten“, hält Patel abschließend fest.
Von Anita Patel, Investmentdirektor bei Capital Group