250 Jahre Amerika in sechs Grafiken

Die USA feiern 250 Jahre Unabhängigkeit und bleiben trotz globaler Umbrüche ein außergewöhnlich starker Wirtschaftsstandort. Sechs Grafiken zeigen, wie Innovation, technologische Offenheit, Ressourcenreichtum, der US-Dollar und stabile Kapitalmärkte Amerikas Erfolg bis heute prägen. Capital Group | 29.07.2026 11:19 Uhr
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Für Investoren ist das 250-jährige Bestehen der USA ein guter Anlass über diesen Standort nachzudenken. Die US-Wirtschaft ist nach wie vor in einer beneidenswerten Verfassung, obgleich sich die Welt gerade dramatisch verändert. Anhand der folgenden sechs Grafiken zeigen wir, wie Amerika das geschafft hat und wie es weitergehen könnte.

1. Wenige Menschen, viel Einfluss 

Seit der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung sind die USA deutlich gewachsen. Aus 13 Kolonien ist eine Supermacht mit etwa 340 Millionen Einwohnern geworden – 4% der Weltbevölkerung. „Die Ausdehnung nach Westen hat der Nation geholfen, ein riesiger Wirtschaftsblock zu werden, auf den heute 27% des Welt-BIP entfallen. US-Unternehmen zählen zu den wertvollsten weltweit, und an Sport, Filmen sowie der Popkultur der Vereinigten Staaten findet nach wie vor ein internationales Publikum Gefallen“, sagt US-Volkswirt Jared Franz.

2. Vorreiter bei neuen Technologien

Vor fast 200 Jahren bezeichnete der französische Soziologe Alexis de Tocqueville die USA als „die wandlungsfähigste Gesellschaft“. Dies zeigte sich vor allem in der Offenheit gegenüber Technologien, die für mehr Wachstum sorgten und das Leben der Amerikaner verbesserten.

Der Erfolg des Eriekanals war einer der Auslöser des Kanalbau-Booms in den 1820ern, durch den die Transportkosten um 90% sanken und Verbindungen zwischen den Märkten der jungen Nation geschaffen wurden. Die Eisenbahn im späten 19. Jahrhundert versetzte die Amerikaner in die Lage, neues Land zu erschließen und den Handel auszuweiten. Im 20. Jahrhundert steigerte die Massenproduktion von Autos (Model T), die schnelle Verbreitung des Telefons und die Erfindung des Computers die Produktivität und öffnete neue Märkte.

Heute gilt Künstliche Intelligenz als Technologie mit großem langfristigem Wertschöpfungspotenzial. „In allen Branchen werden Unternehmen KI nutzen, um sich individuelle Wettbewerbsvorteile zu verschaffen“, sagt Aktienportfoliomanagerin Jessica Spaly. „So wie Unternehmen wie Amazon und Home Depot den Einzelhandel im Zeitalter der Digitalisierung verändert haben, werden aus meiner Sicht sowohl neue als auch etablierte Unternehmen mit KI Wettbewerbsvorteile aufbauen.“

3. Das exorbitante Privileg des US-Dollar

In den 1960ern haben politische Entscheider aus Frankreich den Status des Dollar als Weltreservewährung ein „exorbitantes Privileg“ genannt. Diese Sonderstellung verhalf den USA zu jahrzehntelangem Wachstum, militärischer Macht und weltweitem Einfluss.

„Ende des Zweiten Weltkriegs waren die USA in der Lage, den globalen Wiederaufbau anzuführen und für Stabilität zu sorgen. Dies ebnete dem Dollar den Weg, zur Reservewährung der Welt zu werden“, sagt Anleihenportfoliomanager David Hoag.

„Mit der Zeit führte das dazu, dass die Vereinigten Staaten Anleihen zu niedrigeren Renditen emittieren konnten als andere Länder, Währungsrisiken abfangen und ihre Währung sogar für Sanktionen nutzen konnten. Vor allem in Krisenzeiten hat die US-Regierung in der Regel keine Probleme, ihr hohes Haushaltsdefizit zu finanzieren, während ihre Notenbank zugleich Quantitative Easing betrieb“, erklärt er. Quantitative Easing bedeutet, dass Zentralbanken Staatsanleihen und andere Wertpapiere kaufen, um die Zinsen niedrig zu halten.

„Der jüngste Trend, einen Teil der Dollar-Währungsreserven durch andere zu ersetzen, dürfte anhalten“, fügt Hoag hinzu, „aber keine Währung kann den US-Dollar als Reservewährung auch nur ansatzweise verdrängen.“

4. Innovation als Wachstumsfaktor

„Das Zusammenspiel von Forschung und Entwicklung auf Weltklasseniveau sowie enge Verbindungen zur Wissenschaft und ein einfacher Zugang zu Kapital sind einzigartige Vorteile der USA, die von anderen Ländern nur schwer nachzuahmen sind“, sagt Aktienportfoliomanager Rob Lovelace.

„Sie beflügeln sich gegenseitig, sodass eine Innovationsspirale entsteht.“

Gesundheitsinnovationen unter anderem in den Bereichen Impfstoffe, Operationen, Lagerung und Transfusion von Blut sowie Chemotherapie haben weltweit Leben gerettet. „Diese Branche beruht auf jahrzehntelangen Anstrengungen, und nicht einmal 5% aller entwickelten Medikamente sind erfolgreich“, sagt Lovelace. „Dennoch wird weiter investiert – in der Hoffnung, damit die nächste Generation von Therapien oder Arzneimitteln zu finanzieren, die Patienten zu einem besseren Leben verhelfen.“

Lovelace ist der Ansicht, „KI könnte die Wirkstoffentwicklung in den nächsten Jahrzehnten beschleunigen. Wenn die Technologie helfen kann, früher herauszufinden, welche Medikamente vermutlich scheitern und welche mit größerer Wahrscheinlichkeit erfolgreich sind, kann die Erfolgsquote möglicherweise auf 10% steigen. Wir könnten sogar der tatsächlichen Heilung bestimmter Krankheiten näherkommen.“

5. Reich an Ressourcen

Überall in den USA gibt es fruchtbares Ackerland, massenweise Öl- und Gasvorkommen sowie enorme Mengen an natürlichen Ressourcen. Zusammen mit innovativen Technologien verhelfen sie Amerika zu steigendem Wohlstand.

„Ein wichtiger Wendepunkt für die Energieunabhängigkeit fand in den frühen 2000ern statt, als die USA hydraulisches Fracking kommerzialisierten und begannen, die Öl- und Gasförderung enorm zu steigern, indem sie unter hohem Druck Flüssigkeiten in ölhaltiges Schiefergestein pressten“, sagt Portfoliomanager Paul Benjamin.

„Heute sind die USA der weltweit größte Energieproduzent, und das bringt den Amerikanern und ihren Unternehmen mehrere Vorteile. Niedrigere Energiepreise – vor allem bei Erdgas und Kohle, die 45% Anteil am Primärenergiekonsum der USA haben – sorgen dafür, dass Unternehmen dort besser Fabriken bauen können als in Europa oder Japan, wo die Energiepreise stärker schwanken.“

Die USA sind außerdem jetzt besser gegen globale Energiepreisschocks gewappnet. „Wenn die Störungen nicht zu lange dauern, können die USA heute den Krieg im Nahen Osten besser verkraften als noch vor einigen Jahrzehnten“, fügt Benjamin hinzu.

6. Bislang stabile Märkte

Der US-Aktienmarkt war während Kriegen, Finanzkrisen und Pandemien bemerkenswert stabil. „Das Unglaubliche an der Funktionsweise des Aktienmarktes ist seine Dynamik – solange es Unternehmen gibt, die Erstaunliches vollbringen, wodurch sie wachsen und neue Produkte entwickeln können“, sagt Lovelace. „Das ist ein geometrischer, kein arithmetischer Prozess, und das ist gut für Investoren.“

Lovelace erzählt, dass am Anfang seiner beruflichen Laufbahn 7% Durchschnittsertrag p.a. als angemessen galten, wobei ein großer Teil auf die Inflation zurückzuführen war. Weil die Inflation zurückging, erwarteten viele Investoren auch einen Rückgang der Gesamterträge des Marktes.

Aber das Gegenteil war der Fall. Wenn man sich jetzt die langfristigen Zahlen anschaut, liegt der Gesamtertrag des US-Aktienmarktes seit den 1970er-Jahren bei über 9%, selbst wenn man die Baisse im Jahr 2022 berücksichtigt. Was man daraus lernen kann: Trotz der Turbulenzen in der Geschichte Amerikas haben Investoren hohe kumulierte Gesamterträge erzielt.

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