Fazit - das Wichtigste auf einen Blick
- Die Rückkehr inflationärer Impulse trifft auf eine sich abschwächende Konjunktur und erhöht die Volatilität für die Kapitalmärkte und Geldpolitik
- Aktien bleiben aufgrund von nachrichtengetriebenen Marktreaktionen neutral positioniert, trotz robuster Fundamentaldaten
- Die Duration bleibt übergewichtet, der Fokus liegt weiterhin auf Unternehmensanleihen mit Schwerpunkt im 4 – 8 Jahres-Bereich
- Geldpolitische Erwartungen bleiben volatil, Zinserhöhungserwartungen an die EZB sehen wir kritisch
Finanzmärkte: Iran-Schock, Energiepreise und volatile Geldpolitik
Der März 2026 war an den Finanzmärkten von einem spürbaren Stimmungsumschwung geprägt. Die vorherrschende Zuversicht in den ersten beiden Monaten des Jahres wich einer vorsichtigeren Bewertung des makroökonomischen Umfelds. Zunehmende geopolitische Spannungen, insbesondere im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt, rückten in den Fokus der Marktteilnehmer. Insbesondere der deutliche Anstieg der Ölpreise infolge des Iran-Konflikts und der Schließung der Straße von Hormus belastete die Marktstimmung erheblich und führte zu einem merklichen Anstieg der Inflationsrisiken. Entsprechend reagierten die Märkte sehr sensibel auf die Nachrichtenlage.
Die Notenbanken verhielten sich weiterhin abwartend und betonten ihre datenabhängige Ausrichtung. Der erhöhte Inflationsdruck führte jedoch zu schwankenden Erwartungen einerseits hinsichtlich möglicher Zinssenkungen seitens der Fed in den USA, andererseits sogar wieder zu möglichen Zinsanhebungen in Europa durch die EZB. Dadurch erhöhte sich die geldpolitische Unsicherheit signifikant. Insgesamt blieb die Volatilität auf Monatssicht moderat, während Nervosität und Selektivität an den Märkten spürbar zunahmen.

Makro-Ökonomie: Wachstumsdämpfer trifft auf neuen Preisdruck
Im März verschlechterte sich das makroökonomische Umfeld spürbar. In den USA wie auch in der Eurozone wurden die Wachstumserwartungen für 2026 sukzessive zurückgenommen. Tragfähige Nachfrageimpulse blieben aus, während sich der zuvor robuste Dienstleistungssektor abkühlte. Das verarbeitende Gewerbe zeigte lediglich eine fragile und uneinheitliche Stabilisierung. Gleichzeitig rückten Inflationsrisiken erneut stärker in den Fokus der Märkte. Der deutliche Anstieg der Energiepreise, auch vor dem Hintergrund der Iran-Spannungen, belastete die Preisperspektiven.
Höhere Import- und Produzentenpreise erhöhten zusätzlich die Unsicherheit über den Inflationspfad. Damit verschärfte sich das Spannungsfeld zwischen nachlassender Wachstumsdynamik und Preisdruck. Die Notenbanken blieben ruhig, sehen sich allerdings mit zunehmendem Preisdruck konfrontiert, während die konjunkturelle Basis brüchiger wird. Insgesamt nahm die makroökonomische Unsicherheit im Monatsverlauf deutlich zu.


Die Aktienmärkte bleiben weiterhin stark vom aktuellen Newsflow rund um die Straße von Hormus geprägt. Der S&P 500 markierte trotz der anhaltenden Unsicherheiten hinsichtlich der Energiepreise neue Allzeithochs. Das erwartete Gewinnwachstum des S&P 500 für die kommenden zwölf Monate ist im vergangenen Monat deutlich von 15,9 % auf 20,9 % gestiegen. Dabei ist zu beobachten, dass die positiven Gewinnrevisionen vor allem dem Energiesektor zuzuordnen sind.
Zusätzlich stützen die Erwartungen an deutliche Produktivitätsgewinne sowie Margenausweitungen infolge der zunehmenden Einführung von Künstlicher Intelligenz in der „Old Economy“ das Gewinnwachstum. Die Bewertungsniveaus haben inzwischen wieder das Vorkriegsniveau erreicht.

Auch in Europa zeigt sich eine vergleichbare fundamentale Ausgangslage. Für den Euro Stoxx 50 wird auf Sicht von zwölf Monaten ein Gewinnwachstum von 14,1 % erwartet, nach zuvor 11,2 %. Stabile Margen und ein Bewertungsniveau im eher erhöhten Bereich runden das Bild ab.
Aus rein fundamentaler Sicht würde diese Entwicklung eine positive Einschätzung von Aktien unterstützen. Allerdings müssen die Risiken im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt weiterhin berücksichtigt werden. Vor diesem Hintergrund und angesichts der zuletzt sehr erratischen Kursbewegungen erscheint eine neutrale Aktienpositionierung weiterhin konsequent.

Rentenmärkte: EZB - wird sie sich bewegen?
Der Renditeanstieg im März wurde vor allem durch einen starken Energiepreisschock (Öl/Gas > 35% in wenigen Tagen) ausgelöst. Erinnerungen an 2022 führten zunächst zu der Erwartung, die EZB müsse deutlich straffer reagieren; entsprechend stiegen Renditen und Credit-Spreads kurzfristig spürbar.
Ein direkter Vergleich mit 2022 greift jedoch zu kurz: Damals traf der Inflationsschub auf eine extrem expansive Geld- und Fiskalpolitik (Negativzinsen, Anleihekäufe, Sonderkredite, hohe Defizite) und wurde zusätzlich durch Corona-bedingte Angebotsengpässe sowie staatlich gestützte Nachfrage verstärkt.
Heute sind die Leitzinsen näher am neutralen Niveau, Nettokäufe sind beendet, Sonderprogramme ausgelaufen und die Fiskalpolitik weniger exzessiv – bei zugleich schwächerem Wachstum und nachlassenden Arbeitsmärkten. Vor diesem Hintergrund wären Zinserhöhungen bei erneut anziehender Inflation konjunkturell besonders riskant; entscheidend bleibt, ob sich die Energiepreise rasch normalisieren oder Zweit- und Drittrundeneffekte entstehen.
Für die Portfolioausrichtung bleiben wir bei einer gegenüber der Benchmark längeren Duration (Schwerpunkt 4–8 Jahre, Ergänzungen bis 20 Jahre) sowie einer unveränderten Übergewichtung von Unternehmensanleihen.

