LAIQON Research Spotlight: „Die Börsen im Rauschzustand“

Die globale Ordnung verschiebt sich, Handelsströme verlagern sich und Asien ist dabei, die Welt zu erobern. China und die USA liefern sich einen Wettlauf um die wirtschaftliche Führungsrolle, wobei der Konsumhunger der Amerikaner den Asiaten in die Hände spielt. Für Portfoliomanager Adrian Daniel und sein Team betreten wir damit gerade ein neues Regime – das von ihnen sogenannte „SPEED-Regime“. Denn aus ihrer Sicht verhält sich der Markt im Moment wie auf Drogen. LAIQON | 30.04.2026 12:48 Uhr
Adrian Daniel, Portfoliomanager des Absolute Return Multi Asset-Teams, LAIQON-Gruppe / © e-fundresearch.com / LAIQON
Adrian Daniel, Portfoliomanager des Absolute Return Multi Asset-Teams, LAIQON-Gruppe / © e-fundresearch.com / LAIQON

In der Vergangenheit, und verstärkt vor allem auch im letzten Jahr, mussten wir feststellen, dass sich die Investoren aufgrund der zunehmenden Verschuldung gewisser Länder immer mehr von den zentralen Märkten abgewendet haben und teilweise auch aus den FIAT-Währungen geflohen sind. Das bietet zwar gewisse Opportunitäten für aktive Manager, zeigt aber auch, dass der zentrale Fokus auf die USA in gewisser Weise infrage gestellt wird - was möglicherweise wiederum auch die Schwäche des US-Dollars erklärt. Unserer Auffassung nach beginnt damit gerade ein neues Regime - das „SPEED“-Regime.

Was bedeutet „SPEED“-Regime?

Die Abkürzung „SPEED“ steht zum einen für die Beschleunigung bei der Entwicklung verschiedener struktureller Trends. Tagtäglich beschäftigen wir uns in unserer Arbeit mit der Analyse struktureller Veränderungen, und bei einigen Trends ist auffällig, dass sich die Geschwindigkeit ihrer Entwicklung deutlich beschleunigt hat. Dazu zählt der Kampf um kritische Ressourcen, aber auch um die Vorherrschaft bei der künstlichen Intelligenz. Bei letzterer haben wir ja zuletzt auch eine deutliche Beschleunigung der Investitionen bemerkt. Andererseits beschreibt „SPEED“ aber auch einen Rauschzustand an den Kapitalmärkten, der durch die geopolitisch erzwungene, expansive Geldpolitik ausgelöst worden ist. Die Börsen werden gezwungenermaßen durch immer mehr Liquidität seitens der Notenbanken angeheizt, da einige Staaten bereits relativ stark verschuldet sind und somit auch eine günstigere Finanzierung benötigen.

Wir haben uns erlaubt, dieses entstehende Regime anhand einer Karikatur zu verbildlichen, in der sich die führenden Chefs ausgewählter Länder in einer Art Tanz um Stühle herum bewegen - angelehnt an die „Reise nach Jerusalem“. Im Hintergrund sieht man die Notenbanker den Takt vorgeben. Die Illustration ist eine Anspielung auf das Vertrauen der Anleger in die Schuldentragfähigkeit gewisser Länder, denn eines dieser Länder könnte dieses Vertrauen verlieren – versinnbildlicht durch den Stuhl, der dem Verlierer bei der „Reise nach Jerusalem“ genommen wird.

Comeback der aktiv gemanagten Strategien?

In den letzten Jahren nahm die Dominanz passiver Produkte immer weiter zu. Nun hat sich das Sentiment gegenüber der Dominanz einiger Indizes aber gedreht und wir halten es durchaus für möglich, dass die vielen Unsicherheiten in der aktuellen Lage zu einem Comeback der aktiven Strategien führen. Insbesondere auch deshalb, weil wir feststellen mussten, dass mit der Verschuldungssituation auch eine Abkehr der Investoren von bestimmten FIAT-Währungen einhergegangen ist. Die zentrale Fokussierung der Aktienmärkte auf die USA wird also in gewisser Weise infrage gestellt, und einige Investoren sehen dadurch auf fundamentaler Basis keine ausreichende Abbildung der Volkswirtschaft mehr gegeben. Das könnte zu einem bestimmten Grad möglicherweise auch die Schwäche des US-Dollars erklären. Aus diesem Grund wird auch der MSCI World als globales Aktieninvestment zunehmend kritisiert, da er zu rund ¾ aus Nordamerika besteht. Diese Situation kann aktiven Investoren natürlich Opportunitäten bieten.

Der Tracking-Error als Alpha-Chance

Üblicherweise wird ein hoher Tracking-Error mit Risiko verbunden, gerade von institutionellen Anlegern. Für viele ist er ein Ausdruck des Abweichungsrisikos zu einer bestimmten strategischen Allokation. Die starke Konzentration der globalen Indizes könnte allerdings auch dazu führen, dass man sich zu sehr in seiner Positionierung konzentriert. Deshalb sehen wir in einem hohen Tracking-Error eine Chance, uns bewusst vom Mainstream zu differenzieren und damit in unserer Positionierung einzigartig zu sein. In gewisser Hinsicht kann diese Abweichung auch als Grad dafür angesehen werden, wie aktiv die Manager sind. In unserer globalen Aktienstrategie haben wir beispielsweise in den vergangenen Jahren sogar einen zweistelligen Tracking-Error etabliert. 

Die Potenziale Asiens

Während die Dominanz der USA vielerseits kritisiert wird, sehen wir in Asien enormes Wachstumspotenzial. In den letzten Jahren hat die Region aufgrund der technologischen Errungenschaften, die sie hervorgebracht hat, enorm an Bedeutung gewonnen. Mit Blick auf die Halbleiterindustrie führt mittlerweile kein Weg mehr an Korea oder Taiwan vorbei, und in Sachen Robotik und Automatisierung sind wiederum Japan und China zentral.

Doch nicht nur beim Thema künstliche Intelligenz liefern sich Asien und die USA einen Wettstreit um die globale Führungsrolle. Auch beim Konsummarkt können wir eine Verschiebung weg von den USA und hin zu Asien beobachten - insbesondere Richtung Indien, Indonesien und Vietnam. Das sind Regionen, die von einer jungen Konsumergeneration und sehr starken Populationen gekennzeichnet sind. Damit bildet sich nun ein Gegengewicht zum US-amerikanischen Konsummarkt, der historisch im Fokus der Anleger stand. Und auch bei den seltenen Erden findet ein Wetteifern zwischen Asien und Amerika statt.

Der Wettlauf um kritische Rohstoffe

An Beispielen wie dem Ukrainekrieg oder auch der Situation in Grönland und Venezuela sehen wir, dass der Hunger nach entsprechenden Ressourcen wächst. Zudem gerät die strategische Sicherung kritischer Rohstoffe auch zunehmend ins Visier der Politik. Für diese Entwicklung sind wir auch für unsere Anleger positioniert, denn zukünftiges Wachstum wird nur mit der Sicherung bestimmter kritischer Rohstoffe möglich sein.

Asien nimmt hier erneut eine Vormachtstellung ein, und insbesondere China hat bei den seltenen Erden eine sehr gute Ausgangslage. Da diese für die Produktion vieler Schlüsseltechnologien und Rüstungsgüter notwendig sind, besitzt China eine dominante Stellung in diesem Wettlauf, und dadurch ist Asien natürlich hervorragend positioniert.

Fazit: Die Investmenttrends mit den größten Wachstumspotenzialen bis 2030

Neben der Erschließung und Sicherung kritischer Ressourcen zählt zu den größten Wachstumstrends allem voran natürlich das Thema künstliche Intelligenz. Besonders stark liegt der Fokus dort aktuell auf Unternehmen, die die entsprechende Infrastruktur für LLM’s (Large Language Models) zur Verfügung stellen. Aber auch bei den Konsummärkten sehen wir momentan eine klare Verschiebung in Richtung Asien, an der wir in unseren Strategien partizipieren wollen.

Zusammengefasst dürften also die folgenden strukturellen Wachstumstrends in den nächsten Jahren die Entscheidenden sein:

  • Sicherung und Produktionsausbau kritischer Rohstoffvorkommen
  • Stärkere Nutzung von KI im Dienstleistungssektor
  • Nutzung von KI für Robotik/Automatisierung
  • Verschiebung der Konsumnachfrage in die EM bzw. Asien

Von Adrian Daniel, Portfoliomanager des Absolute Return Multi Asset-Teams, LAIQON-Gruppe

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