Fazit: Das Wichtigste auf einen Blick
- Während die US-Konjunktur weiter robust bleibt, verliert Europa zunehmend an Wachstumskraft.
- Die Notenbanken treten auf die Bremse: Zinssenkungsfantasien verschwinden und weitere Erhöhungen werden eingepreist.
- Die Stabilität der Aktienindizes verdeckt eine spürbare Rotation innerhalb des Marktes. Unsere Positionierung bei Aktien bleibt neutral.
- Wir nehmen an der Rentenpositionierung keine strukturellen Änderungen vor. Wir bleiben bei der Duration über der Benchmark und sind bei Unternehmensanleihen im Investmentgrade-Bereich übergewichtet.
Finanzmärkte: Risiken werden neu bewertet – Märkte im Rotationsmodus
Seit unserer letzten Strategiesitzung am 18. Juni 2026 präsentierten sich die Aktienmärkte oberflächlich betrachtet weitgehend stabil. Unter der Oberfläche vollzogen sich jedoch ausgeprägte sektorale und regionale Rotationen. Während der MSCI World in Euro um 0,8 % zulegte, war die Entwicklung innerhalb der Indizes von einer deutlichen Verschiebung der Anlegerpräferenzen geprägt.
Insbesondere die zuvor stark gelaufenen Technologie-, Halbleiter- und KI-nahen Unternehmen gerieten unter Druck. Gewinnmitnahmen bei vielen Titeln entlang der KI-Wertschöpfungskette belasteten speziell den Nasdaq 100, der um 4,1 % nachgab. Gleichzeitig konnten defensivere Sektoren sowie konjunktursensitivere Marktsegmente einen Teil der Schwäche kompensieren und verhinderten größere Rückgänge auf Gesamtmarktebene.
In Europa entwickelten sich die Aktienmärkte ebenfalls verhalten. Der DAX verlor 0,1 %, der Euro Stoxx 50 0,4 %, wobei die höhere Gewichtung klassischer Industrie- und Finanzwerte die Kursschwäche im Technologiesektor teilweise abfederte. Deutlich schwächer verlief die Entwicklung in Japan mit einem Minus von 6,7 % und in den Schwellenländern mit einem Minus von 7,4 %. Beide litten sowohl unter einer nachlassenden globalen Risikobereitschaft als auch unter dem gegenüber dem Euro festeren US-Dollar.
Insgesamt war das Aktienmarktumfeld weniger von einem breiten Risikoappetit als vielmehr von einer Neubewertung zuvor stark gefragter Wachstums- und Technologietitel geprägt.
Auch Rentenanlagen standen unter Druck. Euro-Staatsanleihen verloren 1,4 %, der Euro Aggregate Index 1,1 % und Euro-Unternehmensanleihen 0,6 %. Hintergrund war ein erneuter Anstieg der Renditen infolge erhöhter Inflationserwartungen und einer weiterhin restriktiven Notenbankkommunikation.
Zwar blieb die Hoffnung auf spätere Zinssenkungen bestehen, gleichzeitig signalisierten die Zentralbanken jedoch, dass Preisstabilität weiterhin Priorität besitzt. Die steigenden langfristigen Renditen belasteten insbesondere qualitativ hochwertige Anleihen. High-Yield-Anleihen konnten sich mit einem Plus von 0,3 % dagegen behaupten, da stabile Fundamentaldaten und die Suche nach laufenden Erträgen die Kreditspreads stützten.
Geopolitisch rückte die erneute Eskalation zwischen den USA und dem Iran in den Mittelpunkt. Die Sorge um mögliche Angebotsstörungen im Nahen Osten ließ den Brent-Ölpreis um 14,0 % steigen und verlieh den Inflationserwartungen neuen Auftrieb.
Davon profitierten klassische Inflationsschutzanlagen jedoch nicht automatisch. Gold gab um 3,2 % nach, da steigende Realrenditen und ein festerer US-Dollar die Attraktivität des Edelmetalls reduzierten.

Wertentwicklungen in der Vergangenheit sind keine Garantie für die zukünftige Entwicklung einer Anlage. Quelle: MFI Asset Management GmbH, Bloomberg, Stand: 21.07.2026
Konjunktur: Wachstumsdivergenz zwischen USA und Eurozone weitet sich vorerst nicht aus
Das makroökonomische Umfeld bleibt von einer ausgeprägten Divergenz zwischen den USA und der Eurozone geprägt. Während sich die Wachstumserwartungen für die USA nach der Abschwächung gegenüber dem Vorjahr stabilisiert haben und die Schätzungen für 2027 leicht nach oben angepasst wurden, wurden die Prognosen für die Eurozone im Jahresverlauf erneut reduziert.
Damit bleibt das Wachstumsgefälle zwischen beiden Regionen bestehen, auch wenn zuletzt keine weitere Ausweitung zu beobachten war.
Die konjunkturellen Frühindikatoren bestätigen dieses Bild. In den USA bleibt die wirtschaftliche Dynamik insgesamt robust. Zwar zeigen sich im Wohnungsmarkt und bei den Auftragseingängen erste Bremsspuren, diese werden derzeit jedoch durch eine stabile Aktivität im Dienstleistungssektor, eine verbesserte Unternehmensstimmung und weiterhin hohe konjunkturelle Überraschungen kompensiert.
In der Eurozone deutet sich dagegen eine graduelle Stabilisierung an. Sowohl das verarbeitende Gewerbe als auch die Dienstleistungsaktivität haben sich zuletzt verbessert und die Überraschungsindikatoren sind erstmals seit mehreren Monaten wieder in den positiven Bereich vorgedrungen. Das bestehende Wachstumsgefälle zur US-Wirtschaft wird dadurch bislang jedoch nicht geschlossen.
Ein wesentlicher Unterschied bleibt die Entwicklung der Konsumnachfrage. Der US-Konsument erweist sich weiterhin als tragende Säule der Wirtschaft und stützt die gesamtwirtschaftliche Aktivität trotz nur durchschnittlicher Stimmungswerte. In der Eurozone signalisiert das Verbrauchervertrauen dagegen weiterhin eine zurückhaltende Nachfrageentwicklung. Gleichzeitig bleiben die Arbeitsmärkte auf beiden Seiten des Atlantiks robust und wirken stabilisierend auf die Konjunktur.
Der zuletzt nachlassende Preisauftrieb verändert das Gesamtbild nur begrenzt. Zwar ist die Inflation sowohl in den USA als auch in der Eurozone gegenüber dem Vormonat zurückgegangen, die Kombination aus widerstandsfähiger Nachfrage, robusten Arbeitsmärkten und weiterhin restriktiven Finanzierungsbedingungen spricht jedoch gegen eine schnelle geldpolitische Entspannung.
Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch die erneute Eskalation des Konflikts zwischen den USA und dem Iran. Die im Juni erzielte Waffenruhe beziehungsweise das Rahmenabkommen erweist sich damit als nicht tragfähig, wodurch geopolitische Risiken insbesondere für Energiepreise und globale Lieferketten wieder stärker in den Fokus rücken.
Vor diesem Hintergrund bleiben auf beiden Seiten des Atlantiks weitere Zinserhöhungen bis zum Jahresende eingepreist.

Quelle: MFI Asset Management GmbH, Bloomberg, Stand: 30.06.2026

Quelle: MFI Asset Management GmbH, Bloomberg, Stand: 10.07.2026
Aktienmärkte: Anhaltende Unruhe unter der Indexoberfläche
Der US-Aktienmarkt befindet sich seit Mitte Mai in einer Konsolidierungsphase. Kursnotierungen im Bereich von rund 7.600 Punkten markieren derzeit die zentrale Widerstandszone. Seit unserem letzten Strategiemeeting im Juni 2026 steht damit eine Performance von 0,2 % zu Buche.
Die scheinbare Ruhe an der Indexoberfläche trügt jedoch den zweiten Monat in Folge. Waren es im Mai und Juni noch die Chipwerte, die gefragt waren, entwickelten sich im Juni und Juli die von Disruptionssorgen belasteten US-Softwaretitel deutlich stärker.
Auch die Hyperscaler, mittlerweile als „Check-Writer“ des KI-Zyklus bezeichnet, entwickelten sich leicht stärker als der Gesamtmarkt. Dem gegenüber stand die deutliche Korrektur der zuvor stark gestiegenen Chipwerte. So verbilligte sich der Philadelphia Semiconductor Index, kurz SOX, im selben Zeitraum um knapp 14 %.
Die untenstehende Grafik veranschaulicht das Auseinanderdriften der Indexvolatilität und der Schwankungsbreite der Einzeltitel im Index.

Quelle: MFI Asset Management GmbH, Bloomberg, Stand: 20.07.2026
Fundamentale Veränderungen gab es in dieser Zeit nicht. Das erwartete Gewinnwachstum wird weiterhin nach oben korrigiert. Die Erwartung von 25 % höheren Gewinnen in den nächsten zwölf Monaten bildet weiterhin den Nährboden und die zentrale Erklärung für den aktuellen Indexstand.
Auch in Europa hat sich die fundamentale Situation nicht verändert, wie die untenstehenden Grafiken zeigen. Einer leicht schwächeren Performanceentwicklung von minus 0,4 % seit dem letzten Strategiemeeting Mitte Juni stehen unverändert hohe Gewinnerwartungen für die Zukunft gegenüber.
Auffällig ist jedoch, dass die erwarteten Gewinne im Euro Stoxx 50 einerseits nach oben revidiert werden, andererseits die erwartete Gewinnmarge dies nicht vollständig widerspiegelt.
Die positiven Erwartungen werden in Europa somit stärker von höheren Umsätzen als von einer steigenden Profitabilität der Unternehmen getragen. Auch das erwartete BIP-Wachstum der Eurozone sollte künftig im Blick behalten werden. Die Schätzungen wurden im Jahresverlauf bereits halbiert, ohne dass sich dies ansatzweise in den Gewinnerwartungen europäischer Indizes widerspiegelt – wohlwissend, dass wir in einer global vernetzten Welt leben.

Quelle: MFI Asset Management GmbH, Bloomberg, Stand: 30.06.2026
Rentenmärkte: Alles wieder auf Anfang – zurückkehrender Krisenmodus lässt Leitzinserwartungen erneut steigen
Es hätte so schön sein können. Die Einigung im Juni zwischen den USA und dem Iran auf ein Rahmenabkommen mit anschließenden Detailverhandlungen zu den strittigen Themen hatte den Ölpreis innerhalb weniger Tage wieder auf das Vorkriegsniveau einbrechen lassen.
Die konjunkturelle Verfassung der Weltwirtschaft erlaubt aktuell eigentlich auch keine höheren Preise. Doch die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Krise und die Wiederaufnahme der Kampfhandlungen haben auch den Rentenmarkt wieder in den Krisenmodus versetzt. Alles steht wieder auf Anfang.
Die Kausalkette bleibt dabei unverändert. Höhere Öl- und Energiepreise lassen die Inflations- und damit die Leitzinserwartungen steigen. Anziehende Renditen entlang der Zinskurven sind das Ergebnis.
Die Verschärfung der Lage durch das Eingreifen der Huthis am Horn von Afrika und die Blockade der Straße von Bab al-Mandab hat die Risiken durch eine möglicherweise drohende Sperrung des Suezkanals noch einmal erhöht. Ein längerer Ausfall beider Schifffahrtsstraßen wäre für die Energieversorgung und die Lieferketten in Europa tatsächlich eine Katastrophe.
Dennoch haben sich die Kreditspreads auch im Juli bisher sehr gut gehalten und spiegeln am Markt weiterhin eine stabile Bonitätseinschätzung der Anleger für Unternehmensanleihen wider.
So bleibt aktuell nur zu hoffen, dass Vernunft einkehrt und das Eigeninteresse aller Beteiligten an einer Beendigung der Krise obsiegt. Der Rentenmarkt würde eine solche Entwicklung mit deutlich niedrigeren Renditen belohnen. Schon erste Anzeichen einer Normalisierung werden aktuell von deutlichen Ausschlägen der Renten-Futures nach oben begleitet.
Eines bleibt uns aber in jedem Fall erhalten: Volatilität.

Quelle: MFI Asset Management GmbH, Bloomberg, Stand: 15.07.2026

Quelle: MFI Asset Management GmbH, Bloomberg L.P., Stand: 17.07.2026