MANGOS als neue FAANG? Warum das Tech-Akronym zu kurz greift

Mit MANGOS soll ein neues Tech-Akronym die bekannten FAANG-Aktien ablösen. Meta, Anthropic, Nvidia, Google, OpenAI und SpaceX stehen für unterschiedliche Bereiche des KI-Booms. Frank Schwarz von LAIQON erklärt, warum der Begriff für Anleger zu kurz greift und wo er entlang der KI-Wertschöpfungskette die größten Chancen sieht. LAIQON | 01.09.2026 15:51 Uhr
Frank Schwarz, Senior Portfoliomanager, LAIQON / © e-fundresearch.com / LAIQON
Frank Schwarz, Senior Portfoliomanager, LAIQON / © e-fundresearch.com / LAIQON

Mit dem Börsengang von SpaceX hat ein neues Akronym Einzug in die Branche gefunden: MANGOS. Von einigen Marktbeobachtern werden die Unternehmen dahinter – Meta, Anthropic, Nvidia, Google, OpenAI und SpaceX – bereits als potenzielle FAANG-Nachfolger gehandelt. Doch was steckt wirklich hinter dem neuen Trendbegriff, und ist das Ganze nicht bloß eine neue Marketingidee?

Für so manchen Anleger gelten die „MANGOS“ bereits als möglicher Nachfolger der bekannten FAANG-Aktien. Doch taugt das neue Akronym tatsächlich als Orientierung für Investoren? Hinter dem Schlagwort verbergen sich sehr unterschiedliche Geschäftsmodelle mit teils stark abweichenden Chancen und Risiken. Statt blind auf ein neues Akronym zu setzen, entscheidet unserer Meinung nach aber vielmehr eine ganz andere Frage über den langfristigen Investmenterfolg: welche Unternehmen schaffen nachhaltigen Wert entlang der KI-Wertschöpfungskette?

MANGOS statt FAANG? Warum wir das neue Trend-Akronym kritisch sehen

Am 12. Juni 2026 ist SpaceX an die Börse gegangen. Kurz darauf entstand auf der Plattform X ein neues Akronym: MANGOS. Seitdem ist der Name immer häufiger auch außerhalb des sozialen Netzwerks zu lesen. Das Kurzwort steht für sechs Unternehmen, die als Schlüsselakteure in den Bereichen KI und Tech angesehen werden. Konkret verbergen sich dahinter die Firmen Meta, Anthropic, Nvidia, Google, OpenAI und SpaceX. Unter Enthusiasten werden die „MANGOS“ schon als potenzielle Nachfolger von FAANG (als Facebook, Amazon, Apple, Netflix und Google) gehandelt. Für sie spiegeln die „MANGOS“ einen strukturellen Wandel an der Wall Street wider: Weg von der reinen Aufmerksamkeits- und Konsumökonomie und hin zu Unternehmen, die das Fundament für KI und neue Technologiesprünge legen.

Wir vom Global Growth Equity Team halten den neuen Begriff „MANGOS“ allerdings weniger zielführend, um die Investmentchancen verschiedener KI-Aktien zu beurteilen. Sehen wir uns die Unternehmen dahinter doch einmal genauer an: Ein paar von ihnen sind Large Language Model Firmen (SpaceX, Anthropic, Google und OpenAI), mit Nvidia und Google haben wir zwei Halbleiterfirmen, mit Meta und Google zwei Consumer Internetunternehmen und zwei Hyperscaler mit Google und SpaceX.

UnternehmenEinordnung
MetaConsumer Internet, langsam Strategieschwenk Richtung Hyperscaler?
AnthropicLarge Language Model
NvidiaHalbleiter
GoogleHyperscaler, Consumer Internet, Large Language Model
OpenAILarge Language Model
SpaceXDatacenter über Satelliten im Weltall (Hyperscaler der Zukunft), Large Language Model

Gewinner sind die Halbleiterfirmen sowie die Hyperscaler, deren Aussichten wir sehr gut einschätzen. Bei den Large Language Models sehen wir die Lage allerdings nicht so positiv – für sie wird es immer schwieriger werden, sich von der Konkurrenz abzugrenzen. So erwarten wir auch immer weiteren Preisdruck, weil sich die Modelle in Bezug auf ihre Leistung immer mehr annähern. Das sehen wir am Beispiel von ChatGPT, dessen Startvorteil mittlerweile nicht mehr gegeben ist. Erst wurde es auf der Konsumentenseite von Gemini eingeholt, und für Geschäftskunden ist Claude mittlerweile das bessere Produkt. Auch die chinesischen Modelle holen in ihrer Leistung immer mehr auf, und das zu noch geringen Kosten. Wir sehen, dass die Nachfrage nach KI bei den beschriebenen Preisrückgängen geradezu explodiert – und das hat unterschiedlichen Folgen.

Warum das klassische FAANG-Narrativ trotzdem nicht mehr ausreichend ist

Die Abkürzung „FAANG“ entstammt der klassischen Internetzeit. Seitdem haben sich die Geschäftsmodelle der Firmen stark weiterentwickelt – bei Google beispielsweise ist das Cloud/Hyperscaler-Geschäft mittlerweile wichtiger als die Google Suche oder YouTube. Die Entwicklungen, die dem Bereich KI entstammen, sind dagegen nicht gut abgebildet. Trotzdem können auch die „MANGOS“ nicht vollends überzeugen, da uns hier die Large Language Models (LLM’s) nicht so sehr gefallen.

Wir würden für die Investmentanalyse deshalb auch weiterhin auf die Magnificent Seven (Mag 7) setzen. Darin sind im Gegensatz zu den „MANGOS“ nämlich auch Firmen wie Amazon oder Tesla vertreten, bei denen wir mit das größte Potenzial im KI-Bereich sehen. Ebenfalls sehr großes Potenzial sehen wir in diesem Bereich aber auch bei TSMC, Samsung, SK Hynix, Micron, AMD, Broadcom und SpaceX – wo wir im Übrigen eine baldige Fusion mit Tesla erwarten. Möglicherweise sollte man die Mag 7 in Zukunft noch um diese Unternehmen ergänzen. Wenn man einen Blick auf das Segment der KI-Anwender wirft, finden wir außerdem auch Firmen wie Axon oder Palantir interessant.

Das entscheidende Wachstumsthema bleibt KI-Infrastruktur

Die Unternehmen der Magnficient Seven sind allesamt börsennotiert. Bei den „MANGOS“ ist das nicht der Fall: sowohl Anthropic als auch OpenAI sind bislang noch nicht an der Börse. Doch beide Firmen sind davon abhängig, an frisches Kapital über Börsengänge zu gelangen. Angesichts des sich zuspitzenden Preiskampfes unter den LLM’s ist das aber auch ein Wettkampf gegen die Zeit. Insbesondere für OpenAI könnte es schwierig werden, an denen sich auch schon der amerikanische Staat beteiligt hat. Sollte der geplante Börsengang nicht gelingen, wird sich sehr wahrscheinlich Microsoft stärker an der Firma beteiligen müssen. Anthropic hat dagegen größere Chancen beim Börsengang – wobei nicht sicher ist, ob die anvisierte Bewertung von 2.000 Mrd USD errecht werden kann.

Nvidia, Google und Meta sind dafür schon seit einiger Zeit an der Börse und schon lange sehr profitabel. Unserer Ansicht nach sind diese drei Unternehmen auch nicht zu hoch bewertet. Anthropic, OpenAI und SpaceX hingegen preisen hohe Wachstumsraten ein und sind bisher auch noch nicht profitabel. Sollte es SpaceX gelingen, die KI-Rechenleistung mit Satelliten ins Weltall zu verlagern, könnte hier aber mit das größte Potenzial liegen. Damit wäre das Unternehmen ein Hyperscaler der Zukunft, und sowohl die Hyperscaler als auch die Halbleiterfirmen sehen wir als am meisten aussichtsreich an – denn sie schaffen die nötige Infrastruktur für die Künstliche Intelligenz.

Die Wertschöpfungskette rund um den Ausbau von KI-Infrastruktur stellt für uns das wichtigste strukturelle Wachstumsthema dar. Wir erwarten, dass der Ausbau der KI in den nächsten Jahren weiterhin stark vorangetrieben wird. Es kommen immer mehr Einsatzgebiete hinzu – beispielsweise selbstfahrende Autos, humanoide Roboter oder der Ersatz vieler Bürojobs durch KI. Davon werden viele Firmen entlang der Wertschöpfungskette langfristig profitieren. Sicherlich tauchen dadurch auch Fragen wie die zur Profitabilität einiger Geschäftsfelder, zur Finanzierung des Ausbaus der KI oder zur ausreichenden Stromversorgung der Datencenter auf. Das wird dafür sorgen, dass die Entwicklung keine Einbahnstraße ist. Langfristig sind wir aber von den Aussichten vieler Firmen im Bereich der Künstlichen Intelligenz überzeugt.

Von Frank Schwarz, Senior Portfoliomanager bei LAIQON

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