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Sustainability-Linked Bonds: Sollten Anleger auf das Schlimmste hoffen?

Bereits in den ersten Wochen des neuen Jahres gab es eine beachtliche Anzahl von Neuemissionen ESG-fokussierter Schwellenländeranleihen. Nachhaltige, soziale und grüne Bonds sind derzeit stark nachgefragt. Weniger verbreitet sind hingegen bisher solche Papiere, deren Verzinsung vom Erreichen oder Nicht-Erreichen bestimmter Nachhaltigkeitsziele abhängt: sogenannte Sustainability-Linked Bonds (SLBs), oder nachhaltigkeitsgebundene Anleihen. Das M&G Public Fixed Income Team erläutert, worauf Anleger in diesem Segment achten sollten: M&G Investments | 11.02.2021 19:14 Uhr
© Photo by Tyler Casey on Unsplash
© Photo by Tyler Casey on Unsplash

Mit SLBs können sich Anleger an den Verbesserungen eines Emittenten bezüglich Umwelt, Sozialem oder Unternehmensführung beteiligen. Der Kupon der Anleihe erhöht sich um eine bestimmte Anzahl von Basispunkten (in der Regel 25 BP) pro Jahr, wenn das definierte Ziel nicht erreicht werden kann.

Ein wachsender Markt in Schwellenländern

Nachdem die Firma Suzano mit Sitz in São Paulo im September 2020 den ersten SLB in einem Schwellenland begeben hatte, sind weitere brasilianische Emittenten hinzugekommen. Klabin, ein Zellstoff- und Papierunternehmen, emittierte beispielsweise eine interessante Struktur mit drei verschiedenen Kuponerhöhungen von insgesamt 25 Basispunkten. Diese basieren auf drei Leistungsindikatoren: Wasserverbrauch, Abfallverwendung und die Wiederansiedlung wilder Tier- und Pflanzenarten. Damit ergänzt das Unternehmen sein bestehendes Green-Bond-Programm.

Nun könnten Anleger sich möglicherweise wünschen, der Emittent möge seine Nachhaltigkeitsziele nicht erfüllen, um eine höhere Rendite zu erhalten. Politisch korrekt ist das in einer Welt, in der alle Investoren von sich sagen, sie hätten ESG in ihrer DNA, sicherlich nicht. Aber unter Wirtschaftlichkeitsaspekten muss man es trotzdem ansprechen. Dazu ein Beispiel: Ein zehnjähriger SLB mit einem Kupon von 5 %, der zum Nennwert gehandelt wird, und eine Rendite von 5 % bis zur Fälligkeit abwirft, wird einen Kursanstieg von ca. 2 % verzeichnen, nachdem sein Kupon um 25 Basispunkte gestiegen ist. Bei dieser Berechnung geht man aber davon aus, dass das Risiko nicht, oder nur sehr wenig von den Leistungsindikatoren dieser SLB abhängt. Die Rendite von 5% müsste also bei ähnlichen Marktbedingungen gleichbleiben, auch wenn das Unternehmen wichtige Veränderungen nicht umsetzt –etwa seine CO2-Emissionen oder seinen Wasserverbrauch nicht reduziert.

Ethisch oder nicht ethisch – das ist hier die Frage

Aus rein ethischer Sicht könnten verantwortungsbewusste Investoren behaupten, der Gewinn, den sie erhalten, weil der Emittent seine Ziele nicht erreicht, sei einfach eine fällige Entschädigung dafür, dass dieser nicht nachhaltig genug gehandelt hat. Andere bedauern vielleicht das Ausbleiben von Verbesserungen, weil ihnen die ESG-Ergebnisse ihrer Investitionen am Herzen liegen.

Nicht unvereinbar mit einer ethischen Haltung hingegen ist folgende Überlegung: Wenn die Ziele nicht erreicht werden, erhöht dies das Kreditrisiko und gefährdet so die zu erwartende Rendite. In unserem fiktiven SLB-Beispiel könnten sich die Risikoaufschläge im Laufe der Zeit um mehr als 25 Basispunkte ausweiten.

In einer Welt, in der die Regulierungen in Bezug auf Umweltstandards immer strenger werden, muss jedes Unternehmen, das den Klimawandel auf die leichte Schulter nimmt, mit zukünftigen Störungen des Betriebsablaufs, Geldstrafen und Gerichtsverfahren rechnen. Solche Faktoren werden im zukunftsorientierten Anleihe-Research und zunehmend auch von Rating-Agenturen berücksichtigt.

Nachhaltigkeitsgebundene Anleihen treiben Transformationsprozesse

SLBs sind für Investoren interessant, weil sie Unternehmen motivieren, notwendige und zukunftsweisende Änderungen vorzunehmen. Wenn sie Erfolg haben, so wirkt sich das positiv auf die Alpha-Generierung und das Risikomanagement aus. Sind sie dagegen erfolglos, gibt es eine gewisse Entschädigung durch den erhöhten Kupon.

Aus Sicht des Emittenten steht aber mehr auf dem Spiel: Setzt er vereinbarte Veränderungen nicht um, leidet sein Geschäft. Sein Kreditprofil wird schlechter, was sich wiederum auf die Risikoaufschläge auswirkt. Außerdem kann die Nachfrage für Anleihen, die ihre Nachhaltigkeitsziele nicht erreichen, im Laufe der Zeit abnehmen. Einige Anleger könnten sogar unter einen gewissen Verkaufsdruck kommen.

Deutlich wird das am Beispiel der grünen Anleihen der State Bank of India: Ende 2020 beschlossen einige sehr große europäische Vermögensverwalter, diese Papiere zu verkaufen, nachdem Pläne der Bank bekannt geworden waren, das Carmichael Kohlebergwerk in Australien zu finanzieren. Die State Bank of India wird so schnell wahrscheinlich nicht noch einmal mit einer grünen Anleihe an den Markt kommen.

Ein solches Anlegerverhalten ist in Zukunft auch bei nachhaltigkeitsgebundenen Anleihen vorstellbar. Noch stellen SLBs einen neuen Markt dar. Nur die Zeit wird zeigen, wie Vermögensverwalter regieren, wenn Emittenten ihre Ziele nicht erreichen. Dennoch sollten Anleger, die auf Sustainability-Linked Bonds setzen, weil sie hoffen, dass diese ihre Nachhaltigkeitsziele nicht erreichen, vorsichtig sein, was sie sich wünschen.

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