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AllianzGI Marktausblick 2021: Vier Anlagethemen für das kommende Jahr

Allianz Global Investors | 04.12.2020 14:19 Uhr
© Foto von Olya Kobruseva von Pexels
© Foto von Olya Kobruseva von Pexels

Mit dem „Marktausblick 2021“ wirft Allianz Global Investors (AllianzGI) einen detaillierten Blick ins nächste Jahr. Die Kurzfassung finden Sie unten, die vollständige Version mit ausführlichen Herleitungen und zwölf interessanten Grafiken zu verschiedenen Themen finden Sie hier.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Erholung von der Rezession, in die Covid-19 die Weltwirtschaft 2020 gestürzt hat, wird 2021 voraussichtlich an Schwung verlieren – bei einer erfolgreichen Impfkampagne könnte das globale Wachstum jedoch mehr als die von uns erwarteten 5% erreichen
  • Die enormen Stimulusmaßnahmen von Staaten und Notenbanken werden Nebenwirkungen für Investoren haben, vor allem hohe Bewertungen in mehreren wichtigen Anlageklassen – das erfordert eine wohlüberlegte Selektion von Wertpapieren und Anlageregionen
  • In einem unsicheren Aktienmarktumfeld sollte die richtige Balance im Mittelpunkt stehen: Europäische und asiatische Aktien könnten attraktiver sein als die amerikanischen Top-Performer des Jahres 2020, und Value-Aktien könnten den Abstand zu Growth-Werten verkleinern
  • Die Covid-19-Pandemie hat die Bedeutung nachhaltigen Investierens stärker in den Fokus gerückt; mit öffentlich-privaten Partnerschaften, einer größeren Betonung wirkungsorientierter Anlagen (Impact Investing) und Investitionen, die auf die Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (SDGs) abgestimmt sind, können Investoren staatliche Initiativen unterstützen und einen Beitrag zur Lösung dringender ökologischer und wirtschaftlicher Herausforderungen leisten
  • US-Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten könnten weniger attraktiv sein, falls die Zinsstrukturkurve wie erwartet steiler werden sollte; Unternehmensanleihen, asiatische Anleihen und inflationsindizierte Anleihen bieten interessante Anlagemöglichkeiten

Vier Anlagethemen in 2021

Finanzielle Repression und massive Staatsverschuldung

Wegen des weltweiten Konjunktureinbruchs infolge der Coronavirus-Pandemie im Jahr 2020 betreiben Notenbanken weiter eine Politik der finanziellen Repression (Niedrigzinsen, Kapitalflussbeschränkungen, Regulierungen) Die kurzfristigen Zinsen dürften deshalb vorerst extrem niedrig bleiben. Dies könnte Inflation befördern. Zudem werden Staaten die Anleihenmärkte weiter mit Neuemissionen fluten. In der Folge, so lautet unser aktuell wahrscheinlichstes Szenario für 2021, werden die Renditen langlaufender Anleihen steigen, während jene am kurzen Ende der Kurve fast unverändert bleiben, so dass die Zinsstrukturkurven steiler werden

  • könnten sich inflationsgeschützte US-Anleihen lohnen, etwa aus den USA oder Großbritannien,
  • sollte Gold profitieren – wie oft, wenn andere „sichere“ Anlagen keine bessere Alternative zu sein scheinen.

Ausgewogene, selektive Aktienauswahl

Pandemie-Gewinner waren 2020 vor allem US-Tech-Konzerne und Onlinehändler. Im Falle einer sich 2021 fortsetzenden Konjunkturerholung würden andere Branchen (und Regionen) dazukommen. Solange der Pandemieverlauf jedoch unklar bleibt, bleiben Unternehmens- und Privatausgaben jedoch gedrosselt, und enttäuschende Konjunkturdaten würden die Aktienmärkte belasten. Alles in allem ist für 2021 eine breite und ausgewogene Aktienauswahl empfehlenswert, zumal wenn die Welt COVID-19 in den Griff bekommt. Denn in diesem Szenario dürften

  • unterbewertete zyklische Aktien (etwa Industrie- und Finanzwerte) überdurchschnittlich abschneiden (andernfalls sollten vor allem die Gewinner des vergangenen Jahres weiter outperformen)
  • viele Wachstumstitel attraktiv bleiben – vor allem solche, die von langfristigen strukturellen Veränderungen profitieren, die schon vor der Pandemie im Gange waren (wie Cybersicherheit und künstliche Intelligenz).

Weiter abwertender US-Dollar

Mit der weltweiten Konjunkturerholung nach den Lockdowns im Frühjahr 2020 hat der Dollar gegenüber anderen relevanten Währungen an Wert verloren. Wir erwarten, dass dieser Trend anhält. Denn die US-Währung ist im historischen Vergleich weiter überbewertet, die geldpolitischen Lockerungen in den USA sind aggressiver als anderswo und eine Verknappung der Dollar-Liquidität ist derzeit nicht in Sicht. Von einem schwächeren Dollar profitieren würden unter anderem

  • Aktien in Europa und von Schwellenländern mit Leistungsbilanzüberschüssen,
  • Emerging-Market-Anleihen (insbesondere mit guter Bonität aus Asien)
  • und inflationsgeschützte US-Staatsanleihen.

Lohnende ESG-Orientierung

Die Berücksichtigung von ESG-Faktoren (Environmental, Social, Governance) ist geeignet, um bedeutende globale Risiken zu identifizieren und die Stabilität von Unternehmen und Systemen zu bewerten. Zudem möchten immer mehr Investoren ihr Geld nach nachhaltig anlegen. 2018 bis 2020 haben rund zwei Drittel der aktiven ESG-Fonds-Manager die globale Aktien-Benchmarkt geschlagen. Anlegern bieten sich folgende Möglichkeiten zu einer stärker nachhaltigen Ausrichtung ihrer Investments:

  • Analyse von ESG-Faktoren: So sind Unternehmen mit guten Führungs- und Aufsichtsstrukturen besser gewappnet als Unternehmen, die hier Schwächen haben.
  • Außerbörsliche Anlage: Investoren können Chancen in privaten Märkten nutzen, die neben einer Rendite soziale Ziele verfolgen (wirkungsorientierte Investments etwa in Sozialwohnungsbau, Bildung oder Gesundheitswesen)
  • Orientierung an den Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs): Identifikation von Unternehmen, die zur Lösung der drängendsten Probleme der Menschheit beitragen, etwa durch eine bessere Lebensmittelversorgung, die Verfügbarkeit sauberen Wassers o.ä.

Für tiefergehende Erläuterungen lesen Sie bitte die Rubrik „Vier Anlagethemen in 2021“.

Regionen im Fokus

Europäische Union

Die Geld- und Fiskalpolitik sollte helfen, das EU-Wirtschaftsgefüge zu erhalten und große Konkurse sowie Massenentlassungen zu vermeiden. Nachdem die Wirtschaft in der Eurozone 2020 voraussichtlich um 7,7 % eingebrochen ist, könnte sie 2021 um rund 5,5 % wachsen. Folgende Faktoren sollten dazu beitragen:

  • gezielte staatliche Fördermaßnahmen, eine Normalisierung der aktuell sehr hohen Sparquoten und ein sich wieder aufhellendes Verbrauchervertrauen,
  • gigantische Rettungspakete wie der geplante 750 Milliarden Euro schwere Europäische Aufbauplan RRF (Recovery and Resilience Facility),
  • nachlassender Margendruck bei Unternehmen, steigende Kapazitätsauslastung und zunehmende Investitionen.

Der Inflationsausblick für die EU bleibt vorerst entspannt. Im Anleihebereich bevorzugen wir weiterhin Papiere von Euro-Peripherieländern wie Italien und Spanien. Investment-Grade-Unternehmensanleihen sehen wir ebenfalls positiv. Dasselbe gilt langfristig für europäische Aktien, da sie im Schnitt moderat bewertet sind.

USA

Wir gehen davon aus, dass sich die wirtschaftliche Erholung der vergangenen Wochen in den USA volatil fortsetzen wird. Wie sich die US-Wirtschaft tatsächlich entwickelt hängt davon ab,

  • ob und wann wirksame Impfstoffe gegen COVID-19 in den USA breit und wirksam zum Einsatz kommen,
  • wie expansiv die US-Notenbank die Wirtschaft auch im Falle einer weiteren Konjunkturerholung stützt,
  • wie schnell die Hilfspakete der neuen US-Regierung in der Realwirtschaft ankommen.

Selbst wenn die US-Wirtschaftsleistung 2021 wieder ihr Vorkrisenniveau erreicht, bleibt eine sorgfältige Aktien-und Anleiheauswahl wichtig. Sollte es zu einem erneuten Abschwung kommen, dürften weitere fiskal- und geldpolitische Stimuli folgen, was risikobehaftete Anlagen stützen würde. In jedem Fall dürfte es eine weniger starke Spreizung in Gewinner- und Verliererbranchen geben als 2020.

China

In China rechnen wir mit einer Fortsetzung der kräftigen Erholung von Covid-19, das die Wirtschaft vor allem im ersten Quartal 2020 belastete. Im Verlauf von 2021 dürfte die Dynamik aber etwas nachlassen. In diesem Umfeld dürfte die chinesische Regierung die geld- und fiskalpolitischen Stimuli weiter zurückführen.

Wenngleich wir kurzfristig etwas vorsichtig auf den Investmentausblick für China blicken, bleibt die langfristige Wachstumsstory überzeugend. Unserer Ansicht nach sollten Investoren China als eigenständige Anlageklasse betrachten und sich nicht fragen ob, sondern wieviel sie dort investieren.

In der Rubrik „Ausblick 2021 nach Regionen“ finden Sie auch unsere Einschätzungen zu Großbritannien, Japan und Schwellenländer.

Ein Blick auf die Anlageklassen

Aktien

US-Aktien machen mehr als 50 % des Gesamtwerts der weltweiten Aktienmärkte aus, was auch an der hohen Bewertung liegt. Auch deshalb rechnen wir für 2021 eher mit einer besseren Entwicklung günstiger bewerteter Regionen wie Europa und einige Schwellenländer – erst recht im Falle einer globalen Konjunkturerholung. In Nordasien und China können sich Investoren strukturelle Wachstumsthemen erschließen (vor allem Infrastruktur und Digitalisierung). Die Aussichten für Schwellenländeraktien sind hingegen gemischt. So erscheinen kurzfristig Polen und Mexiko als attraktiv, während wir bei Russland und Brasilien vorsichtiger sind.

Anleihen

Im Zuge der weltweiten Erholung setzen wir auf das Reflationsthema, also auf anziehende Teuerungsraten. In diesem Umfeld eignen sich Investments, die von einer steileren Zinsstrukturkurve in den USA profitieren. Ebenso erscheinen Spreadprodukte wie Schwellenländer-, Hochzins- und Investment-Grade-Unternehmensanleihen aussichtsreich. Angesichts der potenziell weiteren US-Dollar-Abwertung scheint zudem eine Dollar-Untergewichtung angeraten.

Private Markets

Private Märkte (Private Markets) wie außerbörsliche Schuldverschreibungen, Direktkredite etc. bieten alternative Ertragsquellen mit Mehrerträgen, die weitgehend unkorreliert mit börsennotierten Anlagen sind. Wir erwarten, dass insbesondere mittelständische Unternehmen mehr privatfinanzierte Kredite nachfragen. Das gilt auch für Asien mit seiner hohen Produktivität, großen Investitionsbereitschaft, schnellen Digitalisierung und wachsenden Mittelschicht. Asiatische Mittelständler dürften zu den großen Gewinnern dieser Wachstumstrends gehören. Allerdings haben viele von ihnen ungenügenden Zugang zu Krediten.

Private-Market-Investitionen in institutionellen Portfolios beweisen ihren erwarteten Mehrwert seit Jahren. Die Deal-Aktivität scheint nach einer Verlangsamung im ersten Halbjahr 2020 wieder zuzunehmen. Angesichts des zurzeit positiven makroökonomischen Umfelds erwarten wir, dass sich künftig noch mehr Anlagemöglichkeiten bieten

Für tiefergehende Erläuterungen lesen Sie bitte die Rubrik „2021 Ausblick nach Anlageklassen“.

Den vollständigen Marktausblick mit ausführlichen Herleitungen und zwölf interessanten Grafiken zu verschiedenen Themen finden Sie hier.

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