Notenbankausblick: BOJ hält angesichts der Nahost-Spannungen an Geldpolitik fest

Die Bank of Japan dürfte bei ihrer Aprilsitzung vorerst abwarten. Der ungelöste Nahost-Konflikt, mögliche Lieferkettenrisiken und die fragile Konjunkturerholung sprechen gegen eine rasche Zinserhöhung. Was das für Yen, JGBs und japanische Aktien bedeutet. Allianz Global Investors | 24.04.2026 14:00 Uhr
Gregor Hirt, Global Chief Investment Officer Multi Asset, AllianzGI / © e-fundresearch.com / Allianz Global Investors
Gregor Hirt, Global Chief Investment Officer Multi Asset, AllianzGI / © e-fundresearch.com / Allianz Global Investors

  • Wir gehen davon aus, dass die Bank of Japan (BOJ) bei ihrer Sitzung im April an ihrer geldpolitischen Ausrichtung festhalten wird. Da der Konflikt im Nahen Osten derzeit noch immer ungelöst ist, wird die Sitzung im April für die BOJ im Zeichen des Risikomanagements stehen.
  • Während eine Zinserhöhung im April zuvor als wahrscheinlich galt, gehen wir davon aus, dass die BOJ zu dem Schluss kommen wird, dass die Gefahren für das Wirtschaftswachstum – insbesondere mögliche Störungen der Lieferketten – derzeit das Risiko überwiegen, bei der Inflationsbekämpfung hinter der Kurve zurückzubleiben.
  • Der neu veröffentlichte Ausblickbericht dürfte für den Markt eine wichtige Orientierungshilfe sein und Einblicke darin geben, wie die BOJ das Gleichgewicht zwischen diesen Faktoren einschätzt.
  • Wir bleiben gegenüber japanischen Aktien positiv eingestellt, nehmen jedoch neutrale Positionen gegenüber dem japanischen Yen und japanischen Staatsanleihen ein.

In Zeiten erhöhter Unsicherheit nimmt die Bank of Japan in der Regel eine vorsichtigere Haltung ein. Ähnlich wie die Zurückhaltung nach dem „Liberation Day“ erwarten wir, dass sich nun eine ähnliche Dynamik entfaltet. Obwohl die BOJ zuvor die Weichen für einen Zinsschritt im April gestellt hatte, hat der Konflikt im Nahen Osten die Lage grundlegend verändert. Die Bank of Japan ist nun gezwungen, einen möglichen Anstieg der Kosteninflation gegen eine schwerwiegende Störung der Lieferketten abzuwägen, die Japans fragiler wirtschaftlicher Erholung den Boden unter den Füßen wegziehen könnte. Bis sich die Transparenz hinsichtlich dieser Risiken verbessert, wird die BOJ wahrscheinlich weiter abwarten.

Zudem wird die BOJ wohl zu dem Schluss kommen, dass sie sich das Warten leisten kann. Die Regierung geht derzeit wirksamer gegen die unmittelbaren wirtschaftlichen Belastungen vor, als es eine Leitzinserhöhung könnte. Zusätzliche Energiesubventionen sollen die Auswirkungen des jüngsten Anstiegs der Energiepreise abfedern. Damit verbleibt der Yen als wichtigster Druckfaktor. Angesichts der erneuten Ankündigung von Interventionen durch das Finanzministerium, die den USD/JPY-Kurs bislang unter der 160er-Marke gehalten haben – selbst als die Markterwartungen hinsichtlich einer Zinserhöhung im April ins Wanken gerieten –, sieht die BOJ jedoch wahrscheinlich keine unmittelbare Dringlichkeit, über den Leitzins zu intervenieren.

Bei der anstehenden Pressekonferenz erwarten wir, dass Gouverneur Ueda betonen wird, dass der grundlegende geldpolitische Kurs der BOJ unverändert bleibt. Ueda dürfte bekräftigen, dass Zinserhöhungen wieder aufgenommen werden, sobald sich der Ausblick der BOJ bestätigt. Gleichzeitig dürfte er jedoch anerkennen, dass sich die kurzfristigen Abwärtsrisiken verschärft haben und aus Gründen des Risikomanagements eine gewisse Zurückhaltung geboten ist. Die Wiederaufnahme des Zinserhöhungszyklus hängt von einer geopolitischen Stabilisierung ab. Sollten sich die Spannungen abschwächen und die Straße von Hormus wieder passierbar werden, erwarten wir, dass Zinserhöhungen bis zum Sommer wieder auf der Tagesordnung stehen. Anleger sollten jedoch keine aggressiven Signale bei der Aprilsitzung erwarten. Stattdessen wird die BOJ wahrscheinlich eine schrittweise Strategie der Richtungsweisung bevorzugen, um sich unter den unsicheren Bedingungen Optionen offen zu halten.

In diesem Umfeld behalten wir unseren konstruktiven Ausblick für japanische Aktien bei. Trotz Japans hoher Abhängigkeit von Energieimporten und der erforderlichen Flexibilität im Falle einer verschlechterten geopolitischen Lage konzentriert sich der Markt derzeit nicht auf die unmittelbaren Turbulenzen im Nahen Osten, sondern auf die Chancen einer Deeskalation. Da sich der Fokus wieder auf fundamentale Wachstumstreiber verlagert, insbesondere auf die sich beschleunigenden Themen KI und Halbleiter, bleiben japanische Aktien gut positioniert.

Beim japanischen Yen nehmen wir eine neutrale Haltung ein. Der Schock bei den Terms of Trade und steigende Renditen in anderen Regionen haben den JPY belastet. Auf dem aktuellen Niveau erwarten wir weitere Bemühungen, die Währung gegen diese Gegenwinde zu verteidigen. Da jedoch unmittelbare Auslöser für eine nachhaltige Erholung noch fehlen, dürfte auch das Aufwärtspotenzial begrenzt bleiben.

Bei japanischen Staatsanleihen (JGBs) bleiben wir neutral. Weltweit steigende Renditen haben auch die japanischen Renditen nach oben gezogen, was Raum für einen Rückgang im Falle einer Konfliktlösung oder bei Wachstumssorgen schafft. Umgekehrt könnte eine zurückhaltende BOJ in Verbindung mit robusten fiskalpolitischen Maßnahmen dazu beitragen, dass die Renditen weiter steigen. Vorerst halten wir diese Risiken und Chancen für weitgehend ausgeglichen.

Von Gregor Hirt, Global Chief Investment Officer Multi Asset, AllianzGI

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