Fed dürfte Leitzinsen unverändert lassen

Die US-Notenbank Fed dürfte ihre Leitzinsen im April unverändert lassen. Warum robuste Konjunkturdaten, begrenzte Inflationseffekte des Nahostkonflikts und politische Unsicherheiten für eine abwartende Geldpolitik sprechen. Allianz Global Investors | 28.04.2026 11:01 Uhr
Michael Krautzberger, CIO Public Markets bei AllianzGI / © e-fundresearch.com / Allianz Global Investors
Michael Krautzberger, CIO Public Markets bei AllianzGI / © e-fundresearch.com / Allianz Global Investors

  • Aufgrund eines von Unsicherheiten geprägten Umfelds dürfte die Fed die Leitzinsen im April unverändert lassen.
  • Da das Wachstum weiterhin robust ist und die Inflationsauswirkungen des Konflikts im Nahen Osten bislang begrenzt blieben, dürfte die Fed es vorziehen abzuwarten, anstatt voreilig auf die geopolitischen Schocks zu reagieren.
  • Die Hürde für eine monetäre Lockerung ist gestiegen, aber gleiches gilt für die Kosten einer geldpolitischen Straffung. In einem derartigen Umfeld bleibt eine unveränderte Geldpolitik für 2026 die Strategie mit dem geringsten Risiko.

Wir erwarten, dass die US-Notenbank Fed die Leitzinsen während der Sitzung am 28. und 29. April unverändert lassen wird. Das Zielband für die Federal Funds Rate bliebe damit bei 3,50-3,75 Prozent. Eine derartige Entscheidung dürfte von einer breiten Basis an Fed-Mitgliedern unterstützt werden. Einziger Abweichler könnte Gouverneur Stephen Miran sein, der eine Zinssenkung befürwortet.

Die politischen Entscheidungsträger sehen sich weiterhin in einer guten Position, um auf mehr Klarheit über die wirtschaftlichen Auswirkungen des Nahostkonflikts zu warten. Die zuletzt eingegangenen Daten deuten auf eine widerstandsfähige US-Wirtschaft hin, wobei die Auswirkungen auf Konjunktur und Inflation bislang begrenzt sind. Der Arbeitsmarkt zeigt Anzeichen einer Stabilisierung bei verhaltenem Beschäftigungswachstum, während sich der anfängliche Ölpreis-getriebene Inflationsimpuls weitgehend wie erwartet entwickelt hat. Gleichwohl würde ein anhaltender militärischer Konflikt verbunden mit einer länger andauernden Blockade der Straße von Hormus das Risiko einer stärker ausgeprägten stagflationären Phase in den kommenden Monaten erhöhen.

Zur April-Sitzung liegen keine aktualisierten Wirtschaftsprognosen oder Leitzinserwartungen der Fed-Mitglieder vor, und es sind lediglich geringfügige Änderungen an der geldpolitischen Verlautbarung zu erwarten. Daher dürfte sich die Aufmerksamkeit der Märkte auf Fed-Chef Powells Pressekonferenz konzentrieren – seinem letzten Auftritt vor dem geplanten Ende seiner Amtszeit als Vorsitzender am 15. Mai.

Powell dürfte feststellen, dass die Fed kurzfristig vor einem schwierigeren Zielkonflikt steht, da die Inflationsrisiken nach oben und die Risiken für die Beschäftigung nach unten tendieren. Gleichzeitig wird er wahrscheinlich den positiveren mittelfristigen Ausblick des geldpolitischen Ausschusses bekräftigen, basierend auf KI-getriebenen Produktivitätsgewinnen, die etwa in den März-Prognosen zum Ausdruck kamen.

Derweil hat sich der politische Druck auf die Fed zuletzt geringfügig verringert. Die Entscheidung des US-Justizministeriums, die Ermittlungen gegen Powell einzustellen, beseitigt eine wichtige Quelle kurzfristiger institutioneller Unsicherheiten und ebnet möglicherweise den Weg für eine rechtzeitige Bestätigung von Kevin Warsh als neuen Präsidenten der US-Notenbank. Selbst unter einem neuen Vorsitzenden dürfte sich der geldpolitische Ausblick allerdings kurzfristig nicht wesentlich ändern. Denn jeder Nachfolger ist mit denselben stagflationären Zielkonflikten konfrontiert und muss innerhalb des Ausschusses einen Konsens herstellen. Vor diesem Hintergrund erwarten wir, dass das Fed ihren geldpolitischen Kurs das ganze Jahr über beibehalten wird.

Von Michael Krautzberger, CIO Public Markets bei AllianzGI

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