- Wir erwarten, dass die Bank of Japan (BoJ) ihren Leitzins unverändert belässt und an ihrer Tendenz zu weiteren Zinserhöhungen festhält. Im Fokus steht, ob Yen-Schwäche und gestiegene Energiepreise zu einem restriktiveren Ton führen.
- Eine Zinserhöhung bereits im Oktober bleibt möglich. Dem stehen jedoch gemischte Inflationssignale sowie ein unsicheres globales Umfeld, das zuletzt erneut durch Spannungen im Nahen Osten geprägt wurde, gegenüber.
- Wir erwarten nicht, dass die BoJ bereits jetzt einen schnelleren Zinserhöhungspfad signalisiert. Eine frühere Zinserhöhung ist möglich, ein frühzeitiges Bekenntnis dazu erscheint dagegen unwahrscheinlich.
Die Bank of Japan dürfte ihre Geldpolitik auf der bevorstehenden Sitzung unverändert lassen und gleichzeitig ihre Tendenz zu weiteren Zinserhöhungen beibehalten. Die zentrale Frage für die Märkte ist, ob die jüngste Yen-Schwäche und die gestiegenen Energiepreise die BoJ zu einer restriktiveren Kommunikation veranlassen werden. Wir gehen davon aus, dass die Notenbank diese Entwicklungen zur Kenntnis nehmen wird, sich mit konkreten Hinweisen zum Zeitpunkt der nächsten Zinserhöhung jedoch zurückhalten dürfte.
Die jüngste Abwertung des Yen hat Spekulationen verstärkt, dass die BoJ ihre geldpolitische Normalisierung schneller vorantreiben könnte. Einige Notenbankvertreter dürften inzwischen stärker auf das Risiko einer anhaltend hohen Inflation achten. Weder Gouverneur Kazuo Ueda noch die japanische Regierung haben die Yen-Schwäche bislang jedoch als primären Auslöser für geldpolitisches Handeln dargestellt, sondern vielmehr als Risikofaktor. Die Reaktionsfunktion der BoJ bleibt weiterhin auf die Nachhaltigkeit der Inflation ausgerichtet und nicht auf ein bestimmtes Wechselkursniveau. Ein beschleunigter Zinserhöhungszyklus kann daher weiterhin nicht ausgeschlossen werden.
Hürden für einen Oktober-Zinsschritt bleiben bestehen
Gleichzeitig sprechen jedoch auch Faktoren für Vorsicht. Die zugrunde liegende binnenwirtschaftliche Inflationsdynamik hat sich zwar weiter verbessert, die Hinweise auf eine deutliche Wiederbeschleunigung bleiben jedoch gemischt. Die Notenbank könnte daher zusätzliche Bestätigung dafür abwarten wollen, dass die heimischen Inflationstrends nachhaltig intakt bleiben, bevor sie handelt.
Selbst wenn einzelne Notenbankvertreter einer früheren Zinserhöhung mittlerweile offener gegenüberstehen, erwarten wir nicht, dass die BoJ bereits auf dieser Sitzung entsprechende Signale senden wird. Die Märkte preisen bereits heute eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung bis Oktober ein. Um eine weitere deutliche restriktive Neubewertung auszulösen, müsste die Notenbank die Erwartungen faktisch auf zusätzliche und schnellere Zinserhöhungen ausrichten. Eine solche Kommunikation würde jedoch ein erhebliches Maß an Vorfestlegung bedeuten und stünde damit im Widerspruch zur bisherigen Präferenz der BoJ, sich in einem unsicheren Umfeld möglichst viele Handlungsoptionen offenzuhalten.
Auch die erneuten Spannungen im Nahen Osten sprechen für einen vorsichtigen Ansatz. Darüber hinaus dürfte die BoJ zunächst ein klareres Bild über die Reaktionsfunktion der US-Notenbank gewinnen wollen, bevor sie sich auf einen festeren geldpolitischen Kurs festlegt. Das Jackson-Hole-Symposium im August könnte hierfür wichtige Erkenntnisse liefern und Hinweise darauf geben, wie sich die Federal Reserve unter ihrer neuen Führung positioniert.
BoJ dürfte keine besondere Eile signalisieren
Letztlich haben Vertreter der BoJ bislang im Grundsatz signalisiert, dass sie sich geldpolitisch nicht deutlich hinter der Entwicklung sehen. Solange sich diese Einschätzung nicht verändert, dürfte es schwierig sein, eine deutliche Beschleunigung des Straffungszyklus zu rechtfertigen. Die entscheidende Frage ist daher weniger, ob die BoJ die Zinsen früher als im bisherigen Sechs-Monats-Rhythmus anheben könnte. Vielmehr geht es darum, ob sie bereits heute bereit ist, sich darauf festzulegen. Eine frühere Zinserhöhung bleibt möglich. Eine frühzeitige Festlegung darauf erscheint dagegen weniger wahrscheinlich.
Investment Positionierung: Konstruktiv für Aktien, neutral für Anleihen und Yen
Vor diesem Hintergrund bleiben wir in japanischen Aktien übergewichtet, da das Wirtschafts- und Gewinnwachstum weiterhin unterstützend wirkt. Geopolitische Risiken sollten jedoch aufmerksam beobachtet werden. Gegenüber japanischen Staatsanleihen behalten wir eine neutrale Position bei. Nach dem jüngsten Ausverkauf sind die Renditen wieder attraktiver geworden. Gleichzeitig bleibt die fiskalpolitische Unsicherheit erhöht, insbesondere da die Diskussionen über die Konsumsteuer bis in den August hinein andauern. Auch gegenüber dem Yen bleiben wir neutral. Mit fortschreitender Abwertung steigt das Risiko von Interventionen. Gleichzeitig besteht weiterhin das Risiko, dass höhere Energiepreise die japanischen Terms of Trade belasten. Insgesamt spricht dies derzeit für eine abwartende Haltung.
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