Mit 750 Mrd. EUR ist die „europäische Panzerfaust“ stärker und wird hoffentlich die Geier abschrecken, die um die überschuldeten europäischen Länder kreisen. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Plan schnell und in vollem Umfang umgesetzt werden muss, ist nicht sehr groß. JP Morgan zufolge müssen Griechenland, Portugal, Irland, Spanien und Italien 215 Mrd. EUR in Form von Staatsanleihen zurückzahlen. Bis auf Griechenland haben (bisher) alle Länder Zugang zum Rentenmarkt. Gewisse rechtliche Probleme im Zusammenhang mit dem Paket bleiben jedoch bestehen. Darüber hinaus betont der leitende Ökonom des IWF, dass es sich nicht um einen Blankoscheck handele. Als Gegenleistung für das Rettungspaket müssen Portugal und Spanien weitere Sparmaßnahmen einleiten, um ihre Defizite schneller zu reduzieren.
Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass ein Zahlungsausfall oder eine Umstrukturierung der Schulden aus politischen Gründen kurzfristig unwahrscheinlich ist. Die Reaktion des Rentenmarktes auf das Rettungspaket war positiv, aber die Renditen der griechischen Staatsanleihen bleiben mit 7,4 % für zehnjährige Laufzeiten und 6,9 % für zweijährige Laufzeiten unhaltbar hoch. Die Renditespreads portugiesischer, spanischer und irischer Anleihen sind auf akzeptablere Niveaus gesunken. Das Problem der Staatsverschuldung kann jedoch aufgrund seiner Beschaffenheit nicht schnell gelöst werden, und es dürfte noch einige Zeit dauern, bis sich die ungeduldigen Märkte erholen. Wir sind davon überzeugt, dass nach wie vor ein systemisches Risiko vorhanden ist.
Unser Szenario bleibt unverändert: in der zweiten Jahreshälfte ist nach dem Wegfall der temporären Elemente, die das BIP gestützt haben (wie z.B. Erneuerung der Lagerbestände, öffentliche Investitionen) mit einer Reduzierung des Verschuldungsgrads und einer bescheidenen zyklischen Erholung zu rechnen. Die Kombination struktureller Probleme bei der Emission von Staatsanleihen und der Verlangsamung des Wachstums sind unserer Meinung nach für risikobehaftete Anlagen ungünstig.
Die jüngsten Daten aus den USA blieben überwiegend optimistisch. Der ISM-Index des verarbeitenden Gewerbes erreichte einen historischen Höchststand, während der Index für das nicht-verarbeitende Gewerbe stagnierte, jedoch nach wie vor nach oben orientiert war. Das US-BIP-Wachstum verlangsamte sich von 5,6 % im Quartalsvergleich auf das Jahr umgerechnet im letzten Quartal des vergangenen Jahres auf 3,2 % im ersten Quartal. Die Investitionen in Büros und Fabriken waren gering, diejenigen in Ausrüstungen und Software dagegen akzeptabel. Der Verbrauch der Haushalte nahm zu. Da unserer Meinung nach jedoch ein verstärkter Schuldenabbau erforderlich ist, halten wir diese Tendenz nicht für nachhaltig.
Die US-Arbeitsmarktdaten waren überwiegend positiv: Es wurden 290.000 neue Stellen geschaffen, und im Februar und März wurde die Stellenschaffung nach oben korrigiert. Hierzu trugen die befristeten Einstellungen für die Volkszählung bei. Die meisten Stellen wurden jedoch im privaten Sektor geschaffen. Das Überangebot an Arbeit könnte dem Lohnwachstum im Wege stehen. Darüber hinaus enden in den nächsten Monaten zahlreiche Arbeitslosenunterstützungsmaßnahmen, was sich ebenfalls negativ auf den Verbrauch auswirken könnte. Wir rechnen mit einem Übergang zu einem Trendwachstum von ca. 3 %, der alles andere als sanft sein dürfte.
Der Geschäftsklimaindex der Eurozone übertraf die Erwartungen und weist auf ein akzeptables BIP-Wachstum hin. Im ersten Quartal lag das Wirtschaftswachstum bei 0,2 % im Quartalsvergleich und damit leicht über dem Ergebnis des vierten Quartals 2009. Aufgrund der anhaltenden Arbeitslosigkeit von 10 % und der strengen Sparmaßnahmen seitens der Regierungen von immer mehr Ländern zögerten die Verbraucher, ihr Geld auszugeben. Die ungleichmäßige Erholung und die bescheidene Inflation dürften die EZB unserer Meinung nach vor Ende des Jahres nicht zu einer Änderung ihrer Leitzinsen veranlassen. In Wirklichkeit hat sich die EZB durch den Kauf von Staatsanleihen und Liquiditätsspritzen im Rahmen des Euro-Rettungspakets entgegenkommend gezeigt. Ziel der Zentralbank ist es, die Anleihenkäufe zu sterilisieren und so das Inflationsrisiko zu begrenzen.
Wir haben die Übergewichtung von Aktien aus Industrieländern und Unternehmensanleihen der Kategorie Investment Grade auf neutral gesenkt. Die Märkte könnten an einem Wendepunkt stehen, und der Schwerpunkt, der bisher auf der globalen Erholung, steigenden Unternehmensgewinnen und entgegenkommenden Geldpolitiken lag, könnte sich auf bescheidene Wachstumsperspektiven und anhaltende Bedenken hinsichtlich der Staatsverschuldung verlagern. Die Übergewichtung von Schwellenländeraktien behielten wir bei. Die zunehmende Inflation stellt für die Schwellenländeraktien ein geringeres und traditionelleres Problem dar als die Staatsverschuldung für die Industrieländer.