Rückschlag für die japanische Konjunktur: Wirtschaftsmotor „Export“ gerät ins Stocken
Für die japanische Wirtschaft ist der Außenhandel die treibende Kraft. Der Exportsektor gerät jedoch im Zuge der sich verlangsamenden globalen Konjunkturbelebung allmählich ins Stocken, so die Einschätzung der W&W Asset Management GmbH, einer Tochtergesellschaft des Stuttgarter Vorsorge-Spezialisten Wüstenrot & Württembergische AG (W&W). Die Aussichten für die weitere Wirtschaftsentwicklung sind deshalb verhalten.
So positiv, wie die japanische Konjunktur in das Jahr 2010 gestartet ist, konnte sie sich nicht weiterentwickeln. Das Wirtschaftswachstum verlangsamte sich von annualisiert (auf das Jahr hochgerechnet) 4,4 Prozent im ersten Quartal auf – ersten Schätzungen zufolge – 0,4 Prozent im zweiten Jahresviertel. Vor allem die private Nachfrage fiel enttäuschend aus. Die staatlichen Fördermaßnahmen konnten hier nur zu einem zwischenzeitlichen Aufleben beitragen. „Auch in Zukunft sind von der Seite des privaten Konsums kaum Impulse für die japanische Wirtschaft zu erwarten. Er wird sich voraussichtlich sogar weiter abschwächen, wenn die staatlichen Programme Ende des Jahres auslaufen“, so Ortansa Becker, Kapitalmarktanalystin der W&W Asset Management.
Für den Außenhandel, der Anfang des Jahres die Belebung der Konjunktur in Japan getragen hatte, ziehen nun ebenfalls dunkle Wolken auf. Die Anzeichen sprechen vermehrt dafür, dass die Konjunkturerholung in den USA deutlich nachlassen wird. Ebenso wird für China ein an Dynamik verlierendes Wirtschaftswachstum erwartet. „Insgesamt kann man in diesem Umfeld von einer nachlassenden ausländischen Nachfrage ausgehen – mit spürbaren Auswirkungen auf den japanischen Exportsektor. Dieser dürfte in den kommenden Monaten einen deutlich geringeren Beitrag zum Wirtschaftswachstum leisten“, so die Expertin. In der Summe rechnet sie nur mit einem moderaten Anstieg des Bruttoinlandsprodukts in der zweiten Jahreshälfte.
Wechselkurs: Starker Yen – für Exportunternehmen ein Problem
Unter den internationalen Marktteilnehmern herrscht eine verstärkte Risikoaversion. Zuerst hatte die EWU-Verschuldungskrise für trübe Stimmung gesorgt, dann die zunehmend enttäuschenden Konjunkturdaten aus den USA. In diesem Umfeld zeigten sich die Anleger zurückhaltend und das Interesse an carry trades (Aufnahme von günstigen Krediten etwa in Yen und die Anlage der daraus verfügbaren Mittel in höherverzinslichen Währungen) blieb gering. In der Folge gewann der Yen an Stärke und wertete Ende August bis auf 106 JPY/EUR auf. „Diese Entwicklungen belasten den japanischen Exportsektor stark. Es ist deshalb davon auszugehen, dass die Bank of Japan intervenieren wird. Auf diese Weise wäre das weitere Aufwertungspotenzial des Yen begrenzt“, so die Analystin der W&W Asset Management. Sollte die Notenbank tatsächlich eingreifen, könnte das zumindest zwischenzeitlich sogar zu einer Abwertung führen.
Geldpolitik und Rentenmarkt: Zinsniveau auf äußert niedrigen Ständen
Aufgrund der expansiven Haltung der japanischen Notenbank verharren die kurzfristigen Zinsen auf nahezu unverändert niedrigem Niveau. Auch die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen, die sich bereits zuvor auf sehr tiefen Ständen befanden, gaben angesichts der sich in den Sommermonaten eintrübenden Konjunkturdaten noch einmal deutlich bis auf 0,9 Prozent nach. „Änderung ist kaum in Sicht. Auch in den kommenden Monaten werden die nur verhaltenen Wirtschaftsperspektiven und die sich verschärfende Deflationstendenz in Japan voraussichtlich zu einem niedrigen Zinsniveau bei zehnjährigen japanischen Staatsanleihen beitragen“, berichtet Ortansa Becker.
Aktienmarkt: Pessimismus unter den Anlegern
Die schwachen US-Konjunkturvorgaben schürten im Sommer bei den internationalen Marktteilnehmern die Sorge vor dem so genannten „double dip“, so dass es an den Aktienmärkten zu Kursrückverlusten kam. „Diesem Einfluss konnte sich auch der Nikkei 225 nicht entziehen und gab Ende August bis auf rund 8.824 Punkte nach“, so die Expertin. Zusätzlich belasteten enttäuschende japanische Konjunkturdaten den japanischen Aktienmarkt sowie die Schwierigkeiten, mit denen die Exportunternehmen aufgrund des starken Yen zu kämpfen haben. Die derzeitige Konjunkturskepsis der Anleger dürfte sich somit nach Einschätzung der Kapitalmarktanalystin der W&W Asset Management zunächst weiterhin negativ auswirken und für eine schwache Kursentwicklung sorgen. Ein Hoffnungsschimmer ist: „Sollte sich im weiteren Jahresverlauf die Furcht vor einem erneuten Rückfall der USA in die Rezession als übertrieben erweisen, birgt auch der Nikkei 225 wieder Anstiegspotenzial. Allerdings wird dieses begrenzt durch ein nur schwaches Wirtschaftswachstum in Japan.“