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Neue Studie: So veranlagen Schweizer Pensionskassen

Das negative Zinsumfeld hat sich erstaunlicherweise wenig auf die Portfoliostruktur der Schweizer Pensionskassen ausgewirkt, wie eine neue Studie der Universität St. Gallen im Auftrag des Schweizer Fondsverbands "SFAMA" zeigt. Research | 05.10.2016 14:40 Uhr
©  Fotolia.de
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Im Auftrag der SFAMA führte die Universität St.Gallen eine umfassende Umfrage unter den grössten Schweizer Pensionskassen (PKs) durch. Ergebnis der Studie ist eine detaillierte Bestandsaufnahme bezüglich deren Anlageverhaltens, die heute auch auf einer Medienkonferenz in Zürich präsentiert wurde. 

Damit sollen die Transparenz über die Entscheidungskriterien sowie die Wechselwirkungen von Ertrags-­ und Kostenperspektiven im Anlageprozess von Schweizer PKs erhöht und ein Beitrag zur aktuellen Diskussion über die zukünftige Entwicklung unseres Vorsorgesystems geleistet werden. Die Umfrage zeigt, dass Manager von Schweizer PKs die Diversifikation als wichtigstes Entscheidungskriterium bei der Strukturierung ihrer Portfolios erachten. Das Risiko-­Rendite-­Verhältnis, gefolgt von Nettoerträgen, werden als zentrale Kennzahlen gesehen, um die Attraktivität eines Investments zu beurteilen. Die meisten Portfolios werden weniger als einmal pro Jahr neu gewichtet und umstrukturiert.

Portfoliostruktur und Kosten: Stärkerer Fokus auf Private Equity & Immobilien

„Überraschenderweise hat das derzeitige negative Zinsumfeld bisher nur begrenzte Auswirkungen auf die Portfoliostruktur der meisten Schweizer PKs. Allerdings nehmen über 50% der PKs vermehrt Private Equity und Immobilien in Anspruch und reduzieren leicht ihren Anleihebestand“, erklärte Prof. Dr. Stefan Morkötter, Universität St.Gallen. Die durchschnittliche Gesamtkostenquote (Total Expense Ratio) der teilnehmenden PKs beträgt 0.6%, wovon drei Viertel auf Portfoliomanagementkosten entfallen. Für 2015 wiesen Anleihen und Aktien mit 0.1% bzw. 0.3% die niedrigsten Kosten aus. Gleichzeitig fielen aber auch deren Bruttoerträge mit 0.1% bzw. 0.6% relativ gering aus. Anders sieht das Bild bei Privatmarktinvestitionen aus, z.B. bei Private Equity Fonds: 5.8% Kosten, 12.1% Bruttoertrag. Hier zeigt sich eine positive Korrelation zwischen Portfoliokosten und Bruttoerträgen auf die erwirtschafteten Nettorenditen. Trotz der teilweise niedrigen Nettorenditen scheint die Mehrheit der befragten PKs grundsätzlich immer noch zufrieden mit dem Kosten-­Rendite-­Verhältnis von Anleihen, Aktien und Immobilien. Privatmarkt-­ und Hedgefonds-­Investitionen werden vorsichtiger beurteilt. „Wir vermuten, dass PKs nicht hinreichend zwischen den einzelnen Kostenstrukturen der verschiedenen Vermögensklassen unterscheiden, um ihre Anlagemöglichkeiten zu beurteilen. Kostenbewusstsein ist ein wichtiges Mittel für die Erzielung von Nettoerträgen, aber hohe Kosten sind nicht zwangsläufig ein schlechtes Zeichen. Es sollte mehr auf Nettoerträge geachtet werden, um einzelne Anlageklassen miteinander zu vergleichen. Zudem gilt es, die Kosteneffizienz auf der Ebene einer einzelnen Anlageklasse zu bewerten – und nicht über verschiedene Anlageklassen auf aggregierter Portfolioebene hinweg“, sagte Stefan Morkötter.

Schwachpunkte in Regulierung – konkrete Verbesserungsmassnahmen

Nebst dem schwierigen Marktumfeld mit Niedrigstzinsen schwächen auch Mängel in den Regulierungen und Vorgaben für Schweizer PKs die berufliche Vorsorge. Fakt ist, dass die Vorsorgeeinrichtungen zu tiefe Renditen erzielen, was bei unveränderten Rahmenbedingungen zu Leistungssenkungen führen muss. Das gefährdet den Verfassungsauftrag, wonach die berufliche Vorsorge zusammen mit der ersten und zweiten Säule die Fortsetzung der gewohnten Lebenshaltung in angemessener Weise ermöglichen soll.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Verordnungen und die Praxis zunehmend vom Gesetzestext entfernt haben. So ist beispielsweise der starke Fokus auf die nominelle Sicherheit im Gesetz nicht vorgesehen. „Es gilt, die Sicherheit der Leistungserfüllung wieder in den Vordergrund zu stellen. Eine Orientierung an Nominalwerten ist dabei nicht zielführend und für die Sicherheit unserer beruflichen Vorsorge nicht nachhaltig. Der Bundesrat kann mit einfachen Massnahmen – ohne Gesetzesänderungen – wesentliche Verbesserungen der zweiten Säule durch gezielte Anpassungen seiner Verordnungen erzielen. Und die Vorsorgeeinrichtungen können mit einem renditeorientierten Verhalten den Kapitalmarkt als Beitragszahler besser nutzen“, postulierte Markus Fuchs, Geschäftsführer SFAMA. Der Verband schlägt dazu Massnahmen für eine renditeorientierte Vorsorge vor. Diese umfasseneine Begründungspflicht bei absehbaren Leistungskürzungen, die Abschaffung der heutigen Kategoriebegrenzungen für einzelne Anlagekategorien sowie eine entscheidungsorientierte Berichterstattung und Informationspflicht. Solche Vorschläge sollen helfen, bei der öffentlichen Diskussion die Schwächen des heutigen Systems aufzudecken und mögliche Massnahmen für eine renditeorientierte Vorsorge einzuleiten.

Die vollständige Studie (englischsprachig) finden interessierte Leser unten eingefügt sowie auf der Homepage des Schweizer Fondsverbands SFAMA:

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