Der Weltspartag ist tot, es lebe der Weltfondsspartag!

Ein Weltspartag zum Weinen: Knapp 600 (!) Jahre benötigen Sparer, um ihr Kapital bei der aktuellen Verzinsung von täglich fälligen Sparbucheinlagen nominal zu verdoppeln. Es passiert also nicht nur aus Eigeninteresse, dass Banken diesen Tag primär dazu nutzen, um aus traditionellen Sparern Fondssparer zu machen. Ein Blick auf die Faktenlage zeigt, dass das auch gut so ist. Research | 31.10.2019 17:00 Uhr
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Archiv-Beitrag: Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Ausgerechnet die hohe Risikoaversion deutscher und österreichischer AnlegerInnen dürfte sich als größtes Risiko der persönlichen Geldanlage entpuppen. Ein Blick auf die kalte Faktenlage spricht Bände: Laut der Zinsstatistik der Österreichischen Nationalbank liegt der aktuelle Durchschnittszinssatz für neue Spareinlagen bis zu einem Jahr Bindungsfrist bei 0,12 Prozent. „Bei diesem Prozentsatz würde es fast 600 Jahre dauern, bis sich der Ursprungsbetrag verdoppelt hätte“, erklärten Hannes Dolzer, Obmann des Fachverbandes der Finanzdienstleister und Martin Kwauka, Initiator des Finanzjournalistenforums, Anfang dieser Woche bei einer Pressekonferenz in Wien. 

Das ganze aber auch nur nominal, wohlgemerkt: real, also unter Berücksichtigung von Inflation, geht die Enteignung des klassischen Sparers schneller vonstatten, als vielen bewusst ist: „Wer sein Vermögen 25 Jahre lang zu null Prozent anlegt, hätte bei zwei Prozent Jahresinflation am Ende 40 Prozent des realen Geldwertes vernichtet“, skizziert Kwauka die tristen Aussichten. Unter diesen Voraussetzung sehen die Experten für „traditionelles“ Sparen keinerlei weitere Daseinsberechtigung: „Klassisches Sparen macht nur noch Sinn als Liquiditätspolster und für den Teil des Vermögens, das keinerlei Kursschwankungen ausgesetzt sein soll.“ 

Ebenfalls nicht gänzlich ausgeschlossen werden sollte die Wahrscheinlichkeit, dass Bankinstitute auch in unseren Breitengraden früher oder später damit starten könnten, Negativzinsen auch an Sparkonten von Privatkunden weiterzureichen. Bert Flossbach vom unabhängigen Vermögensverwalter Flossbach von Storch gab bei einer Pressekonferenz gestern in Frankfurt bekannt, dass es ihn nicht überraschen würde, wenn derartige Aktionen von Banken bereits innerhalb der nächsten 12 Monate zu beobachten sein könnten. 

Vor diesen Hintergründen nimmt der einst sehr positiv besetzte Weltspartag Jahr für Jahr immer tristere oder gar furchterregenderere Ausmaße an: Ganz passend zu Halloween, das praktischerweise ohnehin bereits am gleichen Tag stattfindet. Doch der Branche nach gibt es Licht am Ende des Tunnels: (Aktien-)Fondssparen. 

Bereits seit einigen Jahren nutzen heimische Bankengruppen den Weltspartag zunehmend dazu, um konservative SparerInnen über Fondssparpläne in InvestorInnen zu verwandeln (und damit in gewisser Weise auch vor den oben beschriebenen Konsequenzen  der eigenen Risikoaversion zu schützen). Eine Entwicklung, die auf jeden Fall zu begrüßen ist und durchaus bereits einige Jahre früher hätte passieren dürfen. 

„Der Abschluss eines Aktienfonds-Sparplanes ist eine Möglichkeit, mit gebremstem Risiko erste Schritte an die Börse zu setzen“, führten Dolzer und Kwauka vor Medienvertretern aus. Aus Sicht der Experten bieten Fondssparpläne eine Chance auf langfristig positive Realrenditen. Und das gleich aus mehreren Gründen: 

7 Fakten rund um das Thema Fondssparen und dessen Notwendigkeit, haben wir Ihnen in folgender Klickstrecke zusammengefasst:

Bisherige Entwicklung von Veranlagungen in Aktien-Fondssparplänen

Wie die Auswertungen des deutschen Fondsverbandes BVI über die durchschnittlichen Erträge von Fondssparplänen zeigen: Langfristig haben Sparpläne in einen global breit gestreuten Aktienmix Erträge von mehr als fünf Prozent erzielt. „Das bedeutet - auch nach Abzug von Kapitalertragssteuern - eine reale Vermehrung des Vermögens“, unterstrichen Dolzer und Kwauka. Es gebe aber natürlich keine Garantie, dass die Wertentwicklung in Zukunft ähnlich hoch ausfällt. Zur Veranschaulichung ein Beispiel: Wer seit Mitte 2009 monatlich 100 Euro in einen Sparplan für einen weltweit gestreuten Aktienfonds investierte, hatte nach zehn Jahren die Einzahlung von insgesamt 12.000 Euro Einzahlung im Schnitt auf einen Betrag von 16.959 Euro vermehrt. Das entspricht einer mittleren Rendite vor Steuern von 6,7 Prozent.

Auch bei noch längerfristigen Vergleichen ergibt sich ein ähnliches Bild: Bei einem Start im Jahr 1999, also bei 20 Jahren Einzahlung, lag die Rendite bei 5,2 Prozent. Aus 24.000 Euro Gesamteinzahlung wurden im Schnitt 41.496 Euro. Dabei lag die Bandbreite zwischen 51.495 Euro beim ertragreichsten Fonds und 30.228 Euro beim Schlusslicht. Bei 35jähriger Laufzeit eines Sparplanes waren im Schnitt 6,6 Prozent im Jahr zu erzielen. Aus einer Gesamteinzahlung von 42.000 Euro wurden so 157.065 Euro.

Vergleich lohnt sich

Auch wenn viele Bankfilialen rund um den Weltspartag mit Rabattaktionen auf Fondssparpläne locken, sollte auch hier kühler Kopf bewahrt werden und unterschiedliche Angebote mit Augenmaß verglichen werden. Gerade bei langfristigen Sparplänen (die idealerweise über Jahrzehnte laufen) fallen laufende Gebühren ins Gewicht: Dennoch sei erwähnt, dass selbst vergleichsweise „teure“ Fondssparpläne einen realen Kapitalzuwachs ermöglichen sollten. Ganz im Gegenteil zum klassischen Sparbuch, das im aktuellen Umfeld und wohl auch in den kommenden Jahren lediglich eine garantierte Enteignung darstellt.

Interessierte AnlegerInnen können Fonds- aber auch ebenso sinnvolle ETF-Sparpläne nach Selbstrecherche in der Regel kostengünstiger über Online-Broker umsetzen. Trotz des Anlagenotstandes verbringen die meisten Personen ihre Freizeit aber wohl dennoch lieber damit, intensiv die nächste Urlaubsreise, das nächste Handy oder Auto zu recherchieren, als sich über einen längeren Zeitraum mit ihrer persönlichen Geldanlage auseinanderzusetzen. Vor diesem Umstand dürfte also auch beim Thema Sparpläne der persönliche Bank- und Finanzberater nicht an Bedeutung verlieren.

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