CO2-Emissionen: Wie haben sich VÖNIX Unternehmen seit der Erstmessung entwickeln können?

Research | 27.09.2022 10:00 Uhr

Vergleich der relativen CO2-Emissionen der VÖNIX Unternehmen von der ersten Messung (2011-2019) bis 2021

Die Mitglieder des Nachhaltigkeitsindex VÖNIX konnten in den vergangenen zehn Jahren ihre CO2-Emissionen insgesamt um 17 % reduzieren, was den gesamt-österreichischen Trend (aktuell minus 2 % seit 2005) deutlich übersteigt. Um das wissenschaftlich fundierte und politisch beschlossene 1,5 Grad-Ziel zu erreichen, reicht der momentane Trend dennoch nicht aus. 

Seit Indexstart 2005 ist die ESG-Researchagentur rfu – Reinhard Friesenbichler Unternehmensberatung – verantwortlich für die Zusammenstellung des VBV Österreichischen Nachhaltigkeitsindex – kurz VÖNIX. Unter Anwendung von rund 100 sozialen, ökonomischen und ökologischen Positiv- sowie umfangreichen Ausschlusskriterien (wie beispielsweise Rüstungsindustrie, Nuklearenergie, Menschenrechtsverletzungen, Fossilenergie) werden jährlich die heimischen, börsennotierten Vorreiterunternehmen in Sachen Nachhaltigkeit ermittelt. Nähere Informationen zur rfu-Ratingmethodik sowie die aktuelle VÖNIX-Zusammensetzung finden sich unter www.voenix.at.  

In den vergangenen Jahren haben die meisten heimischen Unternehmen den Kampf gegen die Klimakrise als Top Priorität in ihre Unternehmensstrategien aufgenommen. Im Zuge der aktuellen Neu-Komposition des VÖNIX im Frühjahr 2022 haben wir uns die CO2-Emissionen der VÖNIX-Mitglieder1 genauer angesehen, um sie einem Reality Check zu unterziehen: Befinden sich die Unternehmen auf einem guten Reduktionspfad? Wie viel CO2 konnte bereits eingespart werden? Welchen Beitrag leisten sie zu den nationalen Emissionszielen gemäß des Klima- und Energieplans? Und wo herrscht noch Aufholbedarf? 

VÖNIX-Mitglieder mit überdurchschnittlicher CO2-Reduktion 

Mit Blick auf die gesamte VÖNIX-Klimaperformance zeigt sich zuallererst ein erfreulicher Trend. Im Jahr 2021 waren die CO2-Emissioen insgesamt um 17 % niedriger als im jeweils ersten vorliegenden Berichtsjahr (in der Regel ein Zeitpunkt zwischen 2011 und 2014). In absoluten Zahlen haben die VÖNIX-Unternehmen am Beginn des Beobachtungszeitraums 7,4 Mio. Tonnen CO2 emittiert, im Jahr 2021 waren es nur noch 6,1 Mio. Tonnen CO2. In Summe wurden also rund 1,3 Mio. Tonnen CO2 eingespart. Zum Vergleich: die gesamte österreichische Volkswirtschaft hat ihre Emissionen seit 2011 um lediglich 6 % reduzieren können (von 82,0 auf 77,1 Mio. Tonnen CO2)Gemessen an den relativen Zahlen (also emittierte Tonne CO2 pro Euro Umsatzmillion oder auch Emissionsintensität) zeigt sich ein etwas weniger pointierter Unterschied: hier haben die VÖNIX-Mitglieder 8 % der Emissionen gemessen am jeweiligen Basisjahr eingespart. 

Was ist nun in dieser Rechnung enthalten, und was nicht? Um konsistente, vergleichbare Werte zur Verfügung zu stellen, bezieht sich das hier verwendete Reporting auf die sogenannten Scope 1 und Scope 2 Emissionen. Scope 1 betrachtet all jene Emissionen, die direkt in den Gebäuden und Anlagen sowie im eigenen Fuhrpark des jeweiligen Unternehmens anfallen. Scope 2 betrachtet die Emissionen des eingekauften Stroms sowie der Heizungs- bzw. Kühlungsenergie. An dieser Stelle können sich bereits die ersten Unsicherheiten und Inkonsistenzen im Reporting zeigen. So ergeben sich bei Immobiliengesellschaften oftmals Differenzen in den berichteten Emissionen, wenn die Gesellschaft selbst Energie für die Mieterinnen und Mieter bereitstellt (wird als Scope 1 oder Scope 2 gerechnet), oder die Haushalte individuell Verträge für ihre Energieversorgung abschließen (Scope 3). 

Noch größere Unsicherheiten zeigen sich bei der Betrachtung von Scope 3 Emissionen. Diese beziehen sich auf alle Emissionen, die einerseits bei Erzeugung der Vorleistungen, andererseits bei der Nutzung eigener Produkte und Dienstleistungen anfallen. Bei Finanzdienstleistern, die langjährige Kredite an Kohlebergbau-Unternehmen vergeben, sowie bei produzierenden Unternehmen, die sehr emissionsintensive Rohstoffe wie Stahl benötigen, übersteigen die Scope 3 Emissionen die anderen beiden Kategorien in der Regel um ein Vielfaches. Aufgrund der schlechten Datenverfügbarkeit berichtet allerdings nur rund ein Viertel aller österreichischer börsennotierter Unternehmen Scope 3, während Scope 2 und 3 von immerhin mehr als 60 % berichtet werden (Stand 2019, siehe Studie Klimaberichterstattung 2019 (pwc.at)).  

Weitere Unsicherheiten im Emissionsreporting ergeben sich durch die Veränderungen im Konsolidierungskreis wie z.B. durch Mergers und Acquisitions, die Etablierung neuer Businesssegmente während des Geschäftsjahres sowie die Auslagerung von Produktionsschritten an Tochterunternehmen oder Dritte. Insgesamt ist aber mit den neuen regulatorischen Anforderungen, die sich unter anderem aus Corporate Sustainability Reporting Directive sowie Sustainable Finance Disclosure Regulation ergeben, mit einer deutlichen Zunahme der Datenquantität und -qualität zu rechnen. 

CO2-Emissionen: Produktionsunternehmen vor Dienstleistern, aber auch Bankensektor beachtlich 

Ein Blick auf die Detailergebnisse zeigt, dass naturgemäß die produzierenden Unternehmen in absoluten Zahlen die Spitzenreiter in Sachen CO2-Emissionen sind. Hier dominieren drei heimische Großbetriebe das Bild, während zwei davon überdurchschnittliche Emissionsreduktionsraten bewerkstelligt haben (-24 % bzw. -20 %). Dienstleistende Unternehmen weisen im Durchschnitt kleinere absolute Emissionen aus, wobei zwei heimische Großkonzerne im Bankensektor durchaus mittlere produzierende Unternehmen hinsichtlich absoluter Emissionen überragen. Bei der Betrachtung der Emissionsintensität (emittierte Tonne CO2 pro Euro Umsatzmillion) setzen sich die Dienstleister allerdings klar mit geringeren Intensitäten durch. Hier finden sich 7 in den Top Ten (alle mit weniger als 60 Tonnen CO2 / Mio. EUR).  

Fest steht, dass langjähriges Engagement im Kampf gegen die Klimakrise wirkt: jene Unternehmen mit mehrjährige CO2-Reporting und damit einhergehendem Management von Klimarisiken weisen branchenübergreifend steilere Reduktionskurven auf als ihre später gestarteten Peers.  

Großer Hebel durch Ausstieg aus fossiler Energie 

Die größten Hebel liegen naturgemäß bei den Energieunternehmen. So bewirkte beispielsweise der konsequente Ausstieg eines großen Anbieters aus fossilen Energieträgern einen signifikanten und beachtlichen Rückgang der CO2-Emissionen um 84% in den letzten 10 Jahren. 2011 wurden noch 4,5 Mio. Tonne CO2 jährlich emittiert, 2021 nur noch 0,71 Mio. Tonnen CO2 (Scope 1 und 2). Das entspricht einer jährlichen Einsparung von 0,38 Mio. Tonnen CO2 bzw. 8% Einsparungen pro Jahr (Basis 2011).  

Welchen Beitrag leisten die VÖNIX-Unternehmen zur Erreichung des österreichischen 1,5 Grad-Zieles? Bezogen auf die nationale Gesamtwirtschaft sieht der Klima- und Energieplan für das Jahr 2030 eine maximalen Emissionswert von 36,4 Mio. Tonnen CO2 vor. Für das Jahr 2021 blicken wir auf heimische Emissionen in Höhe von 77,1 Mio. Tonnen CO2 zurück. Um das 2030er Ziel also zu erreichen, bedarf es einer jährlichen Einsparung von rund 5,1 Mio. Tonnen CO2 auf gesamtwirtschaftlicher Ebene. Zum Vergleich: in den letzten 10 Jahren haben die VÖNIX Unternehmen insgesamt „nur“ 1,3 Mio. Tonnen CO2 (!) einsparen können. Es bleibt also noch ein weiter Weg in Richtung 1,5 Grad. 

Andrea Lösch, Head of Corporate Research bei rfu; Michael Gizicki-Neundlinger, Analyst bei rfu

Über die rfu:
Die rfu, mit Sitz in Wien, ist Österreichs Spezialistin für Nachhaltiges Investment und Management und unterstützt institutionelle Kunden mit Nachhaltigkeits-Research und der Konzeption von Investmentprodukten. „Technologisches Herz" sind die rfu Nachhaltigkeitsmodelle für Unternehmen, Länder und Rohstoffe.

Weitere Leistungen sind u.a. die Erstellung von Prüfgutachten nach dem Österreichischen Umweltzeichen sowie Second Party Opinions zur Emission von Green und Social Bonds.

Weitere Informationen finden Sie auf www.rfu.at

Über die Artikelserie "GOING GREEN":
GOING GREEN ist eine monatliche Kolumne auf e-fundresearch.com zu Entwicklungen und Hintergründen im nachhaltigen Investment, verfasst von Reinhard Friesenbichler und seinen Kolleginnen und Kollegen aus der rfu.

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