Mit einer neuen Research-Serie zum deutschen ETF-Markt legt der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) erstmals eine detaillierte Datenbasis zu in Deutschland gehaltenen börsengehandelten Fonds (ETFs) vor. In Zusammenarbeit mit Clearstream wurde eine eigene Statistik aufgebaut, die sowohl Bestände deutscher Anleger als auch das auf den deutschen Markt entfallende Neugeschäft abbildet und damit europaweit einzigartige Einblicke ermöglicht.
Rasantes Wachstum: ETF-Vermögen steigt auf 500 Milliarden Euro
Binnen nur zwei Jahren hat sich das in Deutschland verwaltete ETF-Vermögen von 309 auf 500 Milliarden Euro erhöht. Das entspricht einem Zuwachs von rund 62 Prozent. Damit entfällt inzwischen etwa ein Viertel des gesamten von deutschen Anlegern gehaltenen Publikumsfondsvermögens auf ETFs. Zum Vergleich: Klassische Publikumsfonds legten im selben Zeitraum lediglich um 13 Prozent zu.

Der kräftige Anstieg resultierte zu gleichen Teilen aus hohen Netto-Mittelzuflüssen (rund 110 Milliarden Euro) und der positiven Wertentwicklung an den Kapitalmärkten. Während institutionelle Investoren wie Versicherer oder Pensionskassen ETFs traditionell als effizientes Umsetzungsinstrument nutzen, hat sich der Markt längst geöffnet: Laut BlackRock hielten im Frühjahr 2024 rund 10,5 Millionen Deutsche ETF-Anteile, vielfach über langfristig angelegte Sparpläne. Parallel dazu hat sich das Produktangebot erheblich verbreitert: Auf Xetra sind inzwischen über 2.500 ETFs und ETPs handelbar, darunter mehr als 300 aktiv verwaltete Produkte.
ETFs dominieren das Neugeschäft
Besonders deutlich zeigt sich die Dominanz börsengehandelter Fonds beim Neugeschäft: Zwischen Juni 2023 und Juni 2025 entfielen laut BVI-Daten fast 90 Prozent der neu in Publikumsfonds investierten Mittel auf ETFs. In Summe summierte sich das ETF-Neugeschäft auf 113,8 Milliarden Euro, wobei Aktien-ETFs mit rund 70 Prozent den größten Anteil stellten. Renten- und Geldmarkt-ETFs verzeichneten jeweils Zuflüsse im zweistelligen Milliardenbereich.

Andere Fondsarten konnten im selben Zeitraum lediglich 14,8 Milliarden Euro an frischem Kapital gewinnen. Besonders gefragt waren dabei Renten- und Geldmarktfonds. Aus klassischen Aktien-, Misch- und Immobilienfonds zogen Anleger dagegen per Saldo Mittel ab. Erst im ersten Halbjahr 2025 zeigten sich leichte Zuflüsse auch bei aktiven Aktienfonds, was auf eine selektive Rückkehr aktiver Strategien hindeutet.
Aktienprodukte dominieren - Geldmarkt-ETFs mit Renaissance
Von den 500 Milliarden Euro ETF-Vermögen deutscher Anleger entfielen zur Jahresmitte 2025 mehr als vier Fünftel auf Aktien-ETFs. Rentenprodukte kamen auf rund 69 Milliarden Euro (14 Prozent), während Geldmarkt-ETFs durch die Zinswende stark an Bedeutung gewannen: Ihr Volumen stieg innerhalb von zwei Jahren von 3 auf 18 Milliarden Euro. Rohstoff- und sonstige ETFs spielten mit insgesamt rund 3 Milliarden Euro bislang nur eine Nebenrolle.

Deutschland ist größter ETF-Markt Europas
Mit einem Marktanteil von rund 23 Prozent ist Deutschland laut BVI der wichtigste Absatzmarkt für ETFs in der Eurozone. Deutsche Anleger halten mindestens 500 Milliarden Euro der insgesamt rund 2,2 Billionen Euro, die in der Währungsunion in ETFs investiert sind, Tendenz steigend.
Im internationalen Vergleich bleibt der US-Markt zwar weiterhin unerreicht: Dort summierte sich das ETF-Vermögen Mitte 2025 auf 11,5 Billionen US-Dollar. Doch auch in Europa zeichnet sich eine zunehmende Nutzung von ETFs für aktive Strategien sowie in der Altersvorsorge ab - Entwicklungen, die weiteres Wachstumspotenzial eröffnen.
e-fundreseach.com Fazit
Der starke Mittelzufluss in ETFs zeigt, dass Anleger in Deutschland zunehmend auf transparente, kostengünstige und liquide Anlageinstrumente setzen. Für aktive Fonds bedeutet diese Entwicklung eine wachsende Herausforderung: Sie müssen ihren Mehrwert gegenüber passiven Produkten klarer herausstellen.
BVI plant vertiefende Analysen
Das jetzt veröffentlichte Papier markiert den Auftakt einer neuen BVI-Publikationsreihe, die künftig zentrale Aspekte des deutschen ETF-Markts vertieft analysieren wird, etwa das Investitionsverhalten nach Anlageklassen, Kostenstrukturen oder die Rolle aktiver ETFs.
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