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Ölpreis und die Weltwirtschaft - Sand im Getriebe?

Die Befürchtungen, dass der steigende Ölpreis das Wachstum der wichtigsten Volkswirtschaften allmählich gefährdet, nehmen zu. Charles Whall, Öl- und Gasspezialist bei Newton Investment Management, nennt Gewinner und Verlierer der prognostizierten Entwicklungen. Research | 19.09.2005 17:45 Uhr

Das amerikanische Vorzeige-Unternehmen Wal-Mart schockte den Markt, als es das langsamste Wachstum seit vier Jahren in diesem Quartal bekannt gab. Als Grund führte das Unternehmen unter anderem den Anstieg der Logistikosten um 30 Millionen US-Dollar durch den hohen Ölpreis an. Auch in Großbritannien erreichte die Inflation aufgrund des Benzinpreises den höchsten Stand seit acht Jahren. Die beiden häufig genannten Behauptungen, dass der Ölpreisanstieg nur temporär sei und dass das Angebot so wachsen kann, dass es die Nachfrage wieder ausgleicht, treffen in diesem Fall mit aller Wahrscheinlichkeit nicht zu. Der Ölpreis wird nicht auf den langfristigen Durchschnitt zurückfallen, weil wir es hier mit einer Niveauverschiebung zu tun haben.

Es gibt zahlreiche Gründe, die dafür sprechen, dass sich der aktuelle Preiszyklus anders verhält als frühere. In früheren vergleichbaren Situationen ging die Nachfrage zurück, weil der hohe Ölpreis die Produktion angekurbelt hat, so dass der Markt wieder ins Gleichgewicht kam. Diesmal hat ein fünfjähriger Preisanstieg auf der Angebotsseite keine nennenswerte Reaktion ausgelöst. Denn es gab weder erfolgreiche Neuerschließungen, noch sprunghafte Effizienzsteigerungen durch den Einsatz neuer Techniken, wie es in den achtziger und neunziger Jahren der Fall war.

Die Auswirkungen auf der Nachfrageseite zeigen sich im aktuellen Preiszyklus ebenfalls anders. Bei früheren Öl-Höchstpreisen griffen die Verbraucher erst zu anderen Brennstoffen und optimierten dann ihren Verbrauch. Diesmal gibt es aber kein billiges Erdgas als Ersatz. Die meisten Energieeinsparungsmaßnahmen in den OECD-Ländern wurden bereits getroffen. Bei so wenigen Möglichkeiten, den Bedarf zu verringern, sind die Verbraucher jetzt wohl erst einmal gezwungen, ihr Verhalten zu ändern und sich im zweiten Schritt unabhängiger vom Öl zu machen.

OPEC-Kapazitäten am Limit

Die OPEC sucht derzeit nach einem Gleichgewichtspreis, den sie aufrechterhalten kann, ohne die Nachfrage zu schwächen und auf alternative Energien umzuleiten. Das Konsortium könnte derzeit bequem mit einem Preis von 50 US-Dollar pro Barrel leben, macht sich aber Sorgen um die Auswirkungen eines dauerhaft über 60 US-Dollar liegenden Ölpreises, den die künftige Nachfrage mit sich bringen könnte. Vor einem Jahr dachte man noch, die Schwelle läge bei 40 US-Dollar. Die Erfahrungen zeigen jetzt jedoch, dass sie wohl deutlich höher liegt. Die allgemeine Auffassung, dass der OPEC noch eine Reservekapazität von 1,5 Millionen Barrel pro Tag zur Verfügung stehe, ist schlicht unwahrscheinlich, wenn der Ölpreis bei 65 Dollar oder höher liegt. Die geringen, nicht genutzten Kapazitäten sind schweres, schwefelreiches Rohöl, das äußerst schwer zu raffinieren ist.

Im Jahr 2004 wollte die OPEC ursprünglich ihren Anteil an der Weltölproduktion senken,  wurde dann aber von der Stärke der weltwirtschaftlichen Erholung ebenso überrascht wie vom geringen Produktionswachstum in den Nicht-OPEC-Ländern. Die OPEC hat dann rasch reagiert, so dass langfristige Engpässe vermieden werden konnten. In diesem Sommer haben die Länder sogar mehr produziert als benötigt, um die Lagerbestände für den Winter aufzustocken. Dabei ist die Situation nicht beim Rohöl selbst angespannt, sondern vielmehr bei Benzin und Diesel, wo nicht nur die Lagerbestände niedrig, sondern auch die Raffinieriekapazität knapp ist. Tatsächlich werden die Raffinerien in diesem Winter Rohöl erhalten, dass sehr viel schwerer und schwefelreicher sein wird und die Margen der Raffinerien stärkt. Es gibt in diesem System, das auf vollen Touren läuft und deswegen schon häufig ungeplante Ausfallzeiten zeigt, keine Überschußkapazität mehr.

Niedrigerer Ölpreis nur bei stabilem geopolitischem Ausblick 

Viele Beobachter haben noch gar nicht begriffen, wie sensibel die amerikanische Regierung auf die nukleare Situation im Iran reagiert. Selbst wenn die Rohölnachfrage auf Grund der hohen Preise nachgeben sollte, werden wir kaum eine Preisreaktion sehen, solange diese Spannungen existieren. Obwohl es ein eher unwahrscheinliches Szenario ist, könnte eine Eskalation der Krise dazu führen, dass der Iran seine Ölproduktion von vier Millionen Barrel pro Tag aus der OPEC zurückzieht.

Mit einem stabileren geopolitischen Ausblick, könnte der Ölpreis nachgeben, zumal sich das Ende der Autofahrsaison in den Vereinigten Staaten nähert. Die Marke von 75 US-Dollar wäre aber nicht überraschend, wenn die Ängste bezüglich des Irans weiter anhalten und weitere unerwartete Produktionsausfälle hinzukommen.

Es ist wahrscheinlich, dass das Ölangebot der Nicht-OPEC-Länder auch weiterhin enttäuschen wird. Russland mit seinem Löwenanteil an Ölreserven unter den Nicht-OPEC-Ländern versucht ziemlich unbeholfen den Ölsektor wieder zu verstaatlichen, der mittlerweile aus Unternehmen besteht, die zu den effizientesten der Welt gehörten. Nach den neuesten Daten kommt das Wachstum des russischen Ölangebots dadurch knirschend zum Stehen.

100 US-Dollar pro Barrel bedeuten nicht das Ende der Welt

Dennoch bedeutet ein Ölpreis von 100 US-Dollar nicht so etwas wie das Ende der Zivilisation. Wir haben bereits in so einer Welt gelebt und werden das auch in naher Zukunft wieder tun. Wenn man die Preiszyklen der siebziger und achtziger Jahre inflationsbereinigt, kostete das Barrel über 100 Dollar und die Welt hat sich dennoch weiter gedreht. In den nächsten Jahren ist zu erwarten, dass der Ölpreis kurzfristig immer mal wieder die Marke von 100 US-Dollar erreicht. Allerdings sind 55 US-Dollar pro Barrel ein viel wahrscheinlicheres Szenario, wenn erst einmal die derzeitigen Investitionen der OPEC fruchten.

Sollte der kontinuierlich steigende Ölpreis jedoch als Vorbote einer weltweiten Rezession gesehen werden? Es wird Gewinner und Verlierer geben, was aber unter dem Strich nicht nur negative Auswirkungen haben muss. Am schlimmsten wird es diejenigen Volkswirtschaften treffen, die wenig energieeffizient arbeiten und importabhängig sind. Indien benötigt beispielsweise für eine Einheit des Bruttoinlandsprodukts dreimal so viel Energie wie die Vereinigten Staaten. In energieeffizienten Ländern wird erst der Konsum darunter leiden, bevor die Wettbewerbsfähigkeit in Mitleidenschaft gezogen wird.

Gewinner und Verlierer des hohen Ölpreises

China hat sich schnell darauf eingestellt, seine Importabhängigkeit zu verringern und hat damit die Auswirkungen eskalierender Ölpreise im Vergleich zu seinen südostasiatischen Konkurrenten verringert. Dennoch hat China die volle Auswirkung des hohen Ölpreises noch gar nicht zu spüren bekommen. In China, Indien und ganz Südostasien haben die Regierungen bisher die Benzinpreise unter Kontrolle gehalten - trotz der enormen Kosten. Im Durchschnitt steht für die Verbraucher in diesen Ländern der Ölpreis praktisch etwa bei 40 US-Dollar.

Der Effekt auf die Weltwirtschaft wird davon abhängen, in welchem Umfang die Ölerlöse reinvestiert werden. Zu den deutlichen Gewinnern sollten einige ölexportierende Nationen gehören, wie beispielsweise die russische Wirtschaft. Der russische Ölfonds ist voll und Präsident Putin erwartet eine Verdopplung des Bruttoinlandsprodukts. Saudi-Arabien wird ebenfalls einen Großteil des Erlöses reinvestieren, um dem Königreich mehr Stabilität angesichts des sprunghaften Bevölkerungswachstums zu verleihen. Rückenwind sollten auch Venezuela, Nigeria und sogar Angola über die Zeit erhalten. Es gibt nicht viele Möglichkeiten in diese Länder zu investieren, weswegen für uns internationale Unternehmen im Vordergrund stehen, die in diesen Ländern aktiv sind.

Auch wenn hohe Ölpreise für die Weltwirtschaft insgesamt nicht positiv sind, bietet dieses Umfeld doch eine Reihe von Investitionsmöglichkeiten, weshalb Energieversorgung weiterhin ein zentrales Investmentthema für Newton Investment Management sein wird.


Zum Autor:
Charles Whall ist Öl- und Gasspezialist bei Newton Investment Management, einer der 13 Tochtergesellschaften von Mellon Financial Corporation. Whall war vor seinem Wechsel zu Newton als Gas Trading and Marketing Manager bei BP plc. tätig. Von 1986 bis zum Jar 2000 war er u.a. mit der Geschäftsentwicklung bei ARCO betraut. Insgesamt verfügt Whall über 24 Jahre Branchen-Erfahrung.


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