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Die Fondsgesellschaften verwalteten für Anleger im Absatzmarkt Deutschland zur Jahresmitte 2026 knapp 5.199 Milliarden Euro, 7 Prozent mehr als zum Jahresende 2025. Offene Fonds sammelten netto 79,4 Milliarden Euro ein, davon 51,8 Milliarden Euro Publikumsfonds und 27,6 Milliarden Euro Spezialfonds. Aktienfonds führen die Absatzliste mit 38,3 Milliarden Euro an, davon 33,9 Milliarden Euro in Aktien-ETFs. ETFs halten über alle Anlageklassen 585 Milliarden Euro und damit fast 29 Prozent des Publikumsfondsvermögens. Der Abstand zwischen Publikumsfonds mit 2.049 Milliarden Euro und Spezialfonds mit 2.409 Milliarden Euro ist auf 360 Milliarden Euro geschrumpft. Aus offenen Immobilienfonds flossen 3,3 Milliarden Euro ab.
Der deutsche Fondsverband BVI hat am 11. August seine Halbjahresbilanz vorgelegt. Zur Jahresmitte verwalteten die berichtenden Gesellschaften knapp 5.199 Milliarden Euro für Anleger im Absatzmarkt Deutschland, unabhängig davon, in welchem Land die Portfolios aufgelegt sind. Das ist der höchste Stand, den der Verband je ausgewiesen hat, und ein Plus von 347 Milliarden Euro seit dem Jahresende. Interessanter als die Rekordmarke ist für institutionelle Investoren die Verschiebung darunter. Der institutionell geprägte Kern des Marktes verliert relativ an Gewicht, und das Neugeschäft der Publikumsfonds läuft fast nur noch über ETFs.
Publikumsfonds holen auf, der Vorsprung der Spezialfonds schmilzt auf 360 Milliarden
Offene Spezialfonds bleiben mit 2.409 Milliarden Euro die volumengrößte Fondsgruppe, eine Position, die sie seit Ende der 1990er Jahre halten. Größte Anlegergruppen sind laut BVI Altersvorsorgeeinrichtungen mit 851 Milliarden Euro und Versicherer mit 560 Milliarden Euro. Die Publikumsfonds kommen inzwischen auf 2.049 Milliarden Euro und damit auf einen Abstand von nur noch 360 Milliarden Euro. Vor fünf Jahren waren es über 700 Milliarden. Seit dem Jahresende 2025 allein ist das Publikumsfondsvermögen um rund 209 Milliarden Euro oder 11,4 Prozent gewachsen, während die Spezialfonds um rund 121 Milliarden Euro oder 5,3 Prozent zulegten. Setzt sich dieses Tempo fort, ist der Gleichstand eine Frage weniger Jahre.

Quelle: BVI-Halbjahresbilanz 2026
ETFs holen drei Viertel des Neugeschäfts...
Im ersten Halbjahr 2026 flossen Publikumsfonds netto 51,8 Milliarden Euro zu, davon 39,6 Milliarden Euro in ETFs. Das sind gut drei Viertel des gesamten Neugeschäfts. Nach Anlageschwerpunkten führen Aktienfonds die Absatzliste mit 38,3 Milliarden Euro an, wovon 33,9 Milliarden Euro auf Aktien-ETFs entfallen. Rentenfonds verbuchten 10,6 Milliarden Euro, dabei dominierten kurze Laufzeiten bis drei Jahre mit 5,1 Milliarden Euro und Unternehmensanleihenfonds mit 3,5 Milliarden Euro. Mischfonds kamen auf 3,6 Milliarden Euro, Geldmarktfonds auf 2,3 Milliarden Euro.
...im zweiten Quartal fast alles
Der Halbjahreswert verdeckt allerdings, wie sich Tempo und Struktur im Jahresverlauf verändert haben. Im ersten Quartal flossen Publikumsfonds 33,7 Milliarden Euro zu, davon 22,3 Milliarden Euro oder zwei Drittel in ETFs. Im zweiten Quartal halbierte sich das Neugeschäft nahezu auf 18,1 Milliarden Euro, während der ETF-Anteil auf 17,3 Milliarden Euro und damit auf 96 Prozent stieg. Für alle übrigen Publikumsfonds zusammen blieben in diesem Quartal nur netto 0,8 Milliarden Euro.
Fast jeder zweite Euro in Aktienfonds liegt in einem ETF
Beim verwalteten Vermögen bleiben Aktienfonds mit 1.092 Milliarden Euro die größte Gruppe. Aktien-ETFs stellen davon 496 Milliarden Euro und damit 45 Prozent. Über alle Anlageklassen weist die Statistik 585 Milliarden Euro ETF-Vermögen aus, ein Zuwachs von 95,5 Milliarden Euro seit dem Jahresende. Diese Zahl beruht auf der seit Anfang 2025 geltenden Erfassung über die Datenbank des Zentralverwahrers Clearstream und ist deshalb nicht mit früheren Berichtszeiträumen vergleichbar. Nicht enthalten sind Bestände von Gesellschaften, die sich der Methode noch nicht angeschlossen haben, sowie Bestände bei anderen Zentralverwahrern, vor allem Euroclear. Der BVI schätzt den deutschen ETF-Markt daher auf über 800 Milliarden Euro und damit als größten in Europa.
Nur ein Fünftel des Zuwachses ist frisches Geld
Wer die 347 Milliarden Euro Vermögenszuwachs als Absatzerfolg liest, greift zu kurz. Das Netto-Mittelaufkommen über alle Produktkategorien beträgt im ersten Halbjahr 74,1 Milliarden Euro. Der weitaus größere Teil des Vermögenszuwachses entfällt damit auf Markt- und Bewertungseffekte sowie gegebenenfalls statistische Veränderungen wie Nachmeldungen bestehender Portfolios. Der BVI weist selbst darauf hin, dass Vergleichszeiträume von früheren Veröffentlichungen abweichen können, wenn Anbieter bestehende Portfolios nachmelden. Auffällig ist zudem die freie Portfolioverwaltung außerhalb von Investmentvermögen: Die freien Mandate halten 676 Milliarden Euro, verloren im Halbjahr aber netto 5,4 Milliarden Euro.
Offene Immobilienfonds bleiben unter Abgabedruck
Aus offenen Immobilien-Publikumsfonds zogen Anleger netto 3,3 Milliarden Euro ab, nach 1,8 Milliarden Euro im ersten und 1,5 Milliarden Euro im zweiten Quartal. Das verwaltete Vermögen sank auf 108 Milliarden Euro, ein Jahr zuvor waren es noch 117 Milliarden. Die Abflüsse wirken mit Verzögerung, denn für Anteile, die nach dem 21. Juli 2013 erworben wurden, gilt vor der Rückgabe eine zwölfmonatige Kündigungsfrist. Angekündigte Rückgaben tauchen also erst ein Jahr später in der Statistik auf. Bei institutionellen Anlegern ist das Bild umgekehrt: Immobilien-Spezialfonds verbuchten im Halbjahr Zuflüsse von rund 1,5 Milliarden Euro.

Quelle: BVI-Halbjahresbilanz 2026
Zur Quelle
Grundlage des Artikels sind die BVI-Halbjahresbilanz 2026 und die Investmentstatistik zum 30. Juni 2026. Die Daten bilden den Absatzmarkt Deutschland ab und umfassen das Anlegern in Deutschland zuzurechnende Vermögen und Mittelaufkommen, unabhängig vom Sitzland der Fonds oder der berichtenden Gesellschaft. Bei ETF-Daten ist zu beachten, dass der BVI seit Anfang 2025 eine veränderte Erfassungsmethode unter Einbeziehung von Zentralverwahrerdaten verwendet. Vergleiche mit früheren Berichtszeiträumen sind daher nur eingeschränkt möglich.
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