BVI-Halbjahresbilanz: ETF-Boom lässt Abstand zwischen Publikums- und Spezialfonds schrumpfen

Der deutsche Fondsmarkt erreicht zur Jahresmitte 5.199 Milliarden Euro. Publikumsfonds wachsen deutlich schneller als Spezialfonds, der Abstand schrumpft auf 360 Milliarden Euro. Wie stark ETFs das Neugeschäft inzwischen dominieren und warum offene Immobilienfonds weiter unter Abgabedruck stehen. Research | 13.08.2026 14:24 Uhr
© e-fundresearch.com /Canva
© e-fundresearch.com /Canva

AI-generierte Zusammenfassung

☕ e-fundresearch.com Espresso, die Meldung in 30 Sekunden:

Die Fondsgesellschaften verwalteten für Anleger im Absatzmarkt Deutschland zur Jahresmitte 2026 knapp 5.199 Milliarden Euro, 7 Prozent mehr als zum Jahresende 2025. Offene Fonds sammelten netto 79,4 Milliarden Euro ein, davon 51,8 Milliarden Euro Publikumsfonds und 27,6 Milliarden Euro Spezialfonds. Aktienfonds führen die Absatzliste mit 38,3 Milliarden Euro an, davon 33,9 Milliarden Euro in Aktien-ETFs. ETFs halten über alle Anlageklassen 585 Milliarden Euro und damit fast 29 Prozent des Publikumsfondsvermögens. Der Abstand zwischen Publikumsfonds mit 2.049 Milliarden Euro und Spezialfonds mit 2.409 Milliarden Euro ist auf 360 Milliarden Euro geschrumpft. Aus offenen Immobilienfonds flossen 3,3 Milliarden Euro ab.

Der deutsche Fondsverband BVI hat am 11. August seine Halbjahresbilanz vorgelegt. Zur Jahresmitte verwalteten die berichtenden Gesellschaften knapp 5.199 Milliarden Euro für Anleger im Absatzmarkt Deutschland, unabhängig davon, in welchem Land die Portfolios aufgelegt sind. Das ist der höchste Stand, den der Verband je ausgewiesen hat, und ein Plus von 347 Milliarden Euro seit dem Jahresende. Interessanter als die Rekordmarke ist für institutionelle Investoren die Verschiebung darunter. Der institutionell geprägte Kern des Marktes verliert relativ an Gewicht, und das Neugeschäft der Publikumsfonds läuft fast nur noch über ETFs.

Publikumsfonds holen auf, der Vorsprung der Spezialfonds schmilzt auf 360 Milliarden

Offene Spezialfonds bleiben mit 2.409 Milliarden Euro die volumengrößte Fondsgruppe, eine Position, die sie seit Ende der 1990er Jahre halten. Größte Anlegergruppen sind laut BVI Altersvorsorgeeinrichtungen mit 851 Milliarden Euro und Versicherer mit 560 Milliarden Euro. Die Publikumsfonds kommen inzwischen auf 2.049 Milliarden Euro und damit auf einen Abstand von nur noch 360 Milliarden Euro. Vor fünf Jahren waren es über 700 Milliarden. Seit dem Jahresende 2025 allein ist das Publikumsfondsvermögen um rund 209 Milliarden Euro oder 11,4 Prozent gewachsen, während die Spezialfonds um rund 121 Milliarden Euro oder 5,3 Prozent zulegten. Setzt sich dieses Tempo fort, ist der Gleichstand eine Frage weniger Jahre.

Quelle: BVI-Halbjahresbilanz 2026

ETFs holen drei Viertel des Neugeschäfts...

Im ersten Halbjahr 2026 flossen Publikumsfonds netto 51,8 Milliarden Euro zu, davon 39,6 Milliarden Euro in ETFs. Das sind gut drei Viertel des gesamten Neugeschäfts. Nach Anlageschwerpunkten führen Aktienfonds die Absatzliste mit 38,3 Milliarden Euro an, wovon 33,9 Milliarden Euro auf Aktien-ETFs entfallen. Rentenfonds verbuchten 10,6 Milliarden Euro, dabei dominierten kurze Laufzeiten bis drei Jahre mit 5,1 Milliarden Euro und Unternehmensanleihenfonds mit 3,5 Milliarden Euro. Mischfonds kamen auf 3,6 Milliarden Euro, Geldmarktfonds auf 2,3 Milliarden Euro.

...im zweiten Quartal fast alles

Der Halbjahreswert verdeckt allerdings, wie sich Tempo und Struktur im Jahresverlauf verändert haben. Im ersten Quartal flossen Publikumsfonds 33,7 Milliarden Euro zu, davon 22,3 Milliarden Euro oder zwei Drittel in ETFs. Im zweiten Quartal halbierte sich das Neugeschäft nahezu auf 18,1 Milliarden Euro, während der ETF-Anteil auf 17,3 Milliarden Euro und damit auf 96 Prozent stieg. Für alle übrigen Publikumsfonds zusammen blieben in diesem Quartal nur netto 0,8 Milliarden Euro.

Fast jeder zweite Euro in Aktienfonds liegt in einem ETF

Beim verwalteten Vermögen bleiben Aktienfonds mit 1.092 Milliarden Euro die größte Gruppe. Aktien-ETFs stellen davon 496 Milliarden Euro und damit 45 Prozent. Über alle Anlageklassen weist die Statistik 585 Milliarden Euro ETF-Vermögen aus, ein Zuwachs von 95,5 Milliarden Euro seit dem Jahresende. Diese Zahl beruht auf der seit Anfang 2025 geltenden Erfassung über die Datenbank des Zentralverwahrers Clearstream und ist deshalb nicht mit früheren Berichtszeiträumen vergleichbar. Nicht enthalten sind Bestände von Gesellschaften, die sich der Methode noch nicht angeschlossen haben, sowie Bestände bei anderen Zentralverwahrern, vor allem Euroclear. Der BVI schätzt den deutschen ETF-Markt daher auf über 800 Milliarden Euro und damit als größten in Europa.

Nur ein Fünftel des Zuwachses ist frisches Geld

Wer die 347 Milliarden Euro Vermögenszuwachs als Absatzerfolg liest, greift zu kurz. Das Netto-Mittelaufkommen über alle Produktkategorien beträgt im ersten Halbjahr 74,1 Milliarden Euro. Der weitaus größere Teil des Vermögenszuwachses entfällt damit auf Markt- und Bewertungseffekte sowie gegebenenfalls statistische Veränderungen wie Nachmeldungen bestehender Portfolios. Der BVI weist selbst darauf hin, dass Vergleichszeiträume von früheren Veröffentlichungen abweichen können, wenn Anbieter bestehende Portfolios nachmelden. Auffällig ist zudem die freie Portfolioverwaltung außerhalb von Investmentvermögen: Die freien Mandate halten 676 Milliarden Euro, verloren im Halbjahr aber netto 5,4 Milliarden Euro.

Offene Immobilienfonds bleiben unter Abgabedruck

Aus offenen Immobilien-Publikumsfonds zogen Anleger netto 3,3 Milliarden Euro ab, nach 1,8 Milliarden Euro im ersten und 1,5 Milliarden Euro im zweiten Quartal. Das verwaltete Vermögen sank auf 108 Milliarden Euro, ein Jahr zuvor waren es noch 117 Milliarden. Die Abflüsse wirken mit Verzögerung, denn für Anteile, die nach dem 21. Juli 2013 erworben wurden, gilt vor der Rückgabe eine zwölfmonatige Kündigungsfrist. Angekündigte Rückgaben tauchen also erst ein Jahr später in der Statistik auf. Bei institutionellen Anlegern ist das Bild umgekehrt: Immobilien-Spezialfonds verbuchten im Halbjahr Zuflüsse von rund 1,5 Milliarden Euro.

Quelle: BVI-Halbjahresbilanz 2026

Zur Quelle

Grundlage des Artikels sind die BVI-Halbjahresbilanz 2026 und die Investmentstatistik zum 30. Juni 2026. Die Daten bilden den Absatzmarkt Deutschland ab und umfassen das Anlegern in Deutschland zuzurechnende Vermögen und Mittelaufkommen, unabhängig vom Sitzland der Fonds oder der berichtenden Gesellschaft. Bei ETF-Daten ist zu beachten, dass der BVI seit Anfang 2025 eine veränderte Erfassungsmethode unter Einbeziehung von Zentralverwahrerdaten verwendet. Vergleiche mit früheren Berichtszeiträumen sind daher nur eingeschränkt möglich.

Weitere beliebte Research-Beiträge:

Performanceergebnisse der Vergangenheit lassen keine Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Investmentfonds oder Wertpapiers zu. Wert und Rendite einer Anlage in Fonds oder Wertpapieren können steigen oder fallen. Anleger können gegebenenfalls nur weniger als das investierte Kapital ausgezahlt bekommen. Auch Währungsschwankungen können das Investment beeinflussen. Beachten Sie die Vorschriften für Werbung und Angebot von Anteilen im InvFG 2011 §128 ff. Die Informationen auf www.e-fundresearch.com repräsentieren keine Empfehlungen für den Kauf, Verkauf oder das Halten von Wertpapieren, Fonds oder sonstigen Vermögensgegenständen. Die Informationen des Internetauftritts der e-fundresearch.com AG wurden sorgfältig erstellt. Dennoch kann es zu unbeabsichtigt fehlerhaften Darstellungen kommen. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen kann daher nicht übernommen werden. Gleiches gilt auch für alle anderen Websites, auf die mittels Hyperlink verwiesen wird. Die e-fundresearch.com AG lehnt jegliche Haftung für unmittelbare, konkrete oder sonstige Schäden ab, die im Zusammenhang mit den angebotenen oder sonstigen verfügbaren Informationen entstehen.

Melden Sie sich für den kostenlosen Newsletter an

Regelmäßige Updates über die wichtigsten Markt- und Branchenentwicklungen mit starkem Fokus auf die Fondsbranche der DACH-Region.

Der Newsletter ist selbstverständlich kostenlos und kann jederzeit abbestellt werden.