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Economics Forum: Konjunkturelle Entwicklung in Europa seit 2008

Ökonomen und Chefstrategen von DekaBank, Ignis Asset Management, UBS, Henderson Global Investors, Dexia Asset Management, ERSTE-SPARINVEST, Swisscanto und Amundi beurteilen die konjunkturelle Entwicklung in Europa der letzten vier Jahre nach der Krise im Herbst 2008 und geben einen Ausblick für das Jahr 2013. Economics | 10.12.2012 02:00 Uhr

Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank (04.12.2012):
„Im Euroland stehen den Mitgliedstaaten finanzielle Ressourcen wie beim US-Zentralstaat nicht zur Verfügung. Aus diesem Grund müssen die Länder eine restriktivere Finanzpolitik betreiben, bei gleichermaßen extrem expansiver Geldpolitik der EZB. Die Bilanzbereinigung kommt in vielen Teilen der Währungsunion nur schleppend voran.

Aus diesen Gründen sowie wegen der Ängste um die Gemeinschaftswährung pendelt Euroland insgesamt seit dem Jahr 2011 zwischen Rezession und Stagnation. Das bleibt auch 2013 so, mehr als Stagnation (-0,1%) ist nicht drin.  2014 rechnen wir zwar mit einem leichten Anziehen der Aktivität (1,0%), wir sehen in Euroland jedoch auf lange Zeit nicht die Wachstumsraten wie vor der Krise. Auf dem Papier deutlich die Nase vorn hat Euroland allerdings auf dem Feld der realwirtschaftlichen Reformen. Hier sind es insbesondere die Krisenländer, die zu einer Modernisierung ihrer wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gezwungen sind."


Stuart Thomson, Chief Economist, Ignis Asset Ma nagement (04.12.2012):
"History shows that after a major financial crash recoveries are weak and volatile. The 2008 crae are only about half way through the current cycle. Europe has an additional layer of consh was global and the subsequent deleveraging condemns the world economy to a prolonged period of sub-trend activity. These are known as growth-recessions to economists, and wstraint through an inefficient and incomplete monetary union that is expected to leave the peripheral economies in recession throughout 2013. This will severely dampen growth in the core economies. Europe’s ambition to drive down domestic growth amongst the periphery in order to close current account deficits is not being matched by compensating improvements in domestic demand in the core economies. With the notable exception of France, current account surpluses there remain excessive.

This in turn drives the paradox of thrift. Europe’s excess savings are being mirrored in the emerging economies, which are expected to experience another year of disappointing growth by their standards. America is the only deficit economy that has the ability to break free of these constraints and support some global activity. Once again the US economy will be the best horse in the glue factory, but even here tighter fiscal policy is likely to produce subdued activity."


Dr. Andreas Höfert, UBS Chef-Ökonom (05.12.2012): „Obwohl Europa oft bzw. immer noch als ein einheitlicher Wirtschaftsraum gesehen wird, ist die konjunkturelle Entwicklung der einzelnen Länder nach der Finanzkrise 2008 äußerst heterogen gelaufen. Dies dürfte auch im kommenden Jahr der Fall sein. Man kann hier unterscheiden zwischen Ländern, welche direkt von der Kreditkrise befallen wurden wie das Vereinigte Königreich, Spanien oder Irland und Länder, welche die indirekten Konsequenzen (u.a. den Zusammenbruch des weltweiten Handels) der Krise zu spüren bekamen, z.B. Deutschland, die Benelux-Länder und die skandinavischen Länder. Es gibt zudem jetzt eine zweite Unterscheidung zwischen den Ländern, welche die Eurokrise spüren (Griechenland, Portugal, Irland, Italien und Spanien) und denjenigen, welche bisher zumindest standhalten konnten (Deutschland, die Niederlande, Österreich).

Ein starkes Land, wie Deutschland erlebte 2008/2009 eine massive Rezession gefolgt von einem ebenso massiven Aufschwung, welcher auf dem Aufschwung namhafter Schwellenländer basierte. Demgegenüber wurde Spanien, als Beispiel eines schwachen Landes erst von der Finanzkrise 2008/2009 heimgesucht und danach von der Eurokrise. Demzufolge steckt es seit ca. fünf Jahren in einer Rezession/Stagnationsphase. Auch Großbritannien hat sich bis heute nicht von der Finanzkrise erholt. Extremster Fall ist und bleibt jedoch Griechenland, welches 2013 sein sechstes Jahr Rezession in Folge sehen wird, man kann in diesem Fall auch von Depression sprechen.

Für 2013 erwarten wir weiterhin divergierende Konjunkturzyklen. Deutschland dürfte am ehesten, wenn auch nur schwach, Wachstum verzeichnen. Frankreich wird bestenfalls stagnieren. Südeuropa wird in der Rezession verharren, auch wenn diese nicht mehr so schlimm ist wie 2012.

Wachstumsimpulse aus den USA oder China dürften frühestens im zweiten Quartal Europa helfen, doch generell wird der Kontinent mal wieder das Schlusslicht der internationalen Konjunktur sein.“


Tim Stevenson
Tim Stevenson
Tim Stevenson, Director of European Equities, Henderson Global (06.12.2012):
“Politicians and policy makers have arguably been hesitant over the past four years in attempting to resolve the economic crisis in the Eurozone. We now believe, however, that the ECB and politicians are taking the necessary steps to address the key issues.

We’ve spoken for a long time about the need to get Europe's house in order. Despite there being many competing national interpretations about what form banking and fiscal union should take, Europe's leaders are now engaging constructively and that, in itself, is an extremely encouraging sign for 2013. ECB President Mario Draghi has effectively shown markets that the ECB is the lender of last resort through the announcement of OMT, essentially removing tail risk of a sovereign default in the short-term.

We're going to be in a low-growth world for the foreseeable future but we cannot wait until Europe returns to a more ‘normal’ situation. We need to take advantage of its new reality and find companies that can flourish in this low growth world. We need to start viewing the situation in Europe as an opportunity, not a threat.”


Anton Brender
Anton Brender
Anton Brender, Chief Economist, Dexia Asset Management (07.12.2012): "In the aftermath of the Lehman Brothers’ shock, European countries wisely used their budgets to stabilize their economies. But starting in 2010, they forced themselves to reduce the resulting public deficits as quickly as possible. Unfortunately in many countries – those where the deficits had grown the most –the private sector also had to deleverage.

As a result the current accounts of all the euro “periphery” countries, in particular, had to improve: with exports to the rest of the world providing a weakening support, this improvement has taken place, for a large part, thanks to crumbling domestic demand thus leading to a sharp drop in activity. Recently, some lessons seem to have been learned from this drama and some improvements have been made to the euro area institutions, but a lot remains to be done.

Growth in the coming years will continue to be subpar in most European countries and will continue to depend crucially on the dynamism of our export markets and the increase in our competitiveness: higher growth in the rest world and a weaker euro are what we should wish for… but fulfilling those wishes in not in our power!"


Gerhard Winzer
Gerhard Winzer
Gerhard Winzer, Chief Economist, Erste Sparinvest (10.12.2012):
"Die Wirtschaft in der Eurozone stagniert. Mit 13605 Milliarden USD hat das nominelle BIP in der EWU im Jahr 2008 einen vorläufigen Höhepunkt erreicht.  Für 2012 wird ein Output von 12064 prognostiziert (Quelle: IMF). Im Einklang damit ist die Arbeitslosenrate markant von 7,7% auf 11,2% angestiegen. Diese betrübliche Entwicklung kann hauptsächlich auf die Probleme in den Sektoren Banken und Staat zurückgeführt werden. Zu sehen ist das z.B. an der stagnierenden Kreditvergabe an den privaten Sektor (bei knapp unter 10000 Milliarden EUR) und den immer restriktiveren Kreditvergaberichtlinien. Der anfänglichen deutlichen Ausweitung der Budgetdefizite ist ein starker Einsparungsdruck gewichen.

Zudem hat die Eurozone das zugrundeliegende Problem, dass die notwendigen Voraussetzungen für den nachhaltigen Bestand der Eurozone (noch) nicht gegeben sind (gemeinsame Fiskal-, Wirtschafts- und Finanzpolitik sowie die Zentralbank als - unbedingten - Lender of Last Resort). Der dadurch ausgelöste verstärkte Druck für eine unmittelbare Konsolidierung der Staats- und Bankbilanzen sowie der Zwang zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit und Abbau der Leistungsbilanzdefizite in vielen Staaten zur selben Zeit hat das wirtschaftliche Umfeld nochmals verschärft. Den kontrahierenden Kräften hat die Zentralbank mit Leitzinssenkungen und einer unlimitierten Versorgung des Bankensektors mit Liquidität entgegengewirkt. Das war unzureichend. Einige Länder befinden sich in einer Situation ähnlich einer Liquiditätsfalle, andere Länder in einer Schuldenfalle.

Die aufgetretene Fragmentierung der Finanzmärkte wurde / wird erfolgreich durch die Etablierung der EZB als bedingten Lender of Last Resort bekämpft. Der Ausblick für das nächste Jahr ist dem aktuellen Umfeld ähnlich. Depression bzw. Rezession in jenen Ländern, die sich nahe einer Schuldenfalle befinden, Stagnation bzw. leichtes Wachstum in jenen Ländern, die sich nahe einer Liquiditätsfalle befinden. Der Abbau der Ungleichgewichte und die Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit sind schmerzhaft, die Schaffung der Institutionen, die den Euro-Bestand sichern könnten, ist langwierig. Das größte Risiko für die Eurozone sind weiterhin "Ermüdungserscheinungen", die den Euro- bzw. EU-skeptischen Kräfte Auftrieb geben. Eine substanzielle Euro-Abschwächung, die die Wirtschaft unterstützen würde, ist leider schwer möglich, weil auch die Politik der anderen großen Währungen auf eine Abschwächung ausgerichtet ist."


Dr. Thomas Liebi
Dr. Thomas Liebi
Dr. Thomas Liebi, Chief Economist, Swisscanto Asset Management Ltd. (19.10.2012):
"Europas Konjunktur erholt sich nur mühsam von den Ungleichgewichten, welche sich über viele Jahre aufgebaut hatten und welche seit der Zuspitzung der Finanzkrise unter grossem Leidensdruck wieder reduziert werden müssen. Während in den angeschlagenen Europeripheriestaaten wie Italien und Spanien eine Stabilisierung auf tiefem Niveau zu verzeichnen ist, trübte sich die konjunkturelle Gefühlslage in Frankreich und Deutschland teilweise weiter ein. Die jüngsten Daten deuten nun aber auch hier auf eine Bodenbildung hin. Die Eurokrise ist zwar noch lange nicht gelöst, aber einiges weist darauf hin, dass sich die Situation zumindest beruhigt hat und der wirtschaftliche Ausblick sich nicht mehr signifikant verschlechtert. Noch hat die Eurozone zahlreiche Hürden zu nehmen und das Risiko für politische Fehlschläge ist gross. Zudem reagiert die Politik meist erst, wenn der Markt entsprechende Schritte erzwingt. Dies wird uns auch 2013 grosse Marktschwankungen bescheren. Wir erwarten für die Eurozone eine anhaltende Rezession mit einem leichten Aufwärtstrend ab der zweiten Jahreshälfte. Unterstützend dürften die weitere Erholung in den USA und die langsam zunehmende Dynamik der Weltwirtschaft wirken."


Didier Borowski
Didier Borowski
Didier Borowski, Head of Strategy and Economic Research, Amundi Asset Management (12.12.2012):
"The debt crisis has shed light on the vital need for better policy coordination and fiscal integration. While the European authorities have made progress on these fronts (fiscal discipline, structural reforms, banking union…), the eurozone is not out of the woods. The good news is that systemic risk has substantially eased in 2012, thanks notably to the ECB proactive action (3-year LTROs and OMT programme). The OMT should act as a backstop in the event of a negative self-fulfilling market dynamics in 2013. But the financial crisis has now turned into an economic crisis, with a recession forecasted by the ECB in 2013. The credit and economic cycles remain highly fragmented. The deleveraging process (banks, households, governments) is not over and will continue to weigh on growth. Deflationary pressure may thus intensify in Europe but global growth should accelerate driven by emerging Asia and the US. However, should European governments fail to restore growth and confidence next year, the expectation of a break up of the eurozone could resurface. In that case, the reaction from the ECB would be the great unknown."



Economics Forum: Investment Strategen und Ökonomen antworten


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