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Europa ist noch der schwache Teil der Kette

"Das globale Wirtschaftswachstum wird im Jahr 2013 um 3,5 Prozent zulegen (2012: 3,1 Prozent). Asien bleibt der Antriebsmotor der Weltwirtschaft und die USA nähern sich einer Erholung. Europa bleibt noch in Rezession", erwartet Didier Borowski, Head of Strategy and Economic Research bei Amundi Asset Management. Economics | 11.01.2013 02:18 Uhr
Didier Borowski, Head of Strategy and Economic Research, Amundi Asset Management.
Didier Borowski, Head of Strategy and Economic Research, Amundi Asset Management.

Borowski unterscheidet zwischen drei Szenarien. Die Wahrscheinlichkeit für das Eintreten des Basis-Szenarios beträgt rund 60 Prozent, das Risiko-Szenario mit mit 30 Prozent und das Wachstums-Szenario mit 10 Prozent Wahrscheinlichkeit belegt.

Basis-Szenario mit Null Wachstum in Europa

Borowski: "Im Basis-Szenario gehen wir davon aus, dass Europa weiterhin in einer Rezession bleibt. Die Finanzkrise wurde zur Wirschaftskrise. Probleme kann es vor allem in Spanien geben. In Italien bessert sich seit Mitte des Jahres 2012 die Lage und der Rückgang beim Wirtschaftswachstum wird im laufenden Jahr geringer sein als im Vorjahr und mit einer Erwartung von -0,5 Prozent besser sein als der Konsens. Insgesamt wird Europa ein Null-Wachstum erleben." Deutschland sollte der Rezession entkommen können.

Das Basis-Szenario geht allerdings auch von der Annahme aus, dass Spanien Finanzhilfe von der EU beantragt und dass keine fiskalpolitischen Fehler passieren, d. h. in einer angespannten Wirtschaftslage nicht noch mehr gespart wird.

In den USA geht man von einer leichten Erholung aus, da der private Immobilienmarkt sich weiter erholt und die Kreditvergabe der Banken ebenfalls wieder in Gang kommt. Borowski geht auch davon aus, dass im Haushaltsstreit in den USA ein Kompromiss gefunden wird. Der Arbeitsmarkt bleibt jedoch in einer schwachen Verfassung.  

Asien bleibt weiterhin der Wachstumsmotor der Weltwirtschat und die antizyklischen Stabilisierungsmassnahmen des Jahre 2012 werden Wachstum zum Ende des Jahres ermöglichen, da auch die Inlandsnachfrage weiterhin hoch bleibt.

Risiko-Szenario mit Spanien in der Depression

Borowski: "Normalerweise geht man bei einem Basis-Szenario von einer Wahrscheinlichkeit von rund 70 Prozent aus. Wir sind jedoch noch skeptisch, deswegen bleibt auch unser Risiko-Szenario mit 30 Prozent gewichtet." Dieses Szenario sieht Spanien in eine Depression verfallen und Investoren das Vertrauen verlieren.

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Es wird auch angenommen, dass Spanien seine Verpflichtungen nicht erfüllen könne und das Land in eine soziale und politische Krise stürzen würde. Dies würde sich auch auf Länder wie Portugal und Italien negativ auswirken und auch Griechenland wäre in diesem Szenario nicht in der Lage, das Wachstum wieder zu beleben. Die Märkte würden sich ernsthafte Sorgen über den Euro machen.

EZB und ESM wären nicht in der Lage, die Krise zu bewältigen und auch andere Länder in Europa würden mitgerissen, was japanische Verhältnisse in Europa bedeuten würde und auch die globale Wirtschaft abstürzen liesse. Zudem gäbe es in diesem Szenario auch das Risiko, dass die USA ihre Fiskalziele nicht erreicht bzw. keine Einigung darüber möglich ist und auch geopolitische Risiken im Mittleren Osten sind Teil dieser überlegungen.

Positiv-Szenario mit Wachstum

Borowski: "Die zunehmende Integration in Europa auf Ebene der Banken und der Fiskalpolitik könnte die Rückkehr auf den Wachstumspfad in Europa bedeuten. Die Fiskalpolitik würde sich mehr auf eine mittelfristige Stabilisierung ausrichten und der Zielerreichung würde mehr Zeit gewährt werden." In diesem Szenario (Wahrscheinlichkeit 10 Prozent) könnte sich die Wirtschaft in der Eurozone erholen und auch Spanien die Krise bewältigen. Die Geldpolitik würde expansiv bleiben und die systemischen Risiken wären mit einem Anstieg der Liquidität niedriger.

Kreditkosten in den Peripherieländern zu hoch

Ein wichtiger Punkt ist nach Ansicht von Didier Borowski die Höhe der Kreditzinsen für Klein- und Mittelbetriebe in den Peripherieländern in Europa, wo Zinsen auf Kredite bis zu 10 Prozent betragen könnten. Als wichtige Stütze der heimischen Wirtschaft sind jedoch Klein- und Mittelbetriebe dadurch stark gefährdet und Borowski geht auch davon aus, dass die EZB dieses Problem sehr genau beobachtet.

Kernländer Spreads zu niedrig - Potenzial in der Peripherie

Borowski zeigt auch anhand eines volkswirtschaftlichen Modells, dass die Spreads der 10-jährigen Staatsanleihen in der Peripherie derzeit attraktiv sind - beispielsweise 282 BP in Italien auf dem Markt vs. 178 BP lt. Modell bzw. Spanien 356 BP vs. 255 BP und Portugal 470 BP vs. 277 BP. Dagegen ist Österreich nach Ansicht von Borowski mt 35 BP Spread auf dem Markt zu teuer (Modell: 97 BP) und vor allem auch in den Niederlanden zeigt das Modell inkl. volkswirtschaftlicher Daten und Risiken mit 19 BP eine Überbewertung an (Modell 126 BP).

Auswirkungen auf die Asset Allocation

Borowski beschreibt die Einflüsse der drei Szenarien auf die Asset Allocation wie folgt: ausgehend vom Basis-Szenario bedeutet eine Bewegung in Richtung Risiko eine deutliche Reduzierung der Aktienquote und der Unternehmensanleihen und sonstigen Kreditrisiken. Im Wachstums-Szenario werden hingegen diese Positionen auf Kosten der Staatsanleihen in der Eurozone, den USA und auch Japan aufgebaut.
 
Aktuell ist die Ausstattung mit Liquidität auf den Märkten sehr gut und kurzfristige Zinsen werden nach Einschätzung von Borowski auf niedrigem Niveau bleiben. Der Tiefpunkt in der konjunkturellen Entwicklung scheint hinter Europa, den USA, China und den meisten Schwellenländern zu liegen. Inflation sei derzeit noch unter Kontrolle. Ein globales Wachstum in der Höhe von 3 Prozent könnte ein positiver Faktor für die Gewinne der Unternehmen in Europa sein, während ein reales Wachstum von über 2 Prozent in den USA ein positiver Faktor für die US Wirtschaft wäre.

Deflationäre Gefahr besteht

Borowski: "Obwohl sich das Wachstum nach der Krise im Jahr 2008 danach erholt hatte, war diese Erholung schwächer als erhofft und somit ist das Bild dieser Rezession ein sehr spezfisches. Zum ersten Mal in der Nachkriegsgeschichte gibt es auch die Gefahr einer deflationären Entwicklung."

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