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Economics Forum: Entwicklung in Spanien und Italien

Ökonomen und Chefstrategen von Flossbach von Storch, DekaBank, UBS, Dexia Asset Management, ERSTE-SPARINVEST, KBC Asset Management, Natixis Asset Management, Swisscanto und Amundi beurteilen die für Spanien und Italien erwarteten konjunkturellen Entwicklungen sowie deren mögliche Auswirkungen auf die Eurozone. Economics | 18.01.2013 02:00 Uhr

Aktuelle Frage im Economics Forum:

"Welche makroökonomische Entwicklung erwarten Sie in den kommenden 12-24 Monaten in Spanien und Italien und welche Auswirkungen können sich daraus für die wirtschaftliche Entwicklung der Eurozone ergeben?"


Tobias Schafföner, Research Analyst, und Dr. Dirk Schmitt, CFA, Investment Analyst, Flossbach von Storch (15.01.2013): 

Tobias Schafföner, Research Analyst
Tobias Schafföner, Research Analyst
Seit EZB-Präsident Draghi den Euro im Juli 2012 für „irreversibel“ erklärte, sind die Renditen von Staatsanleihen der Euro-Peripherie deutlich gesunken. Die Ankündigung der EZB, unbegrenzt Staatsanleihen aufkaufen zu wollen, wirkt - zumindest bislang - als selbsterfüllende Prophezeiung.

Der Artikel wird nach der Anzeige fortgesetzt.

Der „Draghi-Put“ ermöglicht insbesondere Spanien, sich auch ohne einen ESM-Hilfsantrag wieder günstiger zu refinanzieren. Bei einem Refinanzierungsbedarf von mindestens 200 Mrd. Euro allein in den nächsten 24 Monaten ist dies jedoch dringend notwendig.

Echte Fortschritte lassen sich an den aktuellen Wirtschaftsindikatoren allenfalls bei sehr wohlwollender Interpretation ablesen. Der Rückgang der Lohnstückkosten ist vor allem dem statistischen Effekt geschuldet, dass sich durch die Entlassung von gering qualifizierten Arbeitnehmern die Produktivität der übrig gebliebenen Beschäftigten erhöht.  Die schrumpfenden Leistungsbilanzdefizite beruhen hauptsächlich auf dem rezessionsbedingt starken Einbruch der Importe und dürfen nicht etwa als eine Folge der immer noch spärlichen Strukturreformen fehlinterpretiert werden.

Dr. Dirk Schmitt, CFA, Investment Analyst
Dr. Dirk Schmitt, CFA, Investment Analyst
Wir erwarten keine Trendwende bei den Staatsfinanzen. Selbst wenn Italien auch zukünftig einen Primärüberschuss erwirtschaften kann, dürfte seine Schuldenquote bis Ende 2014 kaum sinken, sondern auf einem Rekordwert knapp unter 130 Prozent des BIP verharren. Für Spanien sehen die Perspektiven düsterer aus; bereits in den nächsten 24 Monaten dürfte die Schwelle einer Verschuldung von 100 Prozent des BIP gerissen werden. Wenn der „Draghi-Put“ jedoch weiter funktioniert, könnte sich Spanien durchaus noch länger als erwartet ohne einen ESM-Hilfsantrag über Wasser halten, auch wenn sich die ökonomischen Fundamentaldaten nicht verbessern.

Generell sind längerfristige Prognosen über die Entwicklung in der Eurozone mit enormer Unsicherheit behaftet. Solange die EZB ihre Vollkaskopolitik zugunsten der Banken fortsetzt und die Zinsen weiter auf künstlich tiefem Niveau verankert, ist eine erneute Eskalation der Staatsschuldenkrise im Vorfeld der deutschen Bundestagswahlen eher unwahrscheinlich. Die Zukunft des Währungsraums ist damit aber noch längst nicht gesichert.


Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank (11.01.2013): 

„Die größte Aufgabe in Südeuropa besteht in der Wiederbelebung des Wachstums: Neue Unternehmen müssen angesiedelt werden, insbesondere muss Wettbewerbsfähigkeit bei der Produktion höherwertigerer Güter gesteigert werden. Neben der Verbesserung der genannten Wettbewerbsparameter und den Reformen an Arbeitsmärkten oder in Dienstleistungssektoren gehört zu einem Neustart aber auch die Sanierung des Finanzsystems. Ohne die Aussonderung von schlechten Krediten stehen keine Finanzmittel für neue Aktivitäten zur Verfügung und das Vertrauen in die wirtschaftliche Zukunft bleibt beschädigt. Insbesondere die Bereinigung von Bankbilanzen in den Krisenländern kommt zu langsam voran und drückt auf die Wachstumsaussichten. Die Herausforderungen für Spanien und Italien sind unterschiedlich. Zusammen mit dem Kreditmechanismus ESM hat die Europäische Zentralbank einen Schirm aufgespannt, unter dem die Länder an den Verbesserungen ihrer Strukturen arbeiten können. In beiden Ländern sind die Anstrengungen hoch und wir erwarten, dass sich dies fortsetzt."


Dr. Andreas Höfert, UBS Chef-Ökonom (15.01.2013):

"Zurzeit befinden sich sowohl Italien als auch Spanien in der Rezession. Allerdings ist die Situation längst nicht mehr so prekär, wie noch vor einigen Monaten, als die Eurokrise in ihrer akuten Phase war. Die Zinsen auf spanische und italienische Staatsanleihen sind unter anderem Dank der verbalen Interventionen von EZB-Präsident Mario Draghi von ihren Höchstständen im vergangenen Jahr signifikant zurückgekommen. Dies hat den jeweiligen Regierungen sicherlich ein wenig Luft verschafft. In beiden Ländern werden die Reformen und Sparmaßnahmen vorangetrieben, wenn auch in Italien wegen der anstehenden Parlamentswahlen diese zurzeit ein wenig im Hintergrund geraten sind.

Konjunkturell erwarten wir, dass sich die Situation in beiden Ländern allmählich verbessert und sie spätestens 2014 wieder mit positivem Wachstum rechnen können. Allerdings ist längst nicht alles rosig und ausgestanden. Die Höhe der Arbeitslosigkeit und insbesondere diejenige der Jungendarbeitslosigkeit (über 50% in Spanien) ist beängstigend. Zudem ist eine Überraschung bei den kommenden italienischen Wahlen, wenn auch eher unwahrscheinlich doch nicht ganz auszuschliessen. Ein Wahlsieg von Silvio Berlusconi hätte natürlich verheerende Konsequenzen auf die Eurokrise. Generell kann gesagt werden, dass die politische und soziale Lage in beiden Ländern wegen der anhaltenden schlechten Konjunktur und wegen der unter den Sparmaßnahmen und Reformen leidenden Bevölkerung weiterhin angespannt sein wird. Politik und soziale Spannungen sind deshalb auch die größte Hypothek auf der deutlich positiveren Sichtweise bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung beider Länder als noch vor einem Jahr."


Anton Brender
Anton Brender

Gerhard Winzer
Gerhard Winzer

Dieter Guffens
Dieter Guffens

"Die spanische und italienische Volkswirtschaften dürften in der ersten Jahreshälfte in 2013 die Konjunkturtalsohle durschreiten und ab dem zweiten Semester wieder eine positive Wachstumsdynamik zeigen. Das ist zumindest unsere Schlussfolgerung aus den jüngsten Daten des Produzentenvertrauens im verarbeitenden Gewerbe. Das befindet sich noch deutlich unter der neutralen Schwelle, jedoch mit Anzeichen der Stabilisierung und leichten Erholung.  
Gleichzeitig nehmen auch die Leistungsbilanzdefizite beider Länder schnell ab und werden wahrscheinlich in 2013 abgebaut sein. Diese Entwicklung ist einerseits die Folge der durchgeführten Strukturreformen und Bankenrefinanzierungen. Sie ist andererseits aber auch ein Indiz für die Schwäche der Binnennachfrage, verursacht durch Steuererhöhungen zur Haushaltskonsolidierung und durch die gestiegene Arbeitslosigkeit. In Italien ist die ansteigende Arbeitslosigkeit jedoch auch eine Folge der gestiegenen Erwerbsquote. Das weist wiederum darauf hin, dass die Arbeitsmarktreformen langsam aber sicher ihre Früchte tragen.
     
Für die Eurozone als Ganzes sind dies gute Nachrichten. Sie bedeuten spätestens ab 2014 ein breiteres Wirtschaftswachstum, einen weiteren Abbau der makroökonomischen Ungleichgewichte und auch der Target2-Saldi innerhalb der EZB, die momentan insbesondere für die deutsche Bundesbank ein enormes Ausfallrisiko darstellen. Umgekehrt ist auch die weitere Entwicklung der Eurozone, vor allem der deutschen Wirtschaft, wichtig für das italienische und spanische Wirtschaftswachstum. In Anbetracht der schwachen Binnennachfrage spielt ein gesundes Wachstum der potenziellen Ausfuhrmärkte eine umso wichtigere Rolle. Das im Grossen und Ganzen solide Wachstum in den USA und China bietet hierfür realistische Voraussetzungen."


Philippe Waechter
Philippe Waechter

"The question we must ask about these two countries is the following: what could be the catalysts that might boost economic activity? Will it come from inside or will it come from the global environment? In other words: do these countries have the capacity to manage their own story or will they have to wait until the global environment improves dramatically to get better?

Both countries have tried to meet two targets. The first to reach a balanced budget, the second to increase activity through structural reforms. Usually these targets are achievable in a strong environment, ie it is easy to have an austerity policy when growth numbers are high; it's easy to make structural reforms when jobs are numerous as you can easily reallocate resources.

Growth and lots of jobs was not however the background picture for these two economies. Reforms and tax hikes have provided a deep recession in both countries. The question is the following: Will they be able to regain momentum without external help? The answer is probably no in the short run, as the immediate consequences of these two policies impact negatively on activity and jobs. We do not believe that in a very uncertain environment with a downward trend on activity and high unemployment, Governments will be able to change the trend quickly with none or limited social costs.

The main problem for both Spain and Italy is that the global environment is not able to bring them on a higher growth trajectory. World trade momentum is not sufficiently strong to bring them on a higher growth profile. That's why they will have to ask for help. The first candidate will be the ECB and the ESM. They will have to use the OMT mechanism that has been put in place by the ECB with the help of the ESM. This will reduce interest rates and be a first step to improvement.

But they will still have to make structural reforms to find a way to improve their growth process. It will take time but we can expect that going forwar the global environment will improve. Recovery in China and in the USA will boost world trade momentum and this situation will clearly improve the European situation and Italy and Spain will take advantage of that after having done their reforms. But it will not be before 2014 or 2015."


Dr. Thomas Liebi
Dr. Thomas Liebi


"Die Lage in Südeuropa hat sich in den letzten Monaten spürbar beruhigt. Die Bereitschaft der EZB, alles zu tun, um den Euro zu retten, hat zu einer deutlichen Senkung der Renditeaufschläge in Spanien und Italien geführt. Gerade in Spanien sind aber auch klare Fortschritte in Richtung einer nachhaltigeren Entwicklung zu beobachten. Das Staatsdefizit liegt zwar immer noch bei hohen neun Prozent des Bruttoinlandsprodukts.  Dafür hat sich aber die Situation bei Haushalten und Unternehmen deutlich verbessert. Dies widerspiegelt sich auch in der spanischen Leistungsbilanz, welche erstmals seit 15 Jahren wieder positiv ist. Spanien ist also zunehmend weniger abhängig von einer Finanzierung durch das Ausland.

Noch ist die Krise nicht ausgestanden. Aber sollte sich die Lage weiter beruhigen, bilden die verbesserte finanzielle Position der Unternehmen und der Nachholbedarf bei den Investitionen eine gute Grundlage für künftiges Wachstum, welches letztlich auch der gesamten Eurozone zugutekommt."


Florian Roger
Florian Roger

"In Italy, severe financial tensions in late 2011 and the shock on demand from austerity measures have led companies to make drastic spending cuts. Improved financing conditions, largely thanks to the implementation of the OMT, should allow companies to normalize their spending. Furthermore, the austerity measures will be eased in 2013 and households’ purchasing power is expected to be under less pressure than in 2012. In this context, GDP growth should reach -0.7% in 2013 after -2% in 2012.

In Spain, we are anticipating an amplified shock on consumption (due to the VAT hike). Coupled with structural difficulties affecting the banking sector, it should lead companies to cut further their investments, and an improved foreign trade situation will only partially offset this reduction. We forecast a worsening of the recession (-1.8% in 2013, vs. -1.3% in 2012)."


Economics Forum: Investment Strategen und Ökonomen antworten

Auf monatlicher Basis stellt e-fundresearch.com eine aktuelle Frage mit Bezug zu volkswirtschaftlichen Zusammenhängen und Entwicklungen auf den Kapitalmärkten an eine Gruppe renommierter Ökonomen und Kapitalmarktstrategen. Die Antworten werden im ECONOMICS Channel dargestellt (seit Mai 2011).

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