Zweimal pro Woche - Kostenlos per E-Mail. Jeden Werktag neu - Kostenlos per E-Mail.

Der Newsletter ist selbstverständlich kostenlos und kann jederzeit abbestellt werden.

Überraschungen von der US-Konjunktur

"Ich war in der letzten Woche in den USA. Was ich dort sah, hat mein bisheriges Amerika-Bild etwas ins Wanken gebracht.", so Dr. Martin Hüfner, volkswirtschaftlicher Berater bei direktanlage.at mit seinen aktuellen Einschätzungen. Economics | 16.03.2013 10:13 Uhr
  • Die Stimmung in Amerika ist trotz aller politischen, vor allem fiskalpolitischen Belastungen erstaunlich optimistisch.
  • Der Aufschwung der privaten Nachfrage ist gut begründet.
  • Die gesamtwirtschaftliche Wachstumsrate bleibt vergleichsweise niedrig. Sie ist aber wenig indikativ für die Dynamik der Wirtschaft.
     
 "Bisher war ich davon ausgegangen, dass sich die Vereinigten Staaten in erheblichen Schwierigkeiten befinden.", so Dr. Hüfner weiter.
Das US-Wachstum ist niedrig (im vierten Quartal real gerade mal 0,1%). Die Arbeitslosigkeit ist hoch (zuletzt 7,7%, allerdings etwas niedriger als in den Vormonaten). Die Notenbank verharrt wegen der Arbeitslosigkeit auf einem ultralockeren Kurs. Es gibt Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen, weil sich Präsident und Kongress nicht einigen können.

Was ich dann aber im Land sah, stellte sich ganz anders da. Die Stimmung der Menschen, der Unternehmen und der Finanzmärkte hat sich seit meinem Besuch vor ein paar Monaten spürbar verbessert. Der ISM-Geschäftsklimaindex gibt das gut wider. Er ist seit November kontinuierlich um gut 4 Prozentpunkte gestiegen (siehe Graphik). Er befindet sich allerdings noch nicht auf sicherem Terrain. Die Fiskalklippe und die anschließende Erhöhung der „payroll-tax“ sind kein Thema. Die Einzelhandelsumsätze haben im Januar und Februar trotzdem zugenommen (0,2 bzw. 1,1%). Die automatischen Ausgabenkürzungen (Sequester) um immerhin 80 Mrd Dollar, die zu einer Verringerung der öffentlichen Dienstleistungen zum Beispiel an den Flughäfen führen soll, wird in den Zeitungen nur unter ferner liefen erwähnt. Das gleiche gilt für die bevorstehenden weiteren Ausgabeneinsparungen im Zuge der Verhandlungen über den Haushalt und die Schuldenobergrenze.

Es gibt eine klare Dichotomie zwischen einer gut laufenden Privatwirtschaft und einer restriktiven öffentlichen Wirtschaft. Das ist ganz anders als in Europa. In den USA läuft die Konjunktur. Der Staat nutzt das, um die Verschuldung zu verringern. Das ist an sich die Idealkonstellation. Die optisch niedrige Wachstumsrate ist allein das Resultat der niedrigeren Staatsausgaben. In Europa läuft die Kette genau anders herum. Die Verschuldung wird zurückgeführt (allerdings erheblich mehr als in den USA). Das dämpft das Wachstum.

Nun sollte man mit persönlichen Eindrücken vorsichtig sein. Sie können leicht täuschen. Es gibt aber auch handfeste Gründe für einen Aufschwung der Privatwirtschaft. Erstens ist Häuserkrise überwunden, die die Finanzkrise ausgelöst hatte. Die Häuserpreise gehen nicht mehr zurück, sondern steigen an (zuletzt plus 6% gegen Vorjahr). Hier wirken sich der demographisch bedingte Bevölkerungszuwachs sowie der Einbruch der Bautätigkeit unmittelbar nach der Krise aus, der jetzt aufgeholt werden muss. Die Banken sind wieder bereit, Hypothekendarlehen zu geben.

Zweitens hat sich die Produktivität der amerikanischen Industrie deutlich erhöht. Die Unternehmen haben massive Restrukturierungen durchgeführt. Sie sind wieder innovativer und wettbewerbsfähiger. Siehe General Motors, das noch vor ein paar Jahren vom Staat gerettet werden musste und jetzt wieder vor Kraft strotzt. Selbst auf den Weltmärkten spielen amerikanische Firmen wieder eine Rolle, obwohl sich der Dollar befestigt hat. Die Produktivitätssteigerung ist letztlich das Spiegelbild des Anstiegs der Arbeitslosigkeit nach der Krise. Die Banken stehen wegen der Rekapitalisierung wieder besser da und können stärker Kredit geben.

Drittens hat sich die Verschuldung der privaten Haushalte verringert. Sie ist in einem schmerzhaften Anpassungsprozess von 130 auf 110% des verfügbaren Einkommens zurückgegangen. Zusammen mit den niedrigeren Zinsen (und den höheren Aktienkursen) hat sich dadurch die Einkommens- und Vermögenssituation der Verbraucher verbessert. Das erklärt den Schub beim privaten Verbrauch trotz der Steuererhöhungen. Freilich bedeutet das auch, dass die Verschuldung der Haushalte nicht nur nicht mehr zurückgeht, sondern wieder ansteigt. Das ist kein gutes Zeichen, denn die Verschuldung der US-Konsumenten ist noch lange nicht zu niedrig.

Insgesamt sehe ich die weitere Entwicklung der US-Wirtschaft inzwischen positiver als bisher. Die gesamtwirtschaftliche Wachstumsrate wird in diesem Jahr wegen der fiskalpolitischen Sparmaßnahmen zwar noch relativ gering sein (rund 2%). Die private Nachfrage ist jedoch lebhaft. Sie wird in Zukunft durch die niedrigeren Öl- und Gaspreise im Zusammenhang mit dem Fracking noch weiter steigen. Die Dichotomie zwischen privater Nachfrage und staatlichen Sparmaßnamen wird jedoch bleiben, weil die staatliche Verschuldung immer noch zu hoch ist (wesentlich höher als in Europa) und reduziert werden muss.

Unmittelbar nach der Finanzkrise 2008 hatten die beiden amerikanischen Ökonomen Kenneth Rogoff und Carmen Reinhart nach einer Untersuchung ähnlicher Situationen in der Vergangenheit vorhergesagt, dass die Erholung länger als in normalen Zyklen auf sich warten lassen würde. Sie gingen davon aus, dass das Wachstum wegen der strukturellen Verwerfungen mindestens vier Jahre gering sein könnte. Jetzt sind die vier Jahre vorbei.

Für den Anleger: Die USA sind dabei, die Welt wieder einmal positiv zu überraschen. Das wird die Aktien noch weiter nach oben treiben, (selbst wenn es immer mal wieder Rückschläge gibt). Ein Ende der ultralockeren Geldpolitik muss noch nicht so schnell befürchtet werden. Der US-Dollar könnte sich unter diesen Umständen auch dann aufwerten, wenn sich die Eurokrise weiter bessert. Der Anleger in den USA würde dann auch noch vom Wechselkurs profitieren.

 

Der Artikel wird nach der Anzeige fortgesetzt.

Dr. Martin Hüfner
Volkswirtschaftlicher Berater
direktanlage.at


Gastkommentare werden von anerkannten Experten verfasst, deren Meinungen nicht mit jener der e-fundresearch.com Redaktion übereinstimmen müssen.


 

Performanceergebnisse der Vergangenheit lassen keine Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Investmentfonds oder Wertpapiers zu. Wert und Rendite einer Anlage in Fonds oder Wertpapieren können steigen oder fallen. Anleger können gegebenenfalls nur weniger als das investierte Kapital ausgezahlt bekommen. Auch Währungsschwankungen können das Investment beeinflussen. Beachten Sie die Vorschriften für Werbung und Angebot von Anteilen im InvFG 2011 §128 ff. Die Informationen auf www.e-fundresearch.com repräsentieren keine Empfehlungen für den Kauf, Verkauf oder das Halten von Wertpapieren, Fonds oder sonstigen Vermögensgegenständen. Die Informationen des Internetauftritts der e-fundresearch.com AG wurden sorgfältig erstellt. Dennoch kann es zu unbeabsichtigt fehlerhaften Darstellungen kommen. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen kann daher nicht übernommen werden. Gleiches gilt auch für alle anderen Websites, auf die mittels Hyperlink verwiesen wird. Die e-fundresearch.com AG lehnt jegliche Haftung für unmittelbare, konkrete oder sonstige Schäden ab, die im Zusammenhang mit den angebotenen oder sonstigen verfügbaren Informationen entstehen.

Melden Sie sich für den kostenlosen Newsletter an

Regelmäßige Updates über die wichtigsten Markt- und Branchenentwicklungen mit starkem Fokus auf die Fondsbranche der DACH-Region.

Der Newsletter ist selbstverständlich kostenlos und kann jederzeit abbestellt werden.

Für diesen Suchebgriff konnten wir leider keine Ergebnisse finden!
Fonds auf e-fundresearch.com

Weitere Informationen zu diesem Fonds Kennzahlen per 31.01.2021 / © Morningstar Direct
Bereiche auf e-fundresearch.com
NewsCenter auf e-fundresearch.com
Kontakte auf e-fundresearch.com

{{ contact.email }}

{{ contact.phonenumber }}

{{ contact.secondary_phonenumber }}

{{ contact.address }}

Weitere Informationen im {{ contact.newscenter.title }} Newscenter
Artikel auf e-fundresearch.com