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Turbulente Zeiten für Schwellenländer

Emerging Markets: Wo drückt der Schuh? "Seit der Finanzkrise war die außerordentlich lockere Geldpolitik der Industrieländer treibender Faktor hinter den Kapitalflüssen in die Schwellenländer. Dabei wurden manche Länder vom monetären Tsunami regelrecht überrollt. Die Kehrseite ist, dass sich dieses Kapital so rasch verflüchtigen kann, wie es zugeflossen ist", so Johannes Oehri, Financial Economist (LGT Capital Management) in einem aktuellen Marktkommentar. Economics | 10.02.2014 02:00 Uhr
Johannes Oehri, Financial Economist, LGT Capital Management
Johannes Oehri, Financial Economist, LGT Capital Management
Kein guter Start ins neue Jahr
2013 war kein gutes Jahr für Schwellenländer-Anlagen. Während die «aufstrebenden Aktienmärkte» ihren grossen Geschwistern aus den entwickelten Ländern bereits seit Jahresbeginn nachhinkten, kamen mit der Ankündigung der US-Fed, sie werde den Fuss zwar langsam aber doch kontinuierlich vom geldpolitischen Gaspedal nehmen, auch die anderen EM-Anlagen zunehmend unter Druck. Dieser verstärkte sich im neuen Jahr noch einmal, nachdem eine Reihe negativer Nachrichten aus verschiedenen Schwellenländern zusammenkam (hohe politische Unsicherheit in der Ukraine, Korruptionsskandal in der Türkei, Abwertung des Argentinischen Peso und enttäuschende Wirtschaftsdaten in China). Besonders gelitten haben die Währungen der Länder mit Leistungsbilanzdefizit, zu denen neben der Türkei, Südafrika, Brasilien und Indien jüngst auch die unter schwachen Commodity-Preisen leidenden Rohstoffexporteure wie Indonesien, Chile oder Kolumbien gehören.
 
Wo drückt der Schuh?
Seit der Finanzkrise war die ausserordentlich lockere Geldpolitik der Industrieländer treibender Faktor hinter den Kapitalflüssen in die Schwellenländer. Dabei wurden manche Länder vom monetären Tsunami regelrecht überrollt. Die Kehrseite ist, dass sich dieses Kapital so rasch verflüchtigen kann, wie es zugeflossen ist. So hat nun die Aussicht auf geldpolitische Schubumkehr bei der US-Fed das Vorzeichen der Kapitalflüsse umkehren lassen. Aber nicht nur deswegen haben Anleger in den vergangenen Wochen im Rekordtempo Kapital abgezogen – auch hat die Angst vor einer breiten Krise in den Schwellenländern zu einer weiteren Eintrübung der bereits negativen Marktstimmung geführt. Mit ein Grund hierfür war auch die Sorge um Turbulenzen am chinesischen Banken- und Kapitalmarkt, wo ein grosses, geldmarktähnliches Anlageprodukt auszufallen drohte.
 
Unter der negativen Marktstimmung leiden nicht nur die Währungen und Anlagepreise, sondern auch die Realwirtschaft mancher Länder. Denn erstens erhöhen die schwachen Währungen via teurere Importpreise (insbesondere für Energie) den Inflationsdruck. Zur Stärkung ihrer Glaubwürdigkeit und zur Stützung ihrer Währungen mussten einige Zentralbanken daher reagieren und ihre Zinsen erhöhen – allen voran die Türkische Zentralbank, die ihr seit 2010 andauerndes geldpolitisches Experiment beendet, ihre Zinspolitik stark vereinfacht und die Leitzinsen deutlich angezogen hat. Mit den Kapitalabflüssen und den steigenden lokalen Zinsen verteuern sich zweitens auch die Finanzierungskosten, worunter die lokale Wirtschaft leidet.
 
Keine globale Emerging Markets Krise
Auch wenn die Korrelationen zwischen den Anlagen verschiedener Schwellenländer in den letzten Wochen deutlich angestiegen sind, sehen wir derzeit keine globale «Emerging Markets Krise» im Stile der Asienkrise, wie sie vielerorts ausgerufen wird. Zwar neigen sich die Zeiten der globalen Geldschwemme langsam dem Ende zu. Die meisten Schwellenländer sind aber weniger anfällig als etwa 1997: Sie haben flexible Wechselkurse, haben höhere Währungsreserven und eine tiefere Staatsverschuldung, die ihrerseits vermehrt in Lokalwährung denominiert ist. Damit verfügen sie heute insgesamt über höhere geld- und fiskalpolitische Flexibilität zur Stützung ihrer Wirtschaft. Die Fundamentaldaten sprechen damit nicht für eine flächendeckende Kapitalflucht aus den Schwellenländern. Trotzdem könnte der Druck auf die EM-Währungen insgesamt noch weiter zunehmen: dann nämlich, wenn die Angst vor einer EM-Krise zunimmt und via weitere Abverkäufe durch internationale Investoren zur selbsterfüllenden Prophezeiung wird. Anleger sollten daher weiterhin vorsichtig bleiben.
 
Vorerst ist weiterhin Zurückhaltung angesagt
Bewertungstechnisch sind Schwellenländer-Aktien zwar günstig – sowohl absolut als auch besonders relativ zu den entwickelten Märkten, und auch die meisten Währungen befinden sich wieder im fairen bis gar günstigen Bereich. Doch sind die Abschläge noch zu gering, als dass allein auf deren Basis Zukäufe gerechtfertigt wären. Breite Preiskorrekturen können allenfalls selektiv in jenen Ländern mit soliden Fundamentaldaten und positiven Aussichten für Zukäufe genutzt werden (siehe PDF Seite 2).
 
Nicht alle Schwellenländer über einen Leisten schlagen
Viel zu oft werden von Anlegern sämtliche Schwellenländer in einen einzigen Topf geworfen. Dabei sind die Herausforderungen der verschiedenen Schwellenländer grundverschieden:
 
  • Die BRIC-Staaten kämpfen mit einer strukturellen Wachstumsverlangsamung, der sie nur mit Strukturreformen beikommen können. Die weitere Entwicklung ihrer Realwirtschaft wird stark davon abhängig sein, inwieweit sie fähig und willig sind, die nötigen Reformen in Angriff zu nehmen und umzusetzen. China hat mit dem neuen Fünfjahresplan bereits eine Skizze für künftige Reformen vorgelegt. In Brasilien wie auch in Indien hingegen stehen dieses Jahr Wahlen an, was die Bereitschaft zur Implementierung von notwendigen Strukturreformen temporär bremsen könnte.
     
  • Manche Länder haben die vergangenen Jahre sehr stark von Kapitalzuflüssen profitiert und damit einen lokalen Kredit- bzw. Wirtschaftsboom finanziert. Sie haben gewissermassen über ihre Verhältnisse gelebt und sind nun besonders anfällig auf eine tendenziell restriktivere US-Geldpolitik. Dazu gehören besonders die Türkei und Südafrika, aber auch Indonesien, Thailand sowie die südamerikanischen Rohstoffexporteure Chile und Peru. Nicht gänzlich gerechtfertigt ist, dass auch Brasilien oft in diese Gruppe («fragile 5») gezählt wird, denn sie trumpfen mit hohen Währungsreserven und einem positiven Nettoauslandvermögen auf (siehe hierzu die Grafik PDF Seite 2).
     
  • Mitten in einer schweren Zahlungsbilanzkrise stecken die südamerikanischen Staaten Venezuela und Argentinien, die ihre Währungen unlängst deutlich abwerten mussten. In beiden Märkten ist die politische Unsicherheit sehr hoch und Rechtssicherheit nicht gewährleistet. Es droht weiteres Ungemach, weshalb für Anleger hier äusserste Vorsicht geboten ist.
     
  • Es gibt aber auch Länder, die deutlich weniger anfällig sind und vom soliden globalen Wachstum profitieren. Hierzu zählen unter anderen die über eine starke produzierende Industrie verfügenden Staaten Korea und Taiwan, aber auch Mexiko und Polen, die vom starken Wachstum der USA bzw. der anhaltenden Erholung in der Eurozone profitieren. Hier könnten Preiskorrekturen bei den Aktienmärkten wie auch bei den Währungen attraktive Einstiegspunkte liefern.
     
  • Während die Schwellenländer insgesamt Rohstoffexporteure sind und damit unter schwachen Rohstoffexportpreisen leiden, gibt es sehr grosse Unterschiede innerhalb der Gruppe der Schwellenländer. Den Nettoexporteuren Russland, Indonesien, Brasilien und Südafrika etwa stehen die Importeure Indien, China, Türkei und Korea entgegen. Je nach Entwicklung der Rohstoffmärkte kann der Einfluss auf die einzelnen Länder somit sehr unterschiedlich sein.
 

Johannes OehriFinancial EconomistLGT Capital Management


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