Aktuelle Frage im Economics Forum:
„Die Eurozone stabilisiert sich. Wie ist Ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum 2014 und 2015 in der Eurozone? Erwarten Sie Maßnahmen zum Schuldenabbau im öffentlichen und privaten Sektor und welche Auswirkungen könnte dies auf die wirtschaftliche Erholung haben?“
Current question in the Economics Forum:
“The Eurozone is stabilizing. What is your expectation for economic growth in the Eurozone in 2014 and 2015? Do you expect deleveraging measures in the public and private sector and which consequences could this have on the economic recovery?“
Uli Krämer, Leiter Portfoliomanagement, Kepler-Fonds KAG (11.03.2014):
Dr. Andreas Höfert, UBS-Chefökonom (12.03.2014):
Die Sanierung der öffentlichen Haushalte wird sich in der europäischen Peripherie, wenn auch nicht im gleichen Ausmass wie in den vergangenen Jahren weiter fortsetzen, so dass 2015 fast alle Länder der Eurozone (mit den erwähnenswerten Ausnahmen von Frankreich und Spanien) ihre öffentliche Defizite wieder unter 3% des Bruttoinlandprodukt haben dürften. Diese Haushaltssanierung erklärt auch, warum wir eher zurückhaltend bei der Wachstumsprognose bleiben.
Das größte Risiko in unserem Ausblick ist die Möglichkeit, dass die in der europäischen Peripherie beobachteten deflationären Tendenzen sich weiter verschärfen und ausbreiten. Sollte dies der Fall sein, so müssten wir unsere Wachstumsprognose wieder nach unten revidieren und das Umfeld wäre auch deutlich schwieriger für die Regierungen, ihre Finanzen in Griff zu bekommen."
Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt, DekaBank (13.03.2014):
Kurt Schappelwein, Leiter Multi Asset Strategien, Raiffeisen Capital Management (17.03.2014):
Tobias Schafföner, Research Analyst, und Philipp Vorndran, Kapitalmarktstratege, Flossbach von Storch AG (17.03.2014)
Allerdings gibt es auch viele Belastungsfaktoren. Besonders kritisch sehen wir, dass die Volumina der leistungsgestörten Kredite insbesondere in Spanien (190 Mrd. Euro) und Italien (160 Mrd. Euro) auf Rekordständen sind. Dies wird ein Anspringen der Kreditvergabe der Banken auf längere Zeit verhindern; ein Schuldenabbau bei privaten Haushalten und Unternehmen ist in den betroffenen Ländern also zwangsläufig und wirkt wachstumsdämpfend. Die fragmentierte Refinanzierungssituation verstärkt die ungleichmäßige Wirtschaftsentwicklung in der Eurozone: Deutschland, das für 30% der Wirtschaftsleistung der Eurozone steht, dürfte die Hälfte des Wirtschaftswachstums beisteuern.
Uwe Burkert, Chefsvolkswirt, Landesbank Baden-Württemberg (17.03.2014):
"Im Euroraum dürfte sich in 2014 - analog zu Deutschland - das BIP-Wachstum zunächst beschleunigen (auf 1,0 %). Und auch 2015 – das ist der Unterschied zu Deutschland in isolierter Betrachtung – dürfte das Wachstum etwas zulegen (auf dann 1,2 %). Der Grund ist, dass in diesem Zeitraum die Reformen in den Peripherieländern ihre Wirkung stärker entfalten. Zudem dürften die hohen Outputlücken in den Peripherieländern zu einem beschleunigten Aufholprozess in diesen Staaten führen. Allerdings geht das nur bedingt einher mit der Möglichkeit, Schulden abzubauen. Die Defizite gehen zwar leicht zurück, nur müssen u.E. dauerhaft hohe Primärüberschüsse erwirtschaftet werden. Daran und an der daraus resultierenden verbesserten Schuldentragfähigkeit wird der Erfolg der Reformbemühungen in den Ländern gemessen werden."
"Euro GDP growth should be around 1% in 2014 and slightly above 1.5% next year. One of the main reason for this moderate pick-up in activity is that the brutal fiscal tightening that choked activity since end-2011 is now behind us. There is still some fiscal tightening to come, but, on average at least, at a pace that from now on is more moderate. The private sector deleveraging has also been weighing on past growth but, here too, with the notable exception of the Dutch household sector, an important part of the adjustment has been made. With the slightly more favorable external environment we expect activity should, from now on, slowly expand, but with hardly any domestic support. Roughly half of the – modest – growth we expect for this year and next will be explained by net foreign trade!"
"Wir gehen davon aus, dass die wirtschaftliche Erholung in der Eurozone weitergehen wird und erwarten ein Wachstum von rund 1% in diesem und 1.5% im nächsten Jahr. Die sich langsam aufhellende Stimmung von Unternehmen und Konsumenten wird sich in steigenden Investitions- und Konsumausgaben widerspiegeln. Der Trend zum Schuldenabbau im privaten Sektor wird vor allem in der Europeripherie anhalten. Der Abbau der Staatsschulden bleibt eine grosse Herausforderung – nicht nur in der Europeripherie. Aufgrund der verbesserten Situation bei der Neuverschuldung, höheren Steuereinnahmen und einer langsam sinkenden Arbeitslosigkeit dürfte aber der fiskalische Gegenwind etwas abnehmen, was sich positiv auf das Wirtschaftswachstum auswirken wird."
"The recovery within the eurozone (EZ) has strengthened over the past few months but remains fragile and uneven. It is not a V-shaped rebound. We only expect growth to return to potential: it will not suffice to stabilise unemployment and to dampen deflationary pressure in 2014.
The EZ remains in uncharted territory, with still large economic and financial fragmentations. The bank credit channel is still impaired, especially for SMEs in peripheral countries. And the euro is too strong.
The good news is that – for the whole EZ - the recovery is more driven by domestic than by external demand. But the deleveraging of the private and public sectors has hardly started and will cap GDP growth. All in all, we believe that the ECB will maintain its key rates close to zero for a protracted period."
Willem Verhagen, Volkswirt bei ING Investment Management International (17.03.2014):
Nevertheless, for now underlying economic momentum clearly continues to improve."
Weitere beliebte Meldungen: