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Die Rückkehr des US-Konsumenten

Janet Yellen verlässt sich auf altbewährte Konsumfreude – zu Recht? Antworten und Anregungen im aktuellen Gastbeitrag von Mag. Markus Schuller, MBA, MScFE, Panthera Solutions. Economics | 17.03.2014 02:00 Uhr
Am Dienstag letzter Woche bot sich mir die Möglichkeit eines Privatissimums mit David Rosenberg (Gluskin Sheff), einem der arriviertesten Wall-Street Ökonomen. In den zwei Stunden intensiver Debatte ging es hauptsächlich um den Zustand des US Konsumenten. Dieser macht den Unterschied, ob die Fed ihre sanft eingeleitete Kehrtwende fortsetzen und dabei auf eine Ablöse durch realwirtschaftliche Kräfte bauen kann. Über David Rosenberg wird in diesen Tagen oftmals berichtet, weil er sich Ende 2013 von seinem jahrelangen Image als Perma-Bär löste und nun die makro-ökonomische Großwetterlage der Weltwirtschaft – jener der USA im Speziellen - optimistisch einschätzt. Er begründet diese Wandlung mit der Genesung des US Konsumenten.

Sehen wir uns in diesem PSC deshalb die Konstitution des US Konsumenten an. David unterstreicht dessen Wichtigkeit mit folgenden Zahlen. 15% des Welt-GDP werden vom US Konsumenten getragen. Das Wachstum des Euroraums weist eine Korrelation von 0.84 mit US PCE growth aus. 

Sein Narrativ zusammengefasst: der US Konsument schloss sein Deleveraging ab und kann nun wieder als der zentrale Treiber des US Wachstums fungieren. 

Eines steht durchaus fest: die Haushalte entschuldeten sich binnen fünf Jahren auf ein deutlich tragfähigeres Niveau – ein erstaunliches Tempo.

Erreicht wurde ein Absinken der Haushaltsverschuldung im Vergleich zum BIP von 98% (2009) auf knapp über 80 % (2013). Immer noch über historischem Durchschnitt, aber administrierbarer. Dank der niedrigen Zinslandschaft und dem Rückführen von Krediten, sank der Anteil am Haushaltseinkommen, das für den Schuldendienst aufgewandt wird, von über 13% auf unter 10%. Auch fiel die Rate an Konsumentenkrediten mit Zahlungsverzug von nahe 5% auf unter 2.5%. Gut für den Konsumenten, gut für die Banken. Zudem hilft dem Konsumenten der seit Mitte 2012 einsetzende Anstieg der Häuserpreise. Damit einher geht eine kontinuierliche Reduktion von Wohnimmobilien mit „negative equity“, also einer Situation in der der Marktpreis einer Immobilie kleiner der Kreditsumme notiert. 

Laut einer aktuellen Schätzung des CBO, lässt der Druck auf den Konsumenten seitens der Austeritätsprogramme der öffentlichen Hand mit 2014 deutlich nach. Ein weiterer Kaufkraft-stimulierender Impuls. Als letztes Argument führt er ins Feld, dass die Jobaussichten in den USA sehr gut wären. Der Manpower Employment Outlook notiert auf einem 5-Jahres-Hoch, die stets wachsende Zahl an Mitarbeiter-suchenden KMUs und der kontinuierliche Anstieg an selbst-kündigenden Mitarbeiter dienen Rosenberg als weitere Begründung. 

Zwischenfazit

Die Annahme eines kurzfristigen Rebounds des US Konsumenten ist gut abgesichert. Während des Privatissimums beschäftigte mich die Frage, wie dauerhaft dieses Wiedererstarken ist. Denn die Basisannahme der Fed, um ihren Rückzug zu rechtfertigen, beruht auf einer Substitution der eigenen Impulse durch realwirtschaftliche Kräfte mit einem Fokus auf die Binnennachfrage.

Was spricht gegen einen nachhaltigen Turnaround des US Konsumenten?

Meine Zweifel lassen sich in drei Bereiche aufteilen:

  • Struktur des Arbeitsmarktes
  • Inequality
  • Automatisierung

#1 Struktur des Arbeitsmarktes

Oftmals wird der rasche Rückgang der Arbeitslosenrate als stark positives Signal interpretiert. Doch je mehr wir uns der von Ben Bernanke ausgegebenen Zielmarke von 6,5% nähern, ab der er ein Ende des (wirkungslosen) QE3 und der niedrigen Zinsen in Aussicht stellte, desto weniger Wert legt die Fed auf diese Kennzahl. Mit den Worten von Janet Yellen während ihrer Anhörung am Capitol Hill formuliert:  „We shouldn't focus only on the unemployment rate.“ 

Stattdessen rät sie, Langzeitarbeitslose als Ausgangspunkt zu verwenden. Gesagt, getan. Sehen wir uns den Verlauf der U6 Rate an. Sie umfasst alle Arbeitslosen + Teilzeit obwohl Vollzeit gewollt + Marginally Attached Workers. Diese letzte Gruppe sehen wir uns genauer an. Sie beschreibt jene, die derzeit nicht Teil des Pools an Erwerbstätigen sind, Vollzeit arbeiten wollen und sich innerhalb der letzten 12 Monate aktiv um einen Job bewarben. Sie fallen aber aus der Arbeitslosenstatistik heraus, weil sie dies nicht in den letzten 4 Wochen taten. Absurde definition? Indeed. Man kann es auch kosmetische Pflege der Arbeitslosenstatistik nennen. Wie gezeigt, toppte U6 im Jahr 2010 bei fast 17.5%. Derzeit nähern wir uns der 12.5% Marke. Ein für die USA immer noch hoher Wert, historisch betrachtet. Zusammengefasst, die Zahl an Unbeschäftigten, Unterbeschäftigten und Entmutigten ist problematisch hoch. 

Zudem setzt sich, anders als in vorangegangenen Rezessionen, eine relativ hohe Langzeitarbeits-losigkeit fest. Ein Drittel der Arbeits-losen ist also 27 Wochen oder länger ohne Beschäftigung. Republikaner im Senat tragen ihr Übriges dazu bei, Langzeitarbeitslose zu entmutigen. Sie lehnten seit Anfang Jänner bereits 3x eine Verlängerung der „Jobless Aid Bill“ ab, mittels jener 1.7 Millionen Langzeitarbeitslosen statt nur 26 Wochen eine Arbeitslosenunter-stützung von bis zu 47 Wochen ermöglicht werden würde. Nächstenliebe at work. 

Ein weiterer struktureller Negativ-Faktor am US Arbeitsmarkt stellt die weiter sinkende Civilian Labor Force Participation Rate dar – also die Zahl an Menschen im arbeitsfähigen Alter zwischen 16-64 Jahren, die tatsächlich arbeiten oder aktiv nach Arbeit suchen. Diese fiel seit Ausbruch der Great Recession um ganze 3% auf 63%, blieb also von der sinkenden Arbeitslosenrate unbeeindruckt. Für Janet Yellen und einem Consensus an Ökonomen ist die Begründung in der steigenden Zahl an Entmutigten zu finden. 

Ein letzter Aspekt der strukturellen Schwäche: Die Great Recession ließ die Zahl an Teilzeit-Erwerbstätigen signifikant steigen. Diese blieb weitgehend unberührt von der sinkenden Arbeitslosenrate. Gerne wird bei dieser Statistik auf die Nebenwirkungen des Affordable Care Act (aka Obamacare) verwiesen, bei dem der Arbeitgeber ab einer Anstellungshöhe von 30 Wochenstunden oder mehr, für die Krankenversicherung sorgen muss (30+ Stunden werden unter ACA als Vollzeit gewertet). Dadurch wäre der Arbeitgeber dazu verleitet, Menschen nur noch als Teilzeitkräfte anzustellen. Problem bei dieser Interpretation: der Teilzeit-Anstieg geschah zirka 3 Jahre vor Inkrafttreten des ACA. 

#2 Inequality

Treue PSC-Leser kennen meine besorgte Position zur sich weiter öffnenden Arm-Reich Schere, nicht nur in den USA. Ich wies auf die negativen öko-nomischen Implikationen in den PSCs #12/13; #18/10 und #12/11 hin. Deshalb hier nur ein kurzes Update mit dem Fokus auf die Kaufkraft des US Konsumenten.  

In seiner State-of-the-Union Rede Ende Jänner verdeutlichte Präsident Obama seine Kehrtwende beim Thema Inequality und rief für 2014 das „year of action“ aus.  Er begann damit, dass er per Dekret für externe Leistungserbringer von öffentlichen Institutionen einen Mindestlohn von USD 10,10 (bisher USD 7,25) einführte. Auch ermöglicht er via dem neu eingeführten „MyRA“ Pensionskonto jedem einzelnen eine staatlich abgesicherte Ansparform als Pensionsvorsorge, um die lückenhaft verbreitete 401(k)-Variante auszugleichen. Auch lobbyiert er in Washington für eine generelle Anhebung des Mindestlohns auf USD 10,10. Der letztwöchige CBO-Report zum Thema erläutert die positiven Effekte dieser Maßnahme punkto Armutsbe-kämpfung und Kaufkraftstärkung, weist aber auch auf den möglichen Verlust von 500.000+ Stellen nach Einführung hin. 

In short, weshalb nimmt sich der US Präsident dem Inequality-Thema an?

Der US Konsum lebte von einer stabilen Mittelschicht, die für Binnennachfrage sorgte.

Doch diese Mittelschicht bröckelt. Die Top 1% der Vorsteuer-Einkommensbezieher profitierten seit Anfang der 1980er von Deregulierung und Globalisierung überproportional. Nun könnte man dies durch ein Steuersystem ausgleichen. Doch greift das US Steuersystem vergleichsweise moderat in die ungleiche Einkommensverteilung ein. Das ernüchternde Ergebnis: alle, die nicht zum Top Quintile (Top 20%) gehören, verlieren an Boden. QED, die Mittelschicht bröckelt. 

Zu pessimistisch? Seit Ende der 1990er Jahre fällt das reale Median-Haushaltseinkommen, d.h. die Kaufkraft von zumindest der Hälfte aller Haushalte nimmt kontinuierlich ab. Im Jänner veröffentlichte das Pew Research Center eine Umfrage, in der sie die Zugehörigkeit zu upper, middle und lower class abfragte. Selbst Ende 2008 fühlten sich noch 53% der Mittelschicht zugehörig. Binnen 5 Jahren fiel dieser Wert auf 44%. 40% sehen sich als Teil der lower class. 

Ist der Konsument denn nicht ausreichend entschuldet, um zumindest kurzfristig wieder kredit-basiertes Wachstum stimulieren zu können? Tatsächlich nehmen Konsumentenkredite seit Anfang 2011 wieder zu. Doch dafür zeichnet sich eine Konsumentengruppe verantwortlich, von deren Zukunft das Wohl einer Gesellschaft stark abhängt: StudentInnen. 

Reduziert man das derzeitige Konsumentenkreditvolumen um StudentInnen, erreicht dieses noch nichtmals Vorkrisenniveau. Während die Delinquency Rates insgesamt rückläufig sind, steigen sie bei Studentenkrediten seit 2011 sprunghaft an. Sollte man also meinen,  zumindest mit StudentInnen verschafft sich eine Volkswirtschaft Nachschub für die Mittelschicht, so startet diese in den USA mit einem immer schwerer werdenden Schulden-Rucksack aus Studientagen. 

# 3 Automatisierung

Mit jedem weiteren Monat erhöht sich der Automatisierungsgrad der US Wirtschaft. Im Jahr 2013 wurden pro Monat lediglich rund 7000 neue Jobs im produzierenden Gewerbe geschaffen, obwohl es ein starkes Jahr für Produktionsbetriebe war. Die Differenz erklärt sich durch den zunehmenden Einsatz von Robotern. Ein gefährliches Paradoxon: je mehr davon eingesetzt werden, desto besser für die Volkswirtschaft (durch Produktivitätsanstieg), aber umso schlechter für die Mittelschicht. Eine Studie der Oxford Universität aus dem Jahr 2013 warnt davor, dass binnen 20 Jahren 47% aller US Jobs von Maschinen abgelöst werden könnten. 47% (!). War bisher stets die Rede von gefährdeten Jobs in der Produktion, also überwiegend von repetitiven Tätigkeiten, sind nun auch zunehmend Service & White Collar Jobs unter Druck. „Big Data“ und einer stets steigenden Verarbeitungskapazität von Computern sei Dank.

Bereits im Jahr 2003 beschrieb Prof. Alan Manning (London School of Economics) in seinem Paper “Lousy and Lovely Jobs: The Rising Polarization of Work in Britain,” ein Phänomen, dass wir im Jahr 2014 als empirisch validiert betrachten dürfen. Er prägte den Begriff „Job Polarisation“. Dieser bedeutet, dass Anstellungen im höchsten und niedrigsten Einkommenssegment zunehmen, während Mittelschicht Jobs abhanden kommen. In den USA sehen wir seit 2009 exakt jene Job Polarisation. Laut einer Untersuchung des National Employment Law Projects (NELP) betrafen 22% der Kündigungen während der Great Recession Low-Wage-Jobs (bis USD 13,83). Nun zeichnen sich eben diese für 58% der Recovery Jobs verantwortlich. Bei Middle-Income-Jobs verhält es sich genau umgekehrt.  

Die „Labour Share“ Aufstellung zeigt wohin das führt. Die Kompensation für geleistete Arbeit im Vergleich zum BIP ist seit gut 30 Jahre rückläufig. Nicht nur in den USA, wohl-gemerkt. 

Fazit

Kurzfristig zeigt sich der US Konsument konsolidiert und bereit, seine traditionelle Rolle als Stütze der US Wirtschaft wieder ausüben zu können.

Doch sollte dieser PSC geklärt haben, dass die drei genannten Einflussfaktoren (Struktur des Arbeitsmarktes, Inequality und Automatisierung) gegen einen dauerhaften Turnaround des US Konsumenten sprechen. 

Mag. Markus Schuller, MBA, MScFE
Managing Director

Panthera Solutions


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