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Unternehmensgewinne am richtigen Weg

Die gerade eröffnete Berichtssaison dürfte einmal mehr bestätigen, dass die Ertragskraft der Unternehmen aus den entwickelten Volkswirtschaften unter dem Strich nach wie vor unterschätzt werden. Zugleich signalisieren die jüngsten Frühindikatoren weiter eine gute Konjunkturentwicklung in praktisch allen klassischen Industrieländern. Diese Entwicklungen relativieren die Aktienbewertungen und schaffen Spielraum für weitere Kursgewinne an den Börsen. Economics | 09.04.2014 17:04 Uhr
Die vergangene Berichtssaison ist nach anfänglichem Stottern doch noch einmal gut gelaufen. In den USA war das Wachstum des Gewinns pro Aktie (EPS) mit knapp 9% im Jahresvergleich gut doppelt so hoch wie vom Konsens erwartet und genügend breit auf die verschiedenen Sektoren verteilt. Neben den Banken konnten auch die verarbeitende Industrie und der Grundstoffsektor die Prognosen deutlich übertreffen, was grundsätzlich ein erfreuliches konjunkturelles Signal darstellt.

Globales Gewinnwachstum im Rahmen der Erwartungen

Das globale EPS-Wachstum (Bloomberg World-Index) sah im vierten Quartal 2013 mit 64% gegenüber Vorjahr auf den ersten Blick sehr hoch aus, entsprach aber weitgehend dem Konsens. Das konkrete Ergebnis ging in hohem Masse auf ausserordentliche Gewinnsprünge in Japans Autobranche sowie auf zwei Einzelerfolge zurück (Tesla in den USA und BYD in China). Eine Aufteilung nach Regionen ergibt zudem, dass die entwickelten Märkte auf breiter Basis überzeugten (EPS +35% ggü. Vj., 5% über Konsens, auf Basis von 2,232 Ergebnissen), während die Schwellenländer erneut enttäuschten (-3.2% ggü. Vj., 18% unter Konsens, 844 Ergebnisse).
 
Das langfristige Gesamtbild bleibt aber insgesamt generell konstruktiv. Wuchs das Weltbruttosozialprodukt in den letzten zehn Jahren um nominal 5.6% pro Jahr, so brachten es die Unternehmen auf ein EPS-Wachstum von 6.3%: Das aktuelle Expansionstempo ist also überdurchschnittlich - aber noch nicht zu hoch, um nicht nachhaltig zu sein (wenn man von besonderen Ertragsfällen wie jenen in Japan absieht).

Aktuelle Ertragssaison dürfte positiv überraschen

Auch die gestern anlaufende Berichtssaison für das erste Quartal 2014 dürfte insgesamt gute Ergebnisse liefern, insbesondere in den westlichen Ländern und Japan, wo die Ertragsdynamik nach wie vor von allgemeinen Rückenwinden profitiert (zyklische Auf-schwünge, tiefe Zinsen, Produktivitäts- und Innovationsgewinne, etc.). In Europa besteht zudem das Potential eines Turnarounds, da die aus der "Euro-Krise" der vergangenen Jahre resultierenden Gegenwinde langsam aber sicher abzuklingen scheinen.

Immer noch moderate Wachstumserwartungen

Die Gewinnschätzungen für das Q1/2014 sind jedenfalls tief genug, um übertroffen werden zu können (für den S&P 500 wird ein Wachstum von nur 1% in Aussicht gestellt). Auch die mittelfristigen Erwartungen sind alles andere als überschwänglich: Für die nächsten fünf Quartale beträgt der Median des erwarteten EPS-Wachstums für die USA rund 3%, für die gesamte Welt nur 2.6%. Und für die nächsten zwei Jahre prognostiziert der Konsens für alle drei entwickelten Märkte wie schon seit Jahren weiterhin ein jährliches Wachstum von rund 10%. Nach fünf Jahren Bullmarkt hat also immer noch keine Wende zu einem allgemeinen Optimismus stattgefunden. Wir haben keine neue Dotcom-Bubble und keine neuen Kürzel für Länder, die das nächste Wirtschaftswunder darstellen sollen (im Gegenteil, die Kürzel sind derzeit primär negativ besetzt).

Zyklische Frühindikatoren verheissen Gutes

Unter diesen Umständen bedarf es weder besonderer "Wachstumsphantasien" oder anderer besonderer Entwicklungen, um die Kurse mit der Zeit weiter nach oben zu hieven. Es dürfte wie bisher ausreichen, wenn sich die Konjunktur der meisten grossen Volkswirtschaften in etwa weiter so entwickelt, wie es die altbekannten Frühindikatoren bereits seit vielen Monaten zu Recht mit bescheidener, aber unbeirrter Zuversicht suggerieren.

Einkaufsmanagerindizes für die Industrie suggerieren robuste Konjunktur in den Industrieländern

Die Ergebnisse der internationalen monatlichen Umfragen des Markit-Instituts unter Einkaufsmanagern der verarbeitenden Industrien wurden Anfang April publiziert. Sie bestätigten erneut eine gut synchronisierte und überraschend robuste Konjunktur in den "alten" Industrieländern. Auch in einigen Staaten der Euro-Peripherie scheint der Aufschwung an Dynamik zu gewinnen. Neu ist auch das positive Ergebnis für Frankreich, dass in den letzten Jahren und Quartalen eher Wachstumsschlusslicht war. Sichtbar ist auch, dass die Schwellenländer weiterhin zur Schwäche neigen, während sich Russland und China nach wie vor in einem Abschwung befinden, der sich zuletzt noch einmal leicht zu verschärfen schien.  

Mikio Kumada, Global Strategist bei LGT Capital Management 


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