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Ja zum Euro, Nein zur EZB

Trotz Schuldenkrise kann sich die Gemeinschaftswährung laut aktueller Umfrage der Europäischen Kommission einer konstant hohen Akzeptanz erfreuen - das Vertrauen in die EZB befindet sich hingegen nahe einem historischen Tiefpunkt. Warum dieser Status nicht lange tragbar ist, analysiert Ökonom Dr. Martin Hüfner in einem aktuellen Gastkommentar. Economics | 13.08.2015 11:00 Uhr
©  pure-life-pictures - Fotolia.com
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Hat der Euro unter der Krise gelitten? Die meisten werden diese Frage heute mit Ja beantworten. Die Gemeinschaftswährung ist nicht mehr der Fels in der Brandung, der sie einmal sein sollte. Sie hat blaue Flecken bekommen.

Das ist verständlich. Es ist aber - falsch. Es ist nicht der Euro, der in der Krise unter die Räder gekommen ist. Es ist jemand ganz anderes. Das muss man jedenfalls annehmen, wenn man den Meinungsumfragen traut. Die Europäische Kommission befragt seit vielen Jahren die Menschen in der EU über alles wichtige und unwichtige, was es in Europa gibt. Dazu gehören natürlich auch der Euro und und die Europäische Zentralbank. Das ist das sogenannte Euro Barometer.

Die Ergebnisse dieses Barometers sind überraschend. Die Graphik zeigt in der oberen Linie die Akzeptanz der Gemeinschaftswährung im Euroraum. Sie ist insgesamt hoch und über die Zeit ungewöhnlich stabil. Die untere Linie zeigt das Vertrauen der Menschen in die Europäische Zentralbank. Es war lange Zeit ebenfalls stabil, ist aber nach der Finanzkrise drastisch abgestürzt. Inzwischen ist es negativ. Das heißt, dass die Zahl der Kritiker an der EZB größer ist als die Zahl der Befürworter.

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Als ich die Graphik dieser Tage in einer Studie von Felicitas Nowak-Lehmann an der Universität Göttingen sah, habe ich es zuerst selbst kaum glauben können. Was bedeutet es?

Die gute Nachricht ist, dass sich der Euro von dem Tohuwabohu des Streits mit Griechenland fast gar beeinflussen lässt. Ausgerechnet als die Krise in den letzten zwei Jahren eskalierte, ist das Vertrauen in den Euro gestiegen.

Die Menschen trennen offenbar zwischen den Schwierigkeiten in der Währungsunion auf der einen Seite und der Währung, die weiter funktioniert, auf der anderen Seite. Das ist ein gutes Omen. Wir müssen nicht bei jedem Streit in Brüssel um den Euro fürchten. Es ist ein bisschen wie in den USA, wo auch niemand am Dollar zweifelt, wenn es in Detroit oder in Puerto Rico hoch hergeht.

Dr. Martin Hüfner
Dr. Martin Hüfner

Interessant ist (was in der Graphik nicht zu sehen ist), dass ausgerechnet in Griechenland das Vertrauen in die Währung in den letzten Jahren trotz aller Sparprogramme gestiegen ist. 2008 hatten per Saldo (Befürworter abzüglich Gegner) nur 2% der Bevölkerung Vertrauen in die Gemeinschaftswährung. Heute sind es 40%. Offenbar wünscht sich eine große Zahl von Griechen den Euro, auch wenn sie die Reformmaßnahmen ablehnen.

Die schlechte Nachricht: Gelitten unter der Krise hat die Europäische Zentralbank. Sie gilt in den Augen der Menschen nicht mehr als die geachtete Hüterin der Währung. Das ist übrigens, wenn man sich die Zahlen näher betrachtet, nicht nur in Deutschland so. In Italien, Frankreich und Spanien ist das Ansehen der EZB noch stärker gesunken.

Das ist eine alarmierende Entwicklung. Wie kann eine Währung auf Dauer existieren, wenn die Zentralbank, die dahintersteht, nicht mehr das Vertrauen der Menschen genießt? Dass sich die Kurve am aktuellen Rand etwas nach oben dreht, ist nur ein schwacher Trost.

Es liegt nahe, diese Entwicklung mit der Politik der EZB zur Rettung des Euro in Verbindung zu bringen. Die Menschen sind nicht damit einverstanden, dass sich ihre Notenbank in die politischen Händel hat hineinziehen lassen. Vor allem den Deutschen fallen hier viele Dinge ein, die ihnen nicht gefallen.

Bei genauerem Hinsehen steht dahinter freilich noch etwas anderes. Die Eurokrise begann 2010 mit dem ersten Hilfsprogramm für Griechenland. Der Absturz des Vertrauens in die EZB setzte jedoch schon zwei Jahre früher ein, nämlich mit dem Kollaps an den internationalen Finanzmärkten, als noch niemand an Griechenland dachte.

Es war also primär nicht der Euro, der die EZB in den Augen der Menschen diskreditiert hat. Es war die ultralockere Geldpolitik mit Nullzinsen und überschäumender Liquidität, die sie seitdem betreibt. Das irritiert die Menschen. Sie sehen darin die Ursache für ihre Angst vor einer Zerrüttung des Finanzsystems. Mit dieser Politik stand die EZB aber nicht allein. Alle anderen großen Notenbanken haben das getan. Ich vermute daher, dass auch die Notenbanken anderer Staaten in den letzten Jahren an Reputation verloren haben. Leider gibt es im Eurobarometer dazu keine vergleichbaren Zahlen.

Für den Anleger: Erstens sollte man bei der Interpretation der Zahlen Vorsicht walten lassen. Dahinter stehen keine objektiven Fakten, sondern Umfragen. Sie können sich auch immer schnell ändern. Zweitens muss der Anleger keine Angst vor einem Zerfall des Euro als Währung haben. Es kann zwar passieren, dass das eine oder andere Land aus der Währungsunion ausscheidet. Das wird die Gemeinschaftswährung aber nicht kaputt machen. Eine Flucht aus dem Euro ist – zumindest in den stabileren Ländern Zentraleuropas – nicht angebracht. Drittens zeigt die Verschlechterung des Ansehens der Zentralbank, dass die Zweifel an der Gesundheit des Finanzsystems von vielen geteilt werden. Als Anleger muss man das ernst nehmen. Auch bei vordergründig freundlichen Finanzmärkten sollte man die Risiken nicht aus dem Blick verlieren. Das ist an sich eine Selbstverständlichkeit. Aber man kann sie nicht oft genug sagen. Die Tatsache, dass es in den letzten Jahren alles gut gegangen ist, ist kein Beweis, dass das auch in Zukunft so sein wird.

Dr. Martin Hüfner
Volkswirtschaftlicher Berater
Hellobank! & Assenagon Asset Management


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