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Der „Super-Oktober“ der Zentralbanken

"So etwas habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Sieben Zentralbanken auf drei Kontinenten kommen fast gleichzeitig und unabhängig voneinander auf die gleiche Idee", berichtet Ökonom Dr. Martin Hüfner in seinem neuesten Gastkommentar und zeigt sich verwundert: "Eine solche Koinzidenz ist ungewöhnlich." Economics | 16.11.2015 11:00 Uhr
Dr. Martin Hüfner / ©  Hellobank
Dr. Martin Hüfner / © Hellobank

Innerhalb von zwei Wochen nehmen gleich sieben Zentralbanken einen Kurswechsel in der Geldpolitik vor beziehungsweise machen entsprechende Ankündigungen.

  • Angefangen hat die Europäischen Zentralbank. Sie deutete am 22. Oktober an, die Zinsen zu senken und das Wertpapierankaufsprogramm auszuweiten, wenn sich die gesamtwirtschaftliche Situation nicht bessern würde.
  • Keine 24 Stunden später beschloss die People’s Bank of China in Peking, die Zinsen herunterzunehmen und die Mindestreservesätze zu reduzieren.
  • Zwei Tage danach weitete die Schwedische Reichsbank ihr Programm des „Quantitative Easing“ aus.
  • Es folgten die Notenbanken Neuseelands und Australiens. Sie haben Lockerungsschritte diskutiert, aber noch keine entsprechenden Beschlüsse gefasst.
  • Schließlich bekräftigte die Bank of Japan ihre ultra-expansive Politik.

 

Um das Maß voll zu machen traf sich zur gleichen Zeit das geldpolitische Gremium der amerikanischen Notenbank. Es gab in seinem Kommuniqué Hinweise, dass es die Zinsen in diesem Jahr vielleicht doch noch erhöhen werde.

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Eine solche Koinzidenz ist ungewöhnlich. Es gab keine internationale Krise – wie etwa die Lehman Pleite im Jahr 2008 –, die ein konzertiertes Vorgehen erforderlich gemacht hätte. Jede Notenbank handelte nur mit Blick auf die Lage im eigenen Land. Es ist angesichts der weiten geographischen Entfernungen zwischen diesen Staaten auch wenig wahrscheinlich, dass sie sich gegenseitig abgesprochen haben.


Wenn so viele Institutionen trotzdem auf den gleichen Gedanken kommen, dann muss das nachdenklich stimmen. Es kann nicht nur Zufall sein. Es deutet vielmehr darauf hin, dass die Notenbanken die Lage der Weltwirtschaft doch als ernster einschätzen. Sie wollen rechtzeitig gegensteuern. Man muss sich also darauf einstellen, dass die sehr lockere Geldpolitik anhalten wird. Das ist ein wichtiges Datum für die weitere Entwicklung der Finanzmärkte.

Schon jetzt haben die Märkte massiv auf den Big Bang reagiert. Am stärksten war das bei Aktien der Fall. Der deutsche DAX und der japanische Nikkei legten in zehn Tagen 800 Punkte zu, der amerikanische Dow 700 Punkte. Das zeigt die große Bedeutung der Geldpolitik für die Aktien. Wer diesen Markt richtig verstehen will, muss – jedenfalls in Zeiten wie diesen - nicht nur auf die Konjunktur schauen, sondern auch auf die Zentralbanken.

Bemerkenswert war, dass die amerikanischen Aktien trotz der angekündigten Zinserhöhung anzogen. Dahinter steht freilich kein monetärer Mechanismus. Es war ganz einfach die Erleichterung der Investoren, dass die amerikanische Notenbank nicht in Untätigkeit verharrt, sondern das Heft in die Hand nimmt. Wenn die Zinserhöhung dann wirklich kommt und im nächsten Jahr weitere Schritte vorgenommen werden sollten, kann sich die Stimmung am Markt drehen.

Der US-Dollar befestigte sich angesichts der unterschiedlichen Politiken in den USA und den anderen Ländern handelsgewichtet rund um den Globus um knapp 2%. Das war weniger als ich gedacht hatte. Offenbar ist der Markt der Meinung, dass der Dollar schon sehr hoch notiert. Jede weitere Aufwertung würde Ungleichgewichte in der US-Wirtschaft hervorrufen. Die Bondsrenditen haben am wenigsten reagiert. Sie sind in Europa zunächst lehrbuchmäßig zurückgegangen, dann aber gleich wieder gestiegen. Hier scheint die Luft „raus“ zu sein.

Wie geht es nun weiter? Zunächst haben sich die Chancen auf eine Jahresend-Rally vergrößert. Das einzige, was jetzt noch dagegen spricht ist die Tatsache, dass derzeit fast alle mit einer solchen Entwicklung rechnen und sich entsprechend positioniert haben. In einer solchen Situation reicht ein kleiner Funke, um eine gegenteilige Reaktion auszulösen.

Für das Jahr 2016 ergibt sich: die Liquidität wird hoch und die Zinsen werden niedrig bleiben. Es ist schwer vorstellbar, dass die Zentralbanken außerhalb der USA nach den jüngsten Lockerungen das Ruder schnell wieder herumwerfen und mit einer Normalisierung der Geldpolitik beginnen. Es gibt freilich Indizien, dass die monetäre Expansion in der Welt 2016 doch nicht ganz so hoch sein wird wie 2015. In den USA stehen die Zeichen eher auf Normalisierung. In China gehen die Währungsreserven zurück (in den letzten Monaten um 500 Mrd. Dollar). Das verringert für sich genommen die Liquidität in dem Land. Eine Reihe von Schwellen- und Entwicklungsländern wird am Devisenmarkt intervenieren müssen, um größere Kapitalabflüsse zu verhindern. Schließlich: Auch bei den Wertpapierkäufen der Zentralbanken gibt es Abnutzungseffekte. Je länger sie laufen und je stärker sie werden, um so weniger wirken sie in der Volkswirtschaft.

Für den Anleger: Das monetäre Umfeld der Aktienmärkte wird 2016 gut bleiben. Das kompensiert mögliche negative Effekte, die sich aus einer schwächeren Konjunktur ergeben. Aber die monetären Impulse werden aller Voraussicht nach nicht mehr so stark sein. Die Aktien werden daher vermutlich noch einmal steigen, aber nicht mehr so stark wie 2015. Hier muss man auch das erreichte hohe Niveau vieler Kurse im Kopf haben. Bei den Zinsen gibt es nicht mehr viel Spielraum nach unten. Hier werden sich die Renditen unter Schwankungen per Saldo seitwärts entwickeln.

Dr. Martin Hüfner
Volkswirtschaftlicher Berater
Hellobank! & Assenagon Asset Management


Gastkommentare werden von anerkannten Experten verfasst, deren Meinungen nicht mit jener der e-fundresearch.com Redaktion übereinstimmen müssen.

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