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Experten-Interview zum Thema Altersvorsorge: "Ein weltweites Problem"

Eine alternde Bevölkerung, das Niedrigzinsniveau, abnehmende Staatseinnahmen und wachsende Defizite in den Rentenkassen stellen weltweit eine Herausforderung für die finanzielle Sicherheit der Rentner dar. Economics | 10.08.2017 12:22 Uhr
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e-fundresearch.com Hintergrundinterview zum Natixis Global Retirement Index 2017

Mit dem Natixis Global Retirement Index möchte Natixis Global Asset Management ein Messinstrument dafür zur Verfügung stellen, wie gut Rentner in den Industrieländern gerüstet sind die Herausforderungen zu meistern. Dabei wird jedoch nicht ausschließlich anhand von Sparquoten und in demografischer Hinsicht gemessen. Sicherheit im Ruhestand ist ein Thema mit vielen Dimensionen. Der Index berücksichtigt eine Reihe von Faktoren, die die finanzielle Situation nach dem Ausscheiden aus dem Erwerbsleben, die Lebensqualität, die Gesundheit und das materielle Wohlbefinden von Rentnern beeinflussen. 

Der durch die GRI-Befragung ermöglichte Vergleich ist ein Ausgangspunkt für eine umfassendere Diskussion darüber, was weltweit für die Verbesserung der finanziellen Sicherheit im Ruhestand getan werden muss. Sowohl die Politik als auch die Wirtschaft werden bei der Lösung der Probleme eine Rolle spielen, ebenso wie die praktische Umsetzung politischer Vorgaben. In dieser ersten von insgesamt drei Beilagen geben wir einen Einblick in die zugrundeliegenden wirtschaftlichen Faktoren, die das Schicksal der heutigen Rentner mitbestimmen können. 

Um die Herausforderungen und Möglichkeiten zu beleuchten, haben wir David Lafferty, der in Boston als Chief Market Strategist für Natixis Global Asset Management tätig ist, und Philippe Waechter, Chefökonom von Natixis Asset Management in Paris, um ihre Einschätzungen gebeten. Die Kombination ihrer Erfahrung und ihres Fachwissens gibt einen umfassenden Blick mit Augenmaß auf die wirtschaftlichen Faktoren, die die Altersvorsorge beeinflussen.

e-fundresearch.com: Wachstum ist für die Sicherung der Altersvorsorge eine entscheidende Komponente, doch alternde Bevölkerungen werden zu einer Herausforderung für das Rechenmodell einer angebotsorientierten Wirtschaftspolitik. Anleihekaufprogramme haben auf der Angebotsseite zu schwachem oder stagnierendem Wachstum geführt. Wie steht es um die langfristigen Aussichten für wirtschaftliches Wachstum? 

 David Lafferty: Bei der Altersvorsorge handelt es sich im Wesentlichen um einen Prozess von Sparen und Wachstum, der bestimmt, wieviel Kapital wir für später zurücklegen können. Je besser das Wachstum, desto mehr Geld können wir zurücklegen. Es ist dabei egal, ob es der Staat ist, der Vermögenswerte zurücklegt, oder ob eine Rentenkasse oder Einzelpersonen Geld zurücklegen – bessere Wachstumsraten bedeuten, dass mehr Geld für die Zukunft gespart werden kann. 

Es ist vielleicht offensichtlich, dass höheres Wachstum mit höheren Erträgen der zurückgelegten Vermögenswerte verbunden ist. Es ist aber vielleicht nicht ganz so offensichtlich, dass ein höheres Wachstum auch einen besseren Sparanreiz mit sich bringt. Befinden wir uns in einer einzigartig schwachen Wachstumsphase, können wir keine höheren langfristigen realen und nominalen Wachstumsraten erzielen. Menschen, die gerade so zurechtkommen, können nur schwer rechtfertigen, überhaupt etwas zu sparen. Ganz zu schweigen davon, wieviel sie sparen oder wie schnell ihre Ersparnisse wachsen. 

Wir können die Altersvorsorge zusätzlich komplexer gestalten, aber auf elementarer Ebene geht es einfach darum, Vermögenswerte für eine zukünftige Verwendung zurückzulegen, und auf allen drei Gebieten braucht man höhere Wachstumsraten, damit die Rechnung aufgeht.  

Philippe Waechter: In Ländern wie Italien, Japan und Deutschland beobachten wir, dass sich die Beschäftigungszunahme aufgrund der alternden Bevölkerung verlangsamt oder in Zukunft verlangsamen wird. Bei einem schwachen Produktivitätszuwachs und einer schwachen Beschäftigungszunahme wird es schwierig sein, starkes Wachstum beim Bruttosozialprodukt zu finden. Deshalb erwarten wir auch alle, dass neue Technologien dem Wachstum künftig neue Impulse geben. Dies könnte einen Trend des stärkeren Wachstums auslösen, mit dem sich das empfindliche Gleichgewicht zwischen den Generationen gewährleisten ließe. Das Hauptproblem dabei ist, dass wir nicht wissen, wann dieser tiefgreifende Wandel eintritt – falls er überhaupt eintritt. Im Hinblick auf unsere Pensionsversorgung ist diese Ungewissheit sehr beunruhigend. 

Sollte er eintreten, dann können wir Überschüsse erwirtschaften, und diese Überschüsse werden zu höheren Löhnen führen und Beschränkungen für den Transfer zwischen den Generationen und damit der Summen, die wir für Renten ausgeben, begrenzen. Aber das gegenwärtige Wachstum (BIP) von 2% in den USA und 1,5% in Europa ist eindeutig zu schwach. 

Falls es uns nicht gelingt, ein stärkeres Wachstum herbeizuführen, dann könnte das zu einem Problem für alle werden, für Menschen, die im Arbeitsleben stehen ebenso wie für Rentner. Das ist im Moment für jedes Industrieland ein echtes Thema. 

e-fundresearch.com: Die Bevölkerungsentwicklung erscheint problematisch: Die geburtenstarken Jahrgänge (nun im Alter von 52-70 Jahren), die seit über 50 Jahren das Wachstum angetrieben haben, altern und stellen größere Anforderungen an Renten und Sozialversicherungen. Die Millennium-Generation (nun im Alter von 21-36 Jahren) mag zwar größer sein, doch ihre Auswirkungen sind noch nicht spürbar. Besteht das Problem einfach darin, dass zu viele Menschen zu alt werden und zu wenige Menschen sie unterstützen? 

David Lafferty: Es geht nicht nur darum, dass bei uns viele Menschen im Ruhestand sind und dabei sehr viel länger leben. Es gibt auch eine natürliche Verbindung zurück zur ganzen Diskussion über Wachstum und Produktivität. Die Menschen leben offensichtlich lange, was den Abhängigkeitsquotientverschlechtert. Die Millennium-Generation mag zwar zahlenmäßig größer sein, aber bevor sie zu einer Milderung des Problems beiträgt, wird noch viel Zeit vergehen. 

Der Risikohorizont für die Babyboomer liegt sehr viel näher. Die Rentenfinanzierungskrise, die wir wahrscheinlich bald erleben werden, tritt mit der zweiten Hälfte der geburtenstarken Jahrgänge ein und wird lange stattgefunden haben, bevor die Vertreter der Millennium-Generation das Alter ihrer höchsten Erwerbsfähigkeit erreichen.  

Studien zufolge ist die Produktivität älterer Beschäftigter höher: Sie sind ausgebildet, sie haben Erfahrung und sie wissen, was sie tun. Es liegt in der Natur der Sache, dass neuere Mitarbeiter über eine geringere Produktivität verfügen. Wenn erfahrene Arbeitnehmer aus dem Arbeitsleben ausscheiden, entsteht ein zusätzlicher Druck auf die Produktivität, die so wichtig ist für dringend benötigte langfristige Wachstumsraten. 

Philippe Waechter: Unsere Denkmodelle basieren naturgemäß auf der Vergangenheit, aber wir können und dürfen uns nicht vorstellen, dass die Trends, die unsere Eltern und Großeltern erlebt haben, wiederkehren. Mitte der 1950er Jahre hatten wir ein sehr kräftiges Produktivitätswachstum und sehr starke Einkommensströme. Im damaligen Fall war die Altersversorgung in Europa einfacher, wo das Sozialversicherungssystem anders aufgebaut war und wir sehr hohe Renten hatten. 

Das gegenwärtige Produktivitätswachstum ist zu schwach, um eine Rückkehr zu dieser Art Trend zu ermöglichen. Wir können den Überschuss, der uns erlaubt hat, Wohlstand in die Zukunft zu verlagern, nicht generieren. Als meine Eltern aus dem Arbeitsleben ausschieden, hatten sie sehr hohe Renten. Das war verknüpft mit der langfristigen Akkumulation von Wachstum und Produktivität.

In dieser Situation sind wir nicht mehr. Folglich müssen wir Denkmodelle aus der Vergangenheit hinterfragen, denn der Weg nach vorn wird völlig anders aussehen. 

Wir sind jetzt in der Situation, dass wir eine Rückkehr des Wachstums und der Produktivitätszunahme erwarten. Und sollte dieser Fall eintreten, dann könnten wir Vermögenswerte für die Zukunft zurücklegen. Aber wenn wir keine Produktivitätszunahme erleben, dann wird alles sehr kompliziert. 

In der Vergangenheit befand man sich vielleicht 10 oder 15 Jahre lang im Ruhestand. Heute sind es 25 bis 35 Jahre. Das ist deshalb eine Herausforderung, weil wir nicht in der Lage sind, ausreichendes Einkommen zu schaffen, um die Renten für die Anzahl von Menschen zu bezahlen, die länger im Ruhestand leben werden. 

Das ist die Arbitrage. Vermutlich geht man am besten damit um, indem man das Renteneinstiegsalter erhöht. Aber es könnte sehr kompliziert werden, da wir den jungen Menschen Anreize dafür geben müssen, zu arbeiten und all die Rentner zu finanzieren. Es ist ein sehr empfindliches Gleichgewicht, aber das Alter, mit dem wir aus dem Arbeitsleben ausscheiden, ist vermutlich der wichtigste Faktor, den man verändern sollte. 

e-fundresearch.com: Es klingt, als sei eine Anhebung des Renteneintrittsalters die logische Lösung, aber ist es für ältere Arbeitnehmer nicht schwerer, an Arbeitsplätzen festzuhalten? Werden sie körperlich fähig sein, dieselbe Beschäftigung immer weiter auszuüben? Werden Arbeitgeber es nicht vorziehen, ihre Stellen mit Menschen zu besetzen, die geringere Lohnansprüche stellen? Wir könnten das Einstiegsalter zwar anheben, aber würde die Wirtschaft es verkraften, wenn ältere Menschen weiterhin arbeiteten? 

Philippe Waechter: Wir brauchen eine andere Auffassung davon, wie wir mit dem Zyklus unseres Arbeitslebens umgehen, weil wir nicht mit 55 oder 60 aufhören können zu arbeiten. Wenn man mit 25 anfängt zu arbeiten und mit 60 oder 65 aufhört, dann verbringt man am Ende mehr Zeit außerhalb des Arbeitslebens als darin. Dadurch sind Ihre Beiträge nicht im Gleichgewicht und entsprechend ist das System nicht im Gleichgewicht. Es ist klar, dass Sie mehr arbeiten müssen, oder zumindest für einen ebenso langen Zeitraum, wie Sie auf die Produktion anderer angewiesen sind. Deshalb werden wir also wahrscheinlich das Renteneinstiegsalter erhöhen müssen.  

Die Frage nach der Altersversorgung ist eine dreifache: sie bezieht sich auf die Höhe der Renten, auf den Beitrag der Arbeitnehmer zu Altersvorsorgemaßnahmen und auf das Renteneinstiegsalter. Zwischen diesen drei Komponenten muss man abwägen. Die Arbeitnehmerbeiträge müssen niedrig genug bleiben, um Arbeitsanreize zu schaffen, die Renten müssen ausreichen, um den Menschen im Ruhestand weiterhin ein angemessenes Leben zu ermöglichen, und daher eignet sich der Faktor Renteneinstiegsalter für eine Änderung wahrscheinlich am ehesten.

e-fundresearch.com: Vielen Dank für das Gespräch!

Tipp: Den aktuellen Natixis Global Retirement Index 2017 finden interessierte Leser hier als kostenlosen PDF-Report.


*Der Abhängigkeitsquotient misst die Anzahl unselbständiger Familienangehöriger im Alter von 0 bis 14 und über 65 Jahren im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung im Alter von 15 bis 65 Jahren. Als Indikator gibt er Aufschluss über die Anzahl der Menschen im nicht-erwerbsfähigen Alter verglichen mit der Anzahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter.

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