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Weichen in Richtung Zinssenkung gestellt | Wie Fondsgesellschaften auf die EZB-Sitzung reagieren

Während noch vor ein paar Monaten fest damit gerechnet wurde, dass Mario Draghi seine Amtszeit mit einem Zinsschritt nach oben beenden könnte, wird nun wohl doch alles anders kommen. | e-fundresearch.com fasst die ersten Reaktionen von Asset Management Unternehmen auf die heutige EZB-Sitzung zusammen: Economics | 25.07.2019 15:57 Uhr
©  EZB
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Gerry Fowler, Investment Director bei Aberdeen Standard Investment:

"Draghi und die EZB haben sich in den letzten Jahren angewöhnt, die Märkte mit ihrem zurückhaltenden Vorgehen zu überraschen – aber heute ist es ihnen nicht gelungen. Die Zinsen wurden nicht weiter in den negativen Bereich gesenkt, aber dies ist noch im September wahrscheinlich. Auch Anleihenkäufe könnten kommen. Die Märkte haben sich bisher auf die Neuigkeiten in Bezug auf den Euro nicht viel bewegt und die Renditen von Bundesanleihen sind zunächst leicht gesunken. Das bedeutet, dass die Messlatte für die Fed nicht ganz so hoch liegt, wie sie nächste Woche hätte liegen können. Wir erwarten, dass sie dann die Zinsen senken wird, aber eine Lockerung der EZB und ein schwächerer Euro heute, hätten es Powell erschwert, einen erneuten Sturm auf Twitter oder eine umgehende Intervention von Präsident Trump in Bezug auf den US-Dollar zu vermeiden.”

 Dr. Wolfgang Bauer, Manager des M&G (Lux) Absolute Return Bond Fund:

"Mario Draghis Amtszeit als EZB-Präsident wird wahrscheinlich nicht mit Gewimmer, sondern mit einem Knall enden. Mit dem heute aktualisierten Zinsausblick, der „Forward Guidance“, erscheint eine Zinssenkung auf der bevorstehenden geldpolitischen Sitzung der EZB im September sehr wahrscheinlich. Auch eine Wiederbelebung des Ankaufprogramms ist wahrscheinlicher geworden.

Wenig überraschend haben die Bundrenditen unmittelbar nach der Ankündigung neue Tiefststände erreicht. Gleichzeitig erlebten risikobehaftete europäische Anlagen angesichts der Lockerungssignale der EZB eine Rallye. Die Marktreaktionen zeigen somit einmal mehr, dass die Zentralbanken derzeit alle wirtschaftlichen Probleme übertrumpfen.

Und diese türmen sich in Europa. Kurz vor der heutigen Ankündigung der EZB – und von den Marktteilnehmern kaum beachtet – war der ifo Geschäftsklimaindex auf den niedrigsten Stand seit April 2013 gesunken. Die Gefahr: Anleger könnten zu selbstgefällig werden, sich völlig auf die zurückhaltende Geldpolitik verlassen und so die anhaltenden Risiken am Ende des Konjunkturzyklus ignorieren."

Jürgen Odenius, Economic Counsellor, PGIM Fixed Income:

"Those who were looking for reassurance that a broad-based policy easing by the ECB is in the works were not disappointed by Thursday’s meeting of the Governing Council (GC). The ECB took several critical steps towards a package of easing measures, likely to be initiated in September. Besides adopting a formal easing bias, the GC tasked committees to examine broad-based policy options, including the design of a tiering system and options of the size and composition of possibly renewed asset purchases. In sum, a first rate cut in September combined with tiering is all but a foregone conclusion. A decision on asset purchases is now highly likely, but it may come only in December, depending on how quickly a consensus in the GC can be forged.

The ECB is highly likely to revise down its inflation forecasts in September. The persistent lingering of trade war and geopolitical uncertainties, in of itself, is seen as a “materialization of risks” with considerable impact on the outlook. The statement reflects these concerns and refers to inflation rates, both realized and projected, as having been “persistently below levels that are in line with its aim.”

Relatedly, the growth outlook is seen near a tipping point and is likely to be revised down sharply as well. President Draghi repeatedly pointed to dichotomous economic performance: the service and construction sectors as well as the labor market have remained resilient, but are slowing; the manufacturing sector is experiencing an idiosyncratic shock that is heavily weighing on Germany and Italy, in particular. He acknowledged that the ECB’s June macro forecasts were predicated on a recovery in the second half of the year and that the prospects for such a recovery are now dimming significantly. Against this background, we expect the ECB to substantially revise down its 2020 growth forecast from currently 1.4% closer to 1%.

Once more, the Governing Council went out of its way to flag its determination to take additional easing measures. The statement adopted new language stressing the ECB’s “commitment to symmetry in the inflation aim.” In other words, the ECB is determined to fight low (below target) inflation with the same vigor as it would fight above target inflation.

As so many times before, in almost customary fashion, President Draghi elegantly went beyond market expectations. As expected, the ECB adopted a formal easing bias and, therefore, all but pre-announced a cut in its deposit rate (-40 bps) in September. We expect a cut of 10 bps, possibly followed by a further cut in December.

Those who expected strong signals of broad-based easing were not disappointed, to the contrary. The Governing Council tasked committees to draw up broad based policy options. These include ways to reinforce forward guidance, measures designed to mitigate the negative impact of rate cuts on banking sector profitability in the form of a tiered system for reserve remuneration, and “options for the size and composition of potential new net asset purchases.” Although the composition of any policy package remains to be determined, we expect tiering to be introduced alongside a first rate cut in September. More importantly, the probability of renewed asset purchases has risen substantially.

The timing of a decision on renewed asset purchases critically depends on whether President Draghi can build quickly enough a broad-based consensus in the GC. The body language in the press conference suggests that consensus has not yet been reached. Questions about unanimity of the GC’s decisions were sidestepped somewhat, suggesting that more work needs to be done. However, once the macro forecasts are revised down in September, consensus is likely to follow.

Questions about President Trump’s renewed allegations about currency manipulation by the ECB were masterfully shrugged off. When asked about the latest allegations earlier this week, President Draghi seemed surprised and claimed ignorance, just to follow up with a reminder about the ECB’s inflation target, also reminding the audience (and by extension President Trump) that there is an international consensus among policy makers to refrain from currency manipulation."

 Ulrike Kastens, Volkswirtin Europa, DWS:

"Noch fühle sich die wirtschaftliche Lage zwar gut an, doch die Frühindikatoren und der fortlaufende Handelskonflikt trübten die Aussicht, fasste EZB-Präsident Mario Draghi die Lage nach der EZB-Sitzung am Donnerstag zusammen. Die jüngsten Ifo-Zahlen bestätigen diese Einschätzung. Da sich die Konjunkturrisiken verfestigt hätten und die Inflation auf absehbare Zeit hinter dem Zielwert zurückbleiben wird, sieht sich die Notenbank zum Handeln gezwungen. Und wir erwarten, dass sie dies auch im großen Stil tun wird: Zinssenkung für den Depositensatz, Freibeträge bei der Nutzung der Einlagenfazilität, eine Verlängerung der Forward Guidance (Lenkung der Markterwartungen durch die kommunikativ langfristige Festlegung der Geldpolitik) und die Neuauflage eines Wertpapierankaufprogramms. 

Die Ankündigung dieses Maßnahmenkatalogs und die Betonung, dass die zwei Prozent ein symmetrisches Inflationsziel seien, deuten unserer Meinung darauf hin, dass es auf längere Zeit keine Normalisierung der geldpolitischen Maßnahmen geben wird. Ob diese Maßnahmen allerdings ausreichen, einen signifikanten konjunkturellen Schub zu erzeugen, bezweifeln wir. Nicht zuletzt, da die Konjunktur durch die weltwirtschaftliche Entwicklung gebremst wird. Zudem betonte Draghi erneut, dass auch die Politik, ob durch Strukturreformen oder fiskalische Maßnahmen, in der Pflicht stünde. Insgesamt bestätigt die EZB damit unsere Auffassung, dass uns das Niedrigzinsumfeld auf sehr lange Zeit erhalten bleiben wird. Mit allen Vorteilen und Risiken.”

 Robert Greil, Chefstratege bei Merck Finck Privatbankiers:

"Die EZB hat die Tür für eine noch expansivere Geldpolitik weiter geöffnet.  Die nächste Liquiditätswelle wird wohl ab Herbst über die Märkte hereinbrechen. Mit seinen Aussagen zum „schlechter und schlechteren“ Wachstumsausblick und zu den schwachen Inflationsperspektiven hat Mario Draghi den Boden dafür bereitet. 

Mit einer weiteren Senkung des Einlagensatzes wird die EZB im September den nächsten Schritt gehen. Die EZB prüft jetzt offiziell ein weiteres „Asset“-Kaufprogramm und bereitet den Markt damit bereits heute darauf vor, sollten die Inflationsperspektiven schwach bleiben. Da im weiteren Jahresverlauf keine wirklich stärkeren Inflationstendenzen zu erwarten sind, rechnen wir im Herbst mit einer Wiederaufnahme des Anleihekaufprogramms. Wir gehen davon aus, dass Papiere des Finanzsektors und von supranationalen Emittenten eine Rolle spielen. Die EZB dürfte damit ihre Geldschleusen im Herbst noch ein gutes Stück weiter öffnen.

Draghi will die Maßnahmen wohl noch vor seiner Staffelstab-Übergabe an Christine Lagarde einleiten.”

 Hetal Mehta, Senior European Economist bei Legal & General Investment Management: 

"Die EZB mag diejenigen enttäuscht haben, die sich nach einem Übermaß an schwachen Stimmungsdaten eine sofortige Zinssenkung erhofften, aber ihre Absichtserklärung ist klar: Die geldpolitische Lockerung wird kommen, und zwar bald. Mögliche Optionen sind dabei ein abgestufter Einlagenzinssatz, weitere geldpolitische Lockerungsmaßnahmen und Zinssenkungen. Draghi und der Rest des EZB-Rates wollen so demonstrieren, dass ihnen die Instrumente nicht ausgegangen sind. Die Stärkung ihrer Glaubwürdigkeit hat eindeutig oberste Priorität, und sie können nicht länger leugnen, dass die Inflationserwartungen verankert sind."

 Seema Shah, Chief Strategist, Principal Global Investors:

“While Draghi failed to surprise, markets should be satiated by the groundwork he has laid out for some potentially meaningful moves in September, with rate cut in further into negative territory highly likely.

On the QE side, most hopes are resting on corporate bond purchases given its prior effectiveness. The anticipation of these purchases has already been a very strong technical tailwind for European credit, driving spreads narrower even as the economic backdrop worsens. With the universe of negative yielding bonds sitting at around $12.9 trillion, investors are desperate not to just reach for yield, but to get a yield. 

While corporate bond purchases will likely be constrained to just investment grade, it will push investors down the risk spectrum into the high yield space simply to get a slight pick-up. On this technical basis, I expect European credit could continue to outperform US credit for a bit longer. However, I would also note that, at these levels, bondholders are becoming increasingly vulnerable to bouts of sharp volatility. 

No doubt, people will continue to wonder if the ECB will purchase equities. I doubt they will venture into this new and controversial territory at the current stage. Not only would it meet significant opposition from some Governing Council members, but it may have a limited impact on the economy. Retail investors in Europe tend to buy fewer equities than in other parts of the world, therefore any benefit from purchasing equities via the “wealth effect” may be less important for Europe. Never say never, of course, for if the economy continues to deteriorate, then the ECB may end up with little choice but to turn to equities. 

With monetary policy at the walls of effectiveness and unlikely to move the dial too much at this stage, perhaps the key vessel the ECB is actually targeting is the exchange rate. At the next meeting in September, I’ll be keeping a close eye on the currency – and President Trump’s twitter feed.”

 Iain Lindsay, Co-head of the Fixed Income Portfolio Management team, Goldman Sachs Asset Management:

"In line with our expectations the ECB kept policy unchanged but set the stage for a policy easing package in September which we expect to include a -20bps rate cut, resumed asset purchases and strengthened forward guidance.

There were several notable dovish tweaks in today’s policy decision statement. First, forward guidance was amended to state that rates will remain at their present “or lower levels”. Second, the central bank explicitly referenced commitment to “symmetry in its inflation aim” thus reinforcing expectations that policy will remain accommodative even if inflation does eventually exceed its 2% target. Third, the Governing Council demonstrated commitment to use all instruments at its disposal; this cements expectations for another round of quantitative easing alongside rate cuts. And finally, policymakers communicated that they are examining ways to allow for additional easing measures, namely further negative rates and additional asset purchases.

Annual Euro area core inflation has averaged just 1.1% over the past decade. A combination of both cyclical and structural forces point to a continuation of “lowflation” in the region. On the cyclical front, unemployment in certain regions and for certain demographic groups remains elevated and above pre-crisis levels. Additionally, growth has slowed and recent PMI readings suggesting that the activity moderation has further to go. From a structural standpoint, de-unionisation, migrant labor flows and labor compositional shifts (such as greater job creation in low wage, low productivity sectors) have kept a lid on wage growth and in turn broader core price pressures.

Overall, we expect a prolonged period monetary policy accommodation in the Euro area and we therefore retain our bias to be overweight core European rates on a relative value basis."

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