Ratings als Baustein bei der Fondsauswahl?

Nach der Vorstellung der wichtigsten Ratinghäuser und ihrer Bewertungssysteme lassen wir im zweiten Teil unserer Rating-Serie die Marktteilnehmer selbst zu Wort kommen. Befürworter und Kritiker über Theorie und Praxis bei der Fondsauswahl... Funds | 01.09.2004 11:47 Uhr
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BVI: Rating muss Prognosequalität haben

Der deutsche Bundesverbandes Investment und Asset Management (BVI) hat es sich zum Ziel gesetzt, dem Anleger bei seiner Auswahlentscheidung zu unterstützen. Daher hat der Verband Kriterien entwickelt, die Beurteilungssysteme der führenden Ratinganbieter in Deutschland zu kategorisieren. Hierbei spielt das Thema Transparenz eine entscheidende Rolle. Ziel ist, dem Anleger eine Orientierung unter den mehr als 7.000 Investmentfonds in Deutschland zu bieten. Ratings sind für den BVI  Bewertungen, die nach Aussage des Anbieters Prognosequalität haben müssen. Ein reines Ranking - das im Unterschied zum Rating nur eine vergangenheitsbezogene Beurteilung darstellt - erfüllt diese Anforderungen nicht. Um hierbei Klarheit zu schaffen, hat der BVI Fragebögen an die führenden Ratinghäuser verschickt. Noch in diesem Monat sollen die Ergebnisse der Umfrage in einer Pressemitteilung vorgestellt werden. e-fundresearch wird Sie über den Ausgang der BVI-Initative informieren.

Morningstar: Asset Allocation viel wichtiger als Rating 

Natalia Siklic, Fondsanalystin bei Mornigstar: „Der Begriff Rating ist weltweit etabliert, sodass eine nationale Unterscheidung zwischen Rating und Ranking keinen Sinn macht. Ein Rating ist das Ergebnis der Beurteilung von Risiken und Kosten eines Fonds. Das Ziel von Morningstar ist es, dem Anleger eine umfassende Datendank zur Verfügung zu stellen, aus der er Hintergrundinformationen über die Qualität eines Fonds beziehen kann. Jedes Rating hat seine Grenzen. Ein großes Problem ist beispielsweise, einen Fonds einheitlich in die etwa 90 Kategorien einzuordnen, da sich diese zwischen den Ratinganbietern erheblich unterscheiden. Ferner lässt sich eine Entwicklung aus der Vergangenheit nicht in die Zukunft fortschreiben. Ich empfehle daher, nicht nur auf das Rating zu schauen, da dies für jeden Fonds erstellt werden kann. Bei der Auswahl eines geeigneten Fonds kommt es vor allem auch auf die persönlichen Anlageziele und die Risikoneigung sowie die Asset Allocation an.“

Standard & Poor´s: Qualität des Fondsmanagements ist entscheidend 

Heiko Nitzsche, Standard & Poor´s: „Wir versuchen herauszufinden, welche Faktoren in der Vergangenheit zu bestimmten Ergebnissen geführt haben und ob diese Faktoren auch zukünftig wirken werden. Aus diesem Grund beurteilen wir nur die besten 20 Prozent eines Sektors. Ein Ranking allein ist nichts anderes als eine risikoadjustierte Performancebetrachtung auf der Basis von Daten aus der Vergangenheit. Um aus den vergangenen Performanceergebnissen eine Prognosequalität abzuleiten, beschäftigen wir uns intensiv mit den Faktoren, die zu einer guten Performance geführt haben. Hierbei spielen das Fondsmanagement und die Konsistenz des Investmentprozesses die zentrale Rolle. Ein Schlüsselfaktor sind die Erfahrungen des Fondsmanagers und seines Teams. Wo liegen ihre Stärken und wie viele Marktphasen haben sie schon erlebt? Das Rating ist dann das Resultat der Beurteilung dieser qualitativen Faktoren zusammen mit der Interpretation der Performance des Fonds. Ein Anleger sollte in ein qualitativ gutes Fondsmanagement investieren, das seine Stärken bereits in der Vergangenheit unter Beweis gestellt hat. Ich halte ein qualitatives Rating daher für ein gutes Mittel, sich im Fondsdschungel zurechtzufinden. Auch beim Monitoring während der Anlagedauer leisten Ratings einen wertvollen Beitrag. Allerdings sollte jeder Investor seine persönlichen Anlageziele und seine Risikobereitschaft kennen. Auch macht es wenig Sinn, immer die Fonds zu kaufen, die in den Rankings ganz oben stehen. Bewertungen können sich durch banale Dinge wir erhöhte Cash-Positionen ändern, sodass die Performance des Anlegers mit hohen Transaktionskosten belastet werden würde.“   

EuroFund fasst drei Ratinganbietern zusammen

Erhard Crasny, Managing Editor des DWS-Magazins EuroFund: „Wir haben gemeinsam mit der DWS unter dem Titel “Robust Leaders“ einen Methodik entwickelt, die aus den  Ratingergebnisse von den drei Anbietern S&P, Morningstar und Feri Trust einen kumulierten Wert bildet. Berücksichtig werden nur Fonds, die Fondsvolumina von mehr als 100 Millionen Euro haben. Ziel des seit Anfang 2002 bestehenden Ansatzes ist, Fonds herauszufiltern, die ihre Qualität über einen längeren Zeitraum beweisen können.“

DWS: Ratings für die Auswahl der Zielfonds nicht entscheidend

Bettina Hönigmann, Senior Portfolio Manager Dachfonds bei der DWS:  „Ich begrüße den Vorstoß des BVI, dem Anleger über einheitliche Bewertungsstandards eine Orientierungshilfe zu geben. Allerdings werden Ratings bei der Auswahl der Zielfonds bei uns nicht genutzt, da wir auf eigene Fondsanalysetools zurückgreifen können. Ein gutes Rating ist daher für uns kein Grund, einen Fonds in die Portfolios aufzunehmen. Wie S&P legen auch wir großen Wert auf einen engen Kontakt zum Fondsmanager. Es gilt, die Strategie des Fondsmanagements zu kennen und signifikante Veränderungen sofort zu hinterfragen. Für einen institutionellen Investor wie einen Dachfondsmanager spielt ein Rating daher nur eine untergeordnete Rolle. Nur wenn unser Ergebnis in hohem Maße von dem Urteil eines Ratinghauses abweicht, schauen wir uns das Rating näher an. In diesem Fall versuchen wir zu begründen, warum die Ergebnisse unterschiedlich ausgefallen sind. Oft liegt es an den Zeiträumen oder der unterschiedlichen Einordnung in eine Peergroup.“
 
Volksbank hinterfragt die Finanzierung der Ratings

Auch Gerfried Krifka, der als Dachfondsmanager bei der Volksbanken KAG fast eine Milliarde Euro verwaltet, sieht das Thema Ratings sehr kritisch: "In der Fondsauswahl spielen für mich Ratings nur eine sehr geringe Bedeutung denn die Prognosequalität davon ist doch sehr beschränkt", so der Experte. Den Grund dafür sieht er vor allem in der Finanzierung: "Diese Ratings sind zumeist für den zurechtgeschneidert, der diese schließlich auch bezahlt". "Im Retailgeschäft darf der Einsatz von Ratings als Marketinginstrument aber trotzdem nicht unterschätzt werden"

Security: Antizyklisch investieren zahlt sich aus

Peter Ladreiter, Security KAG: „Wir wählen für unsere Dachfonds immer diejenigen Zielfonds aus, die ein entsprechendes Marktpotenzial erwarten lassen und investieren antizyklisch. Wir sehen uns hierbei die einzelnen Bewertungen sehr genau an. Da nach der Mean Reversion-Theorie alles auf den Mittelwert zustrebt und auch Fonds mit guten Bewertungen in den Folgejahren tendenziell schlechter abschneiden, lässt sich dieses Modell sicherlich auch auf Ratings übertragen. Interessant sind daher die Fonds, die in den letzten Jahren zurückgeblieben sind und nicht die aus den oberen Rängen der Performance-Ranglisten.“ 


        
In der dritten und letzten Folge unserer Serie über Ratings werden wir nächste Woche u.a. die Vor- und Nachteile von Ratings für den Anleger kritisch hinterfragen.     

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