Wo liegen die Wurzeln der Subprime-Krise?
Die Wurzeln reichen weit zurück und liegen in der Reaktion auf das Platzen der Technologieblase im Jahr 2000. Um die US-Wirtschaft 2001 aus der Rezession zu führen, senkte die US-Notenbank die Zinsen deutlich und bereitete damit den Boden für einen regelrechten Run auf Kredite. Aufgrund der damaligen Schwäche der Aktienmärkte investierten Anleger verstärkt in Immobilien und lösten somit einen Boom am Immobilienmarkt aus. Kreditinstitute unterstützten dies durch die Lockerung ihrer Bedingungen bei der Kreditvergabe, um das Kapital gewinnbringend einzusetzen, das die großen Investmentbanken über den Verkauf moderner Schuldtitel gesammelt hatten.
Woher kommt der Begriff Subprime?
Subprime ist in den USA die übliche Bezeichnung für Kredite, die mit zu hohen Risiken behaftet sind, um herkömmliche Kredite in Anspruch nehmen zu können. Neben Menschen mit schlechter Rückzahlungsmoral fallen hierunter auch Kreditnehmer, die kein oder nur ein geringes Einkommen nachweisen können. Die Kredite, die an diese Gruppe vergeben wurden, weisen eine Gemeinsamkeit auf: Sie haben in der Regel in den ersten zwei oder drei Jahren einen niedrigen Anfangszins. Im weiteren Verlauf wird dieser üblicherweise im Schnitt um 4 Prozent für die Laufzeit der Hypothek angehoben, die meist 30 Jahre beträgt.
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Viele dieser risikobehafteten Kredite konnten, als die Zinsen nach der Anfangsphase angepasst wurden, ihre höheren Kreditzahlungen nicht mehr schultern. Die hieraus resultierenden Zwangsverkäufe brachten die Blase am US-Häusermarkt zum Platzen. Leider geht der Schaden, den die Krise auslöst, weit über den Verlust der Eigenheime vieler Menschen hinaus. Das Bündeln der Subprime-Kredite zu strukturierten Produkten und ihr anschließender Verkauf an den Finanzmärkten als angeblich sichere Investments hat gravierendere Folgen. Von den steigenden Zahlungsausfällen am US-Immobilienmarkt werden über den Umweg der strukturierten Produkte auch die globalen Finanzmärkte erfasst.
Wie genau wurden Subprime-Kredite gebündelt und an den Finanzmärkten verkauft?
Sie wurden als Derivate verpackt und verkauft. Ein Derivat ist ein Finanzinstrument, dessen Wert sich von einem zugrunde liegenden Vermögenswert ableitet. Den Vermögenswert bildete ein Pool an Hypothekenkrediten, der zu einem handelbaren Wertpapier zusammengefasst wurde. Diese auf Hypotheken basierenden Derivate heißen Collateralised Debt Obligations, kurz CDO, und bezeichnen besicherte Schuldverschreibungen. Bei Anlegern waren sie enorm beliebt, denn verglichen mit anderen Anlagen mit vermeintlich gleichem Risiko boten sie eine höhere Rendite.
Was ist mit diesen Derivaten schiefgelaufen?
Zwei Merkmale der CDOs sind für den Schaden verantwortlich, der durch die Zahlungsausfälle am US-Immobilienmarkt ausgelöst wurde. Erstens wurden CDOs nach unterschiedlichen Rendite- und Risikostufen strukturiert. Das Verlockende an dieser Strukturierung war die Tatsache, dass die Ratingagenturen bereit waren, den am wenigsten risikobehafteten Teilen einer CDO ihr höchstes Rating zu erteilen. Viele Anleger müssen heute deshalb schmerzlich erkennen, dass sie statt einer Anlage mit vermeintlich geringem Risiko - denn was scheint sicherer als eine Immobilie - nichts als Verluste in der Hand halten.
Zweitens haben viele Käufer zum Erwerb dieser Instrumente Kredite aufgenommen. Als den am höchsten verschuldeten Investoren - in der Regel Hedgefonds - Verluste aus geplatzten Subprime-CDOs drohten, sahen sie sich gezwungen, ihre Bestände aufzulösen, um ihren Zahlungsverpflichtungen in Form von Kreditzinsen nachkommen zu können. Gleichzeitig verteuerten die Kreditgeber ihre Kredite, um für die höheren Risiken angemessen entschädigt zu werden. Hieraus resultierte eine Abwärtsspirale, die die Kreditmärkte erschütterte.
Was ist das Hauptproblem für die Finanzmärkte im Zusammenhang mit der Subprime-Krise?
Das Hauptproblem besteht darin, dass die Finanzmärkte inzwischen so komplex geworden sind, dass niemand das Ausmaß des Problems genau beziffern kann.
In welcher Verfassung befinden sich die US-Finanzinstitute heute?
In keiner sehr guten, denn sie sehen schwierigen Zeiten entgegen. Schätzungen zufolge haben die weltweit größten Banken bis Anfang Dezember 2007 bereits 66 Mrd. US-Dollar an Verlusten aus risikobehafteten Hypothekenkrediten abgeschrieben. Den Löwenanteil dieser Last müssen US-Banken schultern wie Citigroup Inc., die größte Bank im Land. Sie allein kündigte im November Abschreibungen auf Hypotheken-Engagements in Höhe von 8 bis 11 Mrd. US-Dollar an. Aber die Verluste könnten noch weiter steigen, wenn die Zinsen bei weiteren risikobehafteten Hypothekenkrediten angepasst werden. Die Credit-Suisse-Gruppe schätzt, dass bis Ende August Zinsanpassungen bei Subprime-Krediten im Volumen von 46 Mrd. US-Dollar erfolgt sein werden. Bis Mitte 2009 wird sich die Summe dieser Kredite voraussichtlich auf 146 Mrd. US-Dollar noch verdreifachen.
Derzeit prüft die US-Regierung, ob sie die Zinsanpassung für risikobehaftete Kredite für fünf Jahre aussetzen kann, um den potenziellen Schaden zu begrenzen. Aber ein Großteil des Schadens ist bereits angerichtet. So sackte der Gewinn im US-Finanzsektor im dritten Quartal um 25 Prozent ab, für das vierte Quartal wird mit noch Schlimmerem gerechnet. Gewinneinbrüche in dieser Größenordnung haben gravierende Folgen für die Wirtschaft: US-Banken und andere Finanzinstitute werden Mitarbeiter entlassen, ihre Investitionen zurückschrauben und die Kreditvergabe einschränken. Aus diesem Grund schätzen viele den Ausblick für die US-Wirtschaft düster ein.
Sind die USA auf dem Weg in eine Rezession?
Das ist nicht mehr auszuschließen, denn die Verbraucherausgaben und die Unternehmensinvestitionen in den USA sind rückläufig, zudem liegt die Baubranche darnieder. Jetzt, da die Hauspreise fallen, die Zinsen für Verbraucherkredite nach oben schnellen und die Kreditinstitute ihre Kreditvergabe deutlich einschränken, schnallen verschuldete US-Verbraucher ihren Gürtel enger. Ein Rückgang ist aber auch bei den Unternehmensinvestitionen spürbar. Der Grund sind Befürchtungen über nachlassende Verbraucherausgaben und höhere Zinsen, die Unternehmenskredite verteuern. Da die USA die weltweit größte Volkswirtschaft sind, hat die Entwicklung der US-Wirtschaft natürlich Auswirkungen auf das weltweite Wirtschaftswachstum.
Wird eine strauchelnde US-Wirtschaft eine globale Rezession nach sich ziehen?
Wenn die US-Verbraucher weniger kaufen, wird sich vermutlich auch das Wachstum der Weltwirtschaft abschwächen. Aber die US-Wirtschaft ist heute nicht mehr die Wachstumslokomotive der Welt, die sie früher einmal war. Europas Wirtschaft geht es gut, und die Schwellenmärkte leisten derzeit den größten Beitrag zum Wachstum der Weltwirtschaft. Die asiatischen Schwellenländer können mit einigen der höchsten Wachstumsraten der Welt aufwarten. Inzwischen ist die Konjunkturentwicklung in diesen Ländern weniger abhängig von der US-Nachfrage, denn auch der Binnenhandel floriert. Zudem befinden sich die asiatischen Unternehmen in einer guten Verfassung, die Verbraucher sind kaum verschuldet und profitieren zudem von steigenden Einkommen.
Was bedeutet das für Anleger?
Keine Frage, die jüngsten Entwicklungen schüren die Angst, dass sich die Wirtschaft in den USA und weltweit weiter abschwächen könnte. Das wiederum schlägt sich in höheren Schwankungen an den Finanzmärkten nieder. Aus den Erfahrungen der Vergangenheit wissen wir jedoch, dass auf drastische Kursverluste häufig starke Kursrallyes folgen. Außerdem werden Aktien von diversen Fundamentaldaten gestützt. Zu den Einflussfaktoren gehören vernünftige Bewertungen, die Aussicht auf weitere US-Zinssenkungen, solide wachsende US-Exporte und starke Volkswirtschaften in den aufstrebenden Ländern.
Was empfiehlt sich für Anleger in der aktuellen Situation?
Über die letzten fünf Jahre erzielte der S&P 500 eine Performance von 60,52 Prozent (Stand 30.01.2008). Seit 1950 ist der US-Aktienmarkt gemessen am S&P 500 jedoch insgesamt zehnmal über einen Zeitraum von drei aufeinander folgenden Kalendermonaten um mehr als 13 Prozent abgestürzt. In acht dieser zehn Fälle erholte sich der Markt im darauf folgenden Jahr um über 20 Prozent. In sieben der zehn Verkaufswellen war die nachfolgende Rallye stark genug, die vorangegangenen Verluste mehr als auszugleichen. Das anschließende Hochschnellen der Kurse erfolgte oft genauso abrupt und war ebenso schwer vorherzusagen wie der vorangegangene Ausverkauf. Die Erfahrung an den Anlagemärkten zeigt, dass Anleger besser beraten gewesen wären, über den gesamten Zeitraum voll investiert zu bleiben. Damit hätten sie zwar kurzfristig herbe Kursrückschläge hinnehmen müssen, dafür aber den anschließenden Wiederanstieg nicht verpasst.
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