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Highlights: Swiss Pensions Conference 2015

e-fundresearch.com fasst die Highlights der "Swiss Pensions Conference 2015" zusammen, die sich dieses Jahr mit dem Schwerpunktthema "Verantwortung in der Krise“ auseinandersetzte. Markets | 11.06.2015 13:57 Uhr
Christian Dreyer, CFA, CEO der CFA Society Switzerland
Christian Dreyer, CFA, CEO der CFA Society Switzerland
Die jährlich von CFA Society Switzerland durchgeführte Swiss Pensions Conference (SPC), die soeben zum vierten Mal in Rüschlikon getagt hat, entwickelt sich zu einem zentralen Anlass der Schweizer Vorsorgebranche. Die diesjährige Veranstaltung zum Thema, „Verantwortung in der Krise“, zog 137 Vorsorge- und Anlagespezialisten an. Angesicht der Nachwehen der Finanzkrise, der sich zuspitzenden Eurokrise, der Negativzinsen und der steigenden Anlagerisiken suchen die Pensionskassenverantwortlichen vermehrt Rat bei Experten. Im Zentrum der Konferenz stand denn auch der Erfahrungsaustausch zwischen Theorie und Praxis bzw. die Referate der Professoren Dr. Aymo Brunetti, Universität Bern, Dr. Tim Jenkinson, Universität Oxford und Dr. Paul Embrechts, ETH Zürich.

Aufwertungsdruck des Frankens als grösstes Risiko

Gemäss Wirtschaftsexperte Brunetti hat sich die globale Wirtschaft seit dem Ausbruch der Finanzkrise vor 7 Jahren noch nicht überall voll erholt. Der Schweizer Wirtschaft attestiert er jedoch eine hohe Krisenresistenz. Die Arbeitslosigkeit ist tief und die Beschäftigung hoch. Die Exportwirtschaft sei gut aufgestellt, die Staatsfinanzen solide und der Finanzsektor stabil. Dies mache allerdings die Schweiz attraktiv für Fluchtkapital.

Nach Aufgabe der Frankenbindung an den Euro sieht er denn auch das grösste Risiko in einem weiteren Aufwertungsdruck der Schweizer Währung. Die Schweizer Notenbank habe an Glaubwürdigkeit verloren und verfüge deshalb über wenig Spielraum, um dem entgegenzuwirken. Die Negativzinsen können zudem nicht beliebig erhöht werden. Hoffnung gibt die erstarkende US-Wirtschaft, die dort eine baldige Zinswende und eine weitere Dollaraufwertung erwarten lässt. Dies könnte den Franken entlasten.

Pensionskassenberater in der Kritik

Die Schweizer Negativzinsen, die international stattlich bewerteten Anlagemärkte und der drohende Austritt Griechenlands aus der EU stellen die Anlagespezialisten der Schweizer Pensionskassen vor grosse Herausforderungen. Der Finanzprofessor Jenkinson warnte jedoch davor, die Verantwortung blind an externe Anlage- und Pensionskassenberater zu delegieren. Diese sollten nur dort beigezogen werden, wo sie erwiesenermassen Mehrwert bieten können. Kaum Sinn mache es, sich teuren Rat in hochliquiden Märkten wie US-Aktien zu holen. Eine Untersuchung mit Daten von 2009 bis 2011 ergab, dass weltweit führende Berater bei der Selektion der Anlagemanager im Schnitt keinerlei Mehrwert erzielten, sondern eher das Gegenteil.

Angesichts ihrer wichtigen Funktion im Vorsorgemarkt fordert der Jenkinson von den Beratern mehr Transparenz, damit die Pensionskassen eine effizientere Auswahl treffen können. Die Schweizer Pensionskassenberater sind zwar in den letzten Jahren vermehrt dazu übergegangen, in liquiden Anlagemärkten günstige, passiv gemanagte Exchange Traded Funds (ETF) zu empfehlen. Christian Dreyer CFA, Moderator des Anlasses und CEO von CFA Switzerland, stösst sich jedoch daran, dass es den Beratern erlaubt sei, Anlagen und Vermögensverwalter zu empfehlen und gleichzeitig das Investmentcontrolling auszuführen. „Dies führt zu unakzeptablen Interessenkonflikten“, stellt er fest.

Verantwortung schon vor der Krise wahrnehmen

Der Mathematik- und Risikospezialist Embrechts, der dritte professorale Gastredner am SPC15, betonte, dass Verantwortung am besten pro-aktiv vor einer Krise wahrgenommen werden soll. Dazu gehört auch, dass sich die Wissenschaft vermehrt Gehör bei der Politik verschafft und gemeinsam mögliche Krisenherde ausmacht. Als Beispiel nannte er eine Warnung vor „Basel II“, die er zusammen mit anderen Experten verfasst und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich vorgelegt hat – leider vergebens. Die Warnung erwies sich im Nachhinein als korrekt. Embrechts zieht folgende Lehre aus der Finanzkrise: komplexer werdende Anlageprodukte, beschleunigte Märkte und steigende Volumen sind deutliche Krisenzeichen.

Soweit scheinen wir noch nicht zu sein, war die überwiegende Meinung der Konferenzteilnehmer. Anlagemöglichkeiten gibt es zwar, aber die Ertragserwartungen sind ungenügend. Deshalb müssen höhere Risiken eingegangen werden. Ferner sollten die Anlagevorschriften in der beruflichen Vorsorge mehr Freiräume einräumen und dazu beitragen, gefährliches Herdenverhalten zu unterbinden.

Dringender Revisionsbedarf bestehe jedoch bezüglich Minimalverzinsung und Umwandlungssatz. Es gehe nicht an, dass die Politik falsche Parameter vorschreibe, deren Durchsetzung dann in der Verantwortung der Pensionskassen stehe. Am Schluss trägt eh der Stiftungsrat die Verantwortung, der im Milizsystem gewählt wird. Angesichts der steigenden Anforderungen an die Pensionskassen komme aber das Schweizer Milizsystem an seine Grenzen. Denn um die künftigen Herausforderungen zu meistern, ist  immer mehr Fachkompetenz nötig. Gemäss Dr. Bruno Lang, Verwaltungsratspräsident vom VPS Verlag, kann dies gelöst werden, indem sich der Stiftungsrat auf Führungsfragen konzentriert und für spezifische Aufgabengebiete sorgfältig ausgewählte Berater beizieht.

SPC15-Umfrage: Fortschreitende Konsolidierung in der Vorsorgebranche

An der Swiss Pensions Conference wird der Schweizer Vorsorgebranche jeweils mittels Umfragen der Puls gemessen. Bezüglich dem makroökonomischem Umfeld zeigen sich die rund 100 Umfrageteilnehmer wie im Vorjahr recht skeptisch: 60% erwarten in den nächsten drei Jahren ein globales Wirtschaftswachstum, das weiterhin unter dem langfristigen Trend liegt. Dies wegen der nach wie vor spürbaren Nachwehen der Finanzkrise, aber auch wegen der Eurokrise. 28% glauben, dass sich das Wirtschaftswachstum normalisiert und 13%, dass es über dem langfristigen Trend liegen wird. 

Im deflationären Umfeld auf Alternative Anlagen setzen

Die grosse Mehrheit der Teilnehmer geht für die Schweiz ausgeprägter als 2014 von einem deflationären Konjunkturumfeld aus. Nur 7% glauben zurzeit an inflationäre Tendenzen. 29% denken, dass monetäre Stabilität herrscht. 42% sind sogar der Ansicht, dass die Schweizer Geldpolitik in den nächsten drei Jahren unverändert fortgeführt wird. Dies vor allem angesichts der beschränkten Möglichkeiten, die sich der Schweizer Nationalbank nach der Abkehr von der Eurobindung bieten. Der Rest setzt auf eine eher expansive (27%) oder expansive (31%) Geldpolitik. 

Angesicht des Konjunkturumfeldes und der fortgeschrittenen Bewertungen an den Anlagemärkten setzen die Anlage- und Vorsorgeexperten weiterhin auf Alternative Anlagen (44%), Aktien Ausland (24%) sowie Immobilien Schweiz (24%). Hier werden über die nächsten drei Jahre die höchsten risiko-adjustierten Renditen erwartet. Obligationen werden wie im Vorjahr als Verlierer taxiert, insbesondere die auf Franken lautenden (55%), in etwas geringerem Masse die Fremdwährungsanleihen (24%). Gegenüber Schweizer Aktien resultiert eine unverändert neutrale Einstellung: Nur 6% denken, dass diese zu den Topperformern zählen werden, und nur 3% sehen diese als Verlierer der nächsten drei Jahre. Stärkste Währung der nächsten drei Jahre dürfte der Dollar sein (48%) gefolgt vom Franken (23%) und dem Renminbi (17%). 2014 galt der Franken als stärkste Währung. 

Risikomanagement wichtiger als Performance

47% der antwortenden Pensionskassenvertreter, mehr als im Vorjahr, verfolgen eine Risiko-orientierte taktische Asset Allocation, richten sich also weniger auf die Performance (24%) aus. 29% (Vorjahr 50%) verfolgen keine taktische, sondern nur eine strategische Asset Allocation. Auf die Frage, ob ihre Pensionskasse einen integrierten und quantifizierten Risikoprozess verfolgt, antworteten 53% mit Ja und 42% mit Nein. 5% haben einen solchen Prozess in Planung. Im Vorjahr waren es 15%. Vorjahresvergleiche sind aber vorsichtig zu deuten, da die Teilnehmerstruktur sich von Jahr zu Jahr verändert. 

42% der Pensionskassenvertreter begrüssen Regulierungen wie die Strukturreform, die Minderinitiative oder die Vergütungsverordnung, da dadurch unerwartete Verluste vermieden werden können. Die Akzeptanz hat damit gegenüber dem Vorjahr markant zugenommen. 31% denken, dass damit Renditepotentiale eingeschränkt werden und 27% meinen, dass diese zu keinen sichtbaren Verbesserungen für die Destinatäre führen. 

Um den gegenwärtigen und künftigen Herausforderungen zu genügen, muss das Schweizer Vorsorgesystem effizienter werden. Dies spiegelt sich in der dominierenden Meinung, dass die Konsolidierung in der Vorsorgebranche weitergeht und sich eventuell sogar etwas beschleunigt. Die Zahl der Vorsorgeeinrichtungen verringerte sich bereits zwischen 2007 und 2013 von 2‘543 auf 1‘957 Organisationen. 27% der Umfrageteilnehmer glauben, dass diese Zahl innert drei Jahren unter 1‘500 sinken wird. Für 39% wird es 2018 noch 1‘500 bis 1‘750 Institutionen geben und 33% erwarten nur eine leichte Konsolidierung (1‘750 bis 2‘000 Institute).

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