Wie sieht die aktuelle Situation im Zollstreit aus?
Der amerikanische OGH hat die reziproken Zölle von US-Präsident Trump für nichtig erklärt. Das Urteil betrifft ca. 60% der bisher durch die US Regierung lukrierten Zolleinnahmen; die sektor-spezifischen Zölle, z. B. auf Stahl, sind davon explizit nicht erfasst. Trump macht nun von einer anderen gesetzlichen Bestimmung Gebrauch und verhängt 15% für alle Länder. Das gilt aber nur für 150 Tage, danach braucht er dafür die Zustimmung im Kongress.
Die Unternehmen ihrerseits bereiten sich darauf vor, ihre schon entrichteten Zölle zurückzufordern. Erste Schätzungen divergieren stark, es ist von 85 bis zu 175 Mrd. Dollar die Rede, die an Forderungen auf die US Regierung zukommen könnten.
Ein großer Gewinner der neuen Lage ist China. Trump wird Ende März in Peking erwartet und hat jetzt deutlich schlechtere Karten im Poker mit Xi (Seltene Erden!). Auch Brasilien und Indien dürfen sich auf Erleichterungen freuen, während Großbritannien als einer der größten Verlierer dasteht. Das Land hatte bisher eine Zollrate von 10% ausgehandelt, im Zuge der OGH Entscheidung steigt diese jetzt auf 15%. Davon abgesehen, sind jetzt wohl alle zusätzlichen Übereinkünfte, die mit dem jeweiligen Deal verbunden waren, ebenfalls hinfällig. Dazu gehören z.B. sehr oft Investitionszusagen des betreffenden Landes in den USA …
Was sind die Auswirkungen auf Konjunktur & Märkte?
Mit dem Wegfall (bzw. der massiven Reduzierung) der Zölle sollte es zu einer Entspannung bei der Inflation kommen, was Zinssenkungen durch die US Notenbank erleichtert. Ein Kommentator sprach bereits davon, dass die OGH Entscheidung ein großes Geschenk an den designierten neuen Fed-Chef Warsh sei. Indirekt könnten auch die Republikaner, und damit Trump selbst, davon profitieren, denn eine geringere Inflation ist vor den Kongresswahlen im November sicher eine willkommene Nachricht.
Während die Konsumenten als Gewinner der neuen Situation dastehen, machen sich die Märkte durchaus Gedanken über den Einnahmenausfall, den die neue Situation für die USA mit sich bringt. Dadurch steigen Defizit und Verschuldung, was die US Staatsanleihen tendenziell unattraktiver macht. Aktienseitig wurde die Nachricht positiv aufgenommen: je geringer die Zölle sind, desto besser für die Unternehmen. Nicht alle Branchen sind jedoch im gleichen Ausmaß betroffen. Tech-Unternehmen sollte besonders profitieren, da ihre Lieferketten stark auf Asien ausgerichtet sind, wo bisher teilweise sehr hohe Zölle gegolten hatten. Ein zweiter Sektor, der viel, und auch viel aus Asien, importiert, ist der Einzelhandel.
Fazit: An den Märkten werden durch die OGH Entscheidung nur begrenzte Auswirkungen erwartet, die Unsicherheit rund um die Zollpolitik von Trump wird allerdings bestehen bleiben.
Monika Rosen, e-fundresearch.com Gastautorin & Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft
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Über die e-fundresearch.com Gastautorin:
Monika Rosen war über 20 Jahre Chefanalystin einer österreichischen Großbank. Als Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft ist sie weiterhin gefragte Spezialistin zu allen Finanzthemen.
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Im RosenCorner bietet Monika Rosen ab sofort regelmäßig auf e-fundresearch.com internationale Perspektiven und klare Kante. Als Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft und erfahrene Finanzmarkt-Expertin liefert sie ihre Einschätzungen zu Markt, Wirtschaft und globalen Entwicklungen.
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