Diese Woche ist es soweit. Es vergeht kein Morgen, an dem ich nicht über eine Nachricht von SpaceX stolpere, während ich meinen Espresso trinke. Das IPO schlägt bisher alle Rekorde. Das Unternehmen von Elon Musk will 75 Milliarden Dollar für einen kleinen Anteil am Unternehmen einsammeln. Hochgerechnet wird SpaceX gesamt mit 1,77 Billionen Dollar bewertet. Bis zu einem Viertel davon soll an Privatinvestoren gehen. Damit ist man mit Abstand der größte Börsengang der Geschichte. Der liebe Elon hat kräftig die Werbetrommel geschlagen und damit eine hohe Nachfrage geschürt. Auch bei der Belegschaft wird dieser Tage vermutlich der eine oder andere Sektkorken knallen. Rund 4.400 aktuelle und ehemalige SpaceX-Mitarbeiter:innen werden durch den Börsengang zu Millionär:innen.
Jetzt ist aber der Zeitpunkt gekommen, an dem Elon Musk und SpaceX auch wirklich liefern müssen. Auffallend ist auch, dass sich die mahnenden Stimmen häufen. Wenn man klassische Bewertungsmodelle heranzieht, dürfte der „faire" Preis doch deutlich niedriger anzusetzen sein. Das Analysehaus Morningstar kommt auf 780 Milliarden Dollar, der Finanzprofessor Aswath Damodaran von der New Yorker Universität auf 1,25 bis 1,35 Billionen Dollar. Es ist schon bemerkenswert, wie groß hier die Bewertungsunterschiede sind. Kommen wir einmal zu den Fakten. Im letzten Quartal allein hat SpaceX einen Verlust von 4,3 Milliarden Dollar verbucht, im Jahr 2025 waren es 4,9 Milliarden. Der Umsatz liegt bei 19 Milliarden Dollar. Das bedeutet, dass Investor:innen beim Börsengang mehr als das 93-fache des Jahresumsatzes auf den Tisch legen müssen, um sich an Elons Vision zu beteiligen. Spannend finde ich auch, dass wider Erwarten nicht die Raumfahrt das Kerngeschäftsfeld von SpaceX ist. Fast zwei Drittel vom Umsatz wird mit Starlink, dem Satelliten-Internetdienst, erwirtschaftet. Das erinnert mich an den alten Buffett-Satz: Preis ist, was du bezahlst, Wert ist, was du bekommst. Und momentan scheint es so, als will jeder unbedingt dabei sein.
Neben SpaceX ist das aber auch die Woche der Notenbanken. Die Europäische Zentralbank hat wie erwartet erstmals seit drei Jahren die Zinsen um 0,25 % angehoben. Ausschlaggebend dafür war der Anstieg der Inflation seit dem Angriff auf den Iran. Die Inflation ist im Euroraum von 1,9 % auf 3,2 % gestiegen. Allerdings handelt es sich hier um einen externen Schock, da der Ölpreis durch den Kriegsbeginn massiv gestiegen ist. Durch den Zinsanstieg bekommt man auf der einen Seite als Sparer höhere Zinsen, auf der anderen Seite werden auch Kredite teurer. Und damit besteht die Gefahr, dass weniger Kredite von Unternehmen und Privatpersonen aufgenommen werden und damit auch weniger Geld in den ohnehin stotternden Wirtschaftsmotor fließt. Von den Marktteilnehmern wird im Laufe des Jahres mit einer weiteren Zinserhöhung gerechnet. Die Entwicklung bleibt genau zu beobachten.
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„Pictet TR-Mandarin: Innovationen in Greater China mit einem Long/Short-Ansatz nutzen“ | Einladung zum Online-Event mit Nataliya Taleva, Senior Client Portfolio Managerin im Hedgefonds-Team von Pictet...Nach der EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat kommende Woche der neue Fed-Präsident Kevin Warsh seinen ersten großen Auftritt. In seiner Haut möchte ich auch nicht stecken. Auf der einen Seite übt der Präsident, wie auch schon unter seinem Vorgänger Jerome Powell, mit Zinssenkungsforderungen ordentlich Druck auf ihn aus. Auf der anderen Seite ist es aber auch so, dass die Inflationsraten in den USA deutlich auf 4,2 % gestiegen sind. Rund 60 % des Anstieges machen die Energiepreise aus. Im Februar, also vor dem Beginn des Iran-Konfliktes, galten Zinssenkungen an den Märkten für eine beschlossene Sache. In den letzten Wochen hat sich hier vermutlich zum Missfallen Donald Trumps das Blatt gewendet. Zinssenkungen sind im gegebenen Umfeld sehr unwahrscheinlich. Um auslaufende Schulden zu refinanzieren und das chronisch defizitäre Staatsbudget ausgleichen zu können, muss die USA neue Kredite aufnehmen. Die Frage ist nur, zu welchem Preis. Eines steht fest: Höhere Zinszahlungen schlagen eine weitere tiefe Kerbe in das Haushaltsbudget.
Die Börsen haben die letzten Wochen ordentlich zugelegt. Man hat das Gefühl, dass der Bogen schon weit gespannt ist. Auf Nachrichten wird nervös reagiert und an dem einen oder anderen Tag sehen wir auch tiefrote Zahlen. Fakt ist aber auch, dass die Unternehmen mit ihren Quartalsergebnissen abgeliefert haben und das Umfeld nach wie vor freundlich ist. Und dennoch gilt: Bäume wachsen nicht in den Himmel. Das gilt wohl auch für den lieben Donald und alle SpaceX-Aktionär:innen.
Dr. Josef Obergantschnig, Gründer, Obergantschnig Management GmbH & e-fundresearch.com Gastkolumnist
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Josef Obergantschnig ist Unternehmer und Gründer von „Börse kannst auch du“. Über zehn Jahre war er Chief Investment Officer mit Investmentverantwortung im Milliardenbereich und entwickelte Strategien für Banken, Versicherungen und Pensionskassen; außerdem Chief Impact Officer bei NIXDORF Kapital (Deutschland). Obergantschnig lehrt seit mehr als 15 Jahren an Universitäten und Fachhochschulen und hat als Buch- und Studienautor über 500 Fachartikel, Kolumnen und Videos veröffentlicht.
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