Börsenbarometer | Einmal zum Mond und wieder zurück

Woche für Woche nimmt e-fundresearch.com Gastkolumnist & Kapitalmarktexperte Dr. Josef Obergantschnig das Börsengeschehen unter die Lupe – aus erfrischend neuen Blickwinkeln. Markets | 17.07.2026 13:30 Uhr
Dr. Josef Obergantschnig, Gründer, Obergantschnig Management GmbH / © e-fundresearch.com / Obergantschnig Management GmbH (Foto: Vicky Posch)
Dr. Josef Obergantschnig, Gründer, Obergantschnig Management GmbH / © e-fundresearch.com / Obergantschnig Management GmbH (Foto: Vicky Posch)

Bei meinem morgendlichen Espresso ist er der Dauergast auf meinem Küchentisch. Er ist einer der größten Investoren der Menschheitsgeschichte und hat durch sein Durchhaltevermögen und seine Erfahrung ein Milliardenportfolio aufgebaut. Treue Leser:innen meiner Kolumne werden es vermutlich schon ahnen. Die Rede ist von Warren Buffett, der heute wieder einmal in meinem Newsflow aufscheint. Es sei schwer, Werte zu finden, wenn alle zocken. Und das in einer Phase, in der die Aktienmärkte gefühlt von einem Höchst zum nächsten eilen. Der liebe Warren liebt Metaphern und spricht heute liebevoll vom manisch-depressiven Mister Market. Wenn Aktien einen fairen Wert von 100 haben, können sie an der Börse mit 130 gehandelt werden. Oder aber auch nur mit 70. Je nach Laune von Mister Market. Und genau damit müssen wir als Investor:innen leben. Der aktuelle Blick auf den Depotwert ist vermutlich erfreulich. Die Frage ist allerdings, wie es weitergeht. Aber kommt es wirklich darauf an?

In diesem Zusammenhang muss ich unweigerlich an eine alte Börsenweisheit denken: Time in Market beats Market Timing. Damit ist gemeint, dass die Zeit im Markt, also die Zeit, in der wir unser Geld an der Börse investiert haben, wichtiger ist als der Versuch, den Markt zu „timen" und damit auch die Launen von Mister Market vorherzusehen. Das funktioniert langfristig einfach nicht.

Die Zahlen dazu sind ernüchternd und faszinierend zugleich. Wer über die letzten 20 Jahre im S&P 500 investiert war und einfach durchgehalten hat, kam auf eine Jahresrendite von rund 10 %. Wer dagegen versucht hat, den Markt zu timen, und dabei nur die zehn besten Handelstage verpasste, weil er kurz an der Seitenlinie stand, kommt auf etwa die Hälfte. Wer die zwanzig besten Tage verpasste, lag bei etwa 3 % und damit real nach Inflation unter null. Und die besten Tage folgen fast immer unmittelbar auf die schlimmsten. Wer also aus Angst vor dem Absturz aussteigt, verpasst mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die Erholung. Insofern bin ich mittlerweile der festen Überzeugung, dass ein langfristiger Fokus und ein konsequentes Festhalten der Strategie ein wesentlicher Erfolgsbaustein ist. Für mich ist der norwegische Staatsfonds mit einer Aktienquote von 70 % in dieser Beziehung das Role-Model schlechthin. Ziel ist es, generationenübergreifend zu agieren. Und genau da führt an einem strategischen Aktieninvestment kein Weg vorbei.

Auch Deutschland hat einen Staatsfonds, der weitgehend noch unbekannt ist. Der Kenfo, der Staatsfonds zur Finanzierung der langfristigen Atommüll-Entsorgung, hat 2025 eine Rendite von 6,2 % nach Kosten erzielt. Im ersten Halbjahr 2026 waren es sogar 7,9 %. Das gesetzliche Renditeziel liegt bei rund 4 %. Der Fonds verwaltet mittlerweile 28 Milliarden Euro und wurde erst 2018 gegründet. Das Vorbild ist unverkennbar der norwegische Staatsfonds. Beim Blick auf die Portfoliostruktur wird allerdings auch der Mentalitätsunterschied zwischen dem Nordländer und dem Mitteleuropäer sichtbar. Wir sind traditionell die vorsichtigeren Anleger:innen und haben im Regelfall deutlich niedrigere Aktienquoten. Der Kenfo bildet dieses Muster ab. Mit 41 % Aktien liegt er über der Durchschnittsquote, aber ebenso deutlich unter dem norwegischen Niveau. Das Rückschlagspotenzial in einer Krise ist damit geringer. Das langfristige Ertragspotenzial aber definitiv auch.

Elon Musk ist ebenso Stammgast auf meinem Küchentisch. Der erfolgreiche Börsengang von SpaceX vor einem Monat hat ihn zum ersten Billionär der Menschheitsgeschichte gemacht. Bewertet wurde das Unternehmen mit 2 Billionen Dollar, der Ausgabepreis lag bei 135 Dollar je Aktie. Diese Woche notierte die Aktie zeitweise deutlich unter dem Emissionskurs. Und das wiederum hat Auswirkungen auf das Vermögen von Elon Musk und allen anderen Investor:innen. Elons Vermögen wurde vor einem Monat noch auf 1,25 Billionen Dollar geschätzt, aktuell sind es 856 Milliarden. Innerhalb weniger Wochen hat er damit nahezu 400 Milliarden Dollar „verloren". Das ist definitiv viel, keine Frage. Zum Vergleich: der Zweitplatzierte auf der Bloomberg-Milliardärsliste, Google-Gründer Larry Page, hat insgesamt 316 Milliarden Dollar. Musk hat also in wenigen Wochen mehr verloren, als jeder andere Mensch auf diesem Planeten überhaupt besitzt. Im Jahr 2026 hat er dennoch 236 Milliarden dazugewonnen, mehr als das Doppelte dessen, was Microsoft-Gründer Bill Gates mit seinen 105 Milliarden auf die Waage bringt. Auf einem verbleibenden Polster von 856 Milliarden lässt es sich also nach wie vor bequem sitzen. Nicht jeder, der zum Mond will, ist eben für Höhenflüge geeignet.

Dr. Josef Obergantschnig, Gründer, Obergantschnig Management GmbH & e-fundresearch.com Gastkolumnist

„Börse kannst auch du“ - Finanzbildung leicht gemacht (neu im Handel)

25 Jahre Finanzwissen, damit Geld für dich arbeitet! Unabhängig vom Startkapital. Die wichtigsten Bausteine, klare Routinen und messbare Ergebnisse – vom 1. Euro bis zur geübten Routine

  • Band 1 – Mindset & Einstieg (Orientierung, Klarheit, Haltung).
  • Band 2 – Tools & Strategien (Spar- und Umsetzungsplan).

Josef Obergantschnig, Finanzexperte, verantwortete Milliarden-Investments, schulte über 5.000 Menschen. Sein Antrieb: Finanzbildung darf kein Luxus bleiben! Sie soll möglichst vielen Menschen den Weg zu Selbstbestimmung und Freiheit öffnen – unabhängig vom Startbudget.

Ab sofort im Fachhandel und online erhältlich.

Jetzt hier erhältlich 

Josef Obergantschnig ist Unternehmer und Gründer von „Börse kannst auch du“. Über zehn Jahre war er Chief Investment Officer mit Investmentverantwortung im Milliardenbereich und entwickelte Strategien für Banken, Versicherungen und Pensionskassen; außerdem Chief Impact Officer bei NIXDORF Kapital (Deutschland). Obergantschnig lehrt seit mehr als 15 Jahren an Universitäten und Fachhochschulen und hat als Buch- und Studienautor über 500 Fachartikel, Kolumnen und Videos veröffentlicht.

Sein neuer Doppelband „Börse kannst auch du“ macht Finanzbildung verständlich und sofort umsetzbar. Sein Antrieb: Finanzbildung in die Breite – für Freiheit und Selbstbestimmung. Im „Logbuch eines Börsianers“ berichtet er wöchentlich und zieht Bilanz.

LinkedIn: http://www.linkedin.com/in/josef-obergantschnig-boerse-kannst-auch-du

Mehr Infos zum Doppelband: https://www.josefobergantschnig.at/boerse-kannst-auch-du/

Weitere beliebte Meldungen:

Performanceergebnisse der Vergangenheit lassen keine Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Investmentfonds oder Wertpapiers zu. Wert und Rendite einer Anlage in Fonds oder Wertpapieren können steigen oder fallen. Anleger können gegebenenfalls nur weniger als das investierte Kapital ausgezahlt bekommen. Auch Währungsschwankungen können das Investment beeinflussen. Beachten Sie die Vorschriften für Werbung und Angebot von Anteilen im InvFG 2011 §128 ff. Die Informationen auf www.e-fundresearch.com repräsentieren keine Empfehlungen für den Kauf, Verkauf oder das Halten von Wertpapieren, Fonds oder sonstigen Vermögensgegenständen. Die Informationen des Internetauftritts der e-fundresearch.com AG wurden sorgfältig erstellt. Dennoch kann es zu unbeabsichtigt fehlerhaften Darstellungen kommen. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen kann daher nicht übernommen werden. Gleiches gilt auch für alle anderen Websites, auf die mittels Hyperlink verwiesen wird. Die e-fundresearch.com AG lehnt jegliche Haftung für unmittelbare, konkrete oder sonstige Schäden ab, die im Zusammenhang mit den angebotenen oder sonstigen verfügbaren Informationen entstehen.

Melden Sie sich für den kostenlosen Newsletter an

Regelmäßige Updates über die wichtigsten Markt- und Branchenentwicklungen mit starkem Fokus auf die Fondsbranche der DACH-Region.

Der Newsletter ist selbstverständlich kostenlos und kann jederzeit abbestellt werden.