Wie sieht die Ausgangslage für den Ölmarkt aus?
Fünf Monate nach Kriegsausbruch stellen sich die Märkte zunehmend darauf ein, dass am Persischen Golf weder Krieg noch Frieden, sondern eine Art dauerhafte Instabilität herrscht. Der Markt muss sich also mit der Frage beschäftigen, wie eine Zukunft ohne Straße von Hormus aussehen könnte. Damit sind wir beim NACHO (Not a Chance Hormuz Opens) Trade, der sich wie folgt zusammenfassen lässt: höhere Ölpreise als vor dem Krieg, damit steigende Inflation und letztlich Zinsanhebungen.
Die Antwort der Golfanrainer liegt in der Umstellung des Öltransports vom Seeweg auf Pipelines. Die Anstrengungen in dieser Hinsicht wurden zuletzt massiv vorangetrieben. Goldman Sachs schätzt, dass bis Ende nächsten Jahres rund 45% der Ölexporte der Golfregion über neue bzw. expandierte Pipelines abgewickelt werden könnten. Wenn man noch mehr Ressourcen locker macht, könnte der Anteil bis Ende 2028 auf 75% steigen. Damit wäre die Bedeutung der Straße von Hormus für die Ölversorgung der Welt massiv reduziert. Dafür braucht es aber Investitionen in Milliardenhöhe. Außerdem wären die Pipelines ebenfalls potenzielle Angriffsziele. Experten sagen aber, dass es in Summe billiger ist, eine neue Pipeline zu bauen, als eine bestehende dauerhaft gegen Angriffe zu schützen.
Was ist mit den Angriffen der Houthis auf die Transportwege im Roten Meer?
Damit hat sich die Situation der Golfanrainer zusätzlich dramatisch verschärft. Kurz ein geographischer Exkurs: sowohl der Persische Golf als auch das Rote Meer sind mit dem Indischen Ozean über Meerengen verbunden. Im Falle des Golfs ist das die vielzitierte Straße von Hormus. Das Rote Meer ist im Süden nur über die Meerenge von Bab-el-Mandab erreichbar. Eine dieser beiden Passagen, also Hormus oder Bab-el-Mandab, braucht man in jedem Fall, wenn man Öl aus der Golfregion hinaus transportieren will. Und beide Meerengen werden vom Iran, bzw. den mit dem Iran verbündeten Houthis, als potenzielle Einnahmequellen betrachtet. Die Durchquerung soll in beiden Fällen nur nach Entrichtung einer „Maut“ möglich sein, was der Westen (allen voran die USA) massiv ablehnt.
Wie sehen die langfristigen Folgen für die Golfregion aus?
Die vielleicht gefährlichste Konsequenz für die Golfstaaten besteht in der Tatsache, dass die Welt den Persischen Golf nicht mehr als verlässliche Ölquelle betrachtet. Damit beginnen die Abnehmer, ihre Bezugsquellen zu diversifizieren, und zwar in einem viel höheren Ausmaß als bisher der Fall. Die US Exporte für Rohöl und Ölprodukte befinden sich auf einem Rekordstand. Förderländer wie Kasachstan, Brasilien und Venezuela drehen ihre Ölhähne massiv auf, wobei sich Venezuela durch den Einstieg der Amerikaner zu Jahresbeginn in einer deutlich verbesserten Ausgangslage befindet. Gleichzeitig nehmen asiatische Käufer immer öfter Öl aus Lateinamerika oder Afrika ab, um ihre Abhängigkeit vom Golf zu reduzieren.
Monika Rosen, e-fundresearch.com Gastautorin & Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft
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Über die e-fundresearch.com Gastautorin:
Monika Rosen war über 20 Jahre Chefanalystin einer österreichischen Großbank. Als Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft ist sie weiterhin gefragte Spezialistin zu allen Finanzthemen.
Über den RosenCorner:
Im RosenCorner bietet Monika Rosen ab sofort regelmäßig auf e-fundresearch.com internationale Perspektiven und klare Kante. Als Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft und erfahrene Finanzmarkt-Expertin liefert sie ihre Einschätzungen zu Markt, Wirtschaft und globalen Entwicklungen.
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