Der Sommer neigt sich mit hochsommerlichen Temperaturen schön langsam dem Ende zu. Ich sitze gerade auf unserer Terrasse, die Vögel zwitschern im Hintergrund und denke beim morgendlichen Espresso noch einmal über die letzten Tage und Wochen nach. Die Börsen sind nach wie vor in Party-Stimmung. Die letzten Monate habe ich mich auch intensiv mit der Investmentstrategie des Norwegischen Staatsfonds, der Yale-Universität und aktuell gerade mit dem deutschen KENFO beschäftigt. Alle drei Strategien eint, dass sie sehr langfristig, in diesen Fällen sogar für die nächsten Generationen, ausgerichtet sind. Die Herausforderung ist, das eigene Vermögen vor der Inflation zu schützen und darüber hinaus auch noch eine jährliche Ausschüttung sicherzustellen. Um das zu erreichen, braucht man eine Aktienquote. Und das wiederum sorgt für ein Rekordergebnis. Der Norwegische Staatsfonds ist nach einer Rekord-Performance von 9,4 % mittlerweile über 2 Billionen Euro Wert. Pro Kopf und Nase besitzt jede Norwegerin und jeder Norweger damit 340.000 Euro. Die aktuelle Aktienquote liegt bei 72 %
Die Yale Universität verwaltet gegenwärtig ein Vermögen von 44 Milliarden US-Dollar. Rund ein Drittel des Jahresbudgets der Universität wird mittlerweile vom eigenen Fonds finanziert. Die Yale Universität veröffentlicht jährlich die Ergebnisse. Die Universität engagiert sich im Gegensatz zu Norwegen nicht nur an den liquiden Aktienmärkten sondern auch in den Private Markets wie z.B. im Segment Private Equity. Durch den Fokus ist davon auszugehen, dass die Manager im Yale Investment Office gegenwärtig mit einem zufriedenen Grinsen durch die Gänge der ehrwürdigen Universität schlendern.
Und auch Deutschland hat mit dem KENFO einen ähnlichen Weg eingeschlagen, wenn auch in deutlich kleinerer Dimension. Der Fonds wurde 2017 aus dem Atomausstieg-Deal heraus gegründet und verwaltet gegenwärtig rund 27,5 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr 2026 hat der KENFO eine Wertentwicklung von 7,9 % erwirtschaftet, das sind rund 2 Milliarden Euro Zuwachs in sechs Monaten. Seit der Gründung sind bereits 5,3 Milliarden Euro an den deutschen Bund ausgeschüttet worden. Die Aktienquote liegt bei rund 65 %, ergänzt durch einen wachsenden Anteil an Private Equity und Immobilien. Damit reiht sich Deutschland ordentlich in die Riege der langfristigen Fonds ein. Mit einem Unterschied: Der norwegische Staatsfonds ist rund 73 Mal so groß wie sein deutsches Pendant. Aber in Deutschland ist man ja auch ein paar Jahre später gestartet.
Machen wir noch einen Blick auf die Börsen. Diese Woche standen die Zahlen von Nvidia auf der Agenda. Das ist übrigens aktuell die größte Position des Norwegischen Staatsfonds und damit auch der Wert, an dem in Oslo besonders genau hingeschaut wird. Das betrifft aber nicht nur den Norwegischen Staatsfonds sondern vermutlich viele Portfolios im Jahr 2026. Ganz egal, ob die Aktienquote durch einen ETF, klassischen Investmentfonds oder aber auch durch Direktinvestments in Einzelaktien abgedeckt wird. Was Nvidia am Mittwochabend nach US-Börsenschluss berichtet hat, ist tatsächlich beeindruckend. 96,2 Milliarden Dollar Umsatz in einem einzigen Quartal, mehr als eine Verdopplung zum Vorjahr, Nettogewinn plus 126 %. Zum Vergleich: Portugals Bruttoinlandsprodukt liegt bei rund 300 Milliarden Dollar im Jahr. Ein einziges US-Chipunternehmen erwirtschaftet damit auf Jahresbasis fast 30 % mehr Umsatz, als eine ganze europäische Volkswirtschaft mit zehn Millionen Einwohnern Wertschöpfung schafft. Das sind an und für sich zweifellos gute Zahlen und Nvidia hat definitiv abgeliefert. Die Erwartungshaltung war aber auch schon sehr hoch, insofern haben diese Zahlen auch nicht wirklich positiv überrascht. Das Kursfeuerwerk blieb aus, aber tief durchgeatmet wird der eine oder andere mit Sicherheit haben.
Wir leben in Zeiten hoher Staatsschulden. Und diese haben bisher lichte Höhen erreicht. Die USA hat diesen Sommer erstmals die Marke von 40 Billionen Dollar geknackt. Zum Vergleich: 2016, im letzten Jahr der Präsidentschaft von Barack Obama, lag die Gesamtverschuldung noch bei 20 Billionen. Damit hat sich der Schuldenberg in den letzten 10 Jahren mehr als verdoppelt. In einer Niedrigzinsphase ist das kein Thema. Kredite "kosten" nichts, wenn die Zinsen bei Null liegen. Aber nun hat sich das Blatt gewendet. Die Rendite, die Investoren für eine 30-jährige US-Staatsanleihe fordern, liegt bei 5,34 % und damit auf dem höchsten Wert seit 2007. Finanzminister Scott Bessent hat bereits angekündigt, ab 9. September eine Rückkaufaktion zu starten und systematisch langfristige Staatsanleihen aufkaufen zu wollen. Durch die steigende "Nachfrage" soll der Zinssatz möglichst niedrig gehalten werden.
Und dann haben wir auch noch den neuen Fed-Chef Kevin Warsh, der eine andere Strategie zu verfolgen scheint. Der Konflikt mit Donald Trump scheint vorprogrammiert zu sein, da der liebe Kevin vermutlich von der vom Präsidenten geforderten Zinssenkung absehen wird. Und das kann mit Sicherheit sehr herausfordernd werden. An seiner Stelle würde ich einmal bei seinem Vorgänger Jerome Powell nachfragen. Bei diesem Gespräch wäre ich gerne das Mäuschen, das still und heimlich zuhört. Bei einem entspannten Espresso kann der sicher die eine oder andere Anekdote preisgeben. Bisher ist das Jahr an den Börsen sehr gut gelaufen. Ob uns auch an den Börsen ein goldener Herbst bevorsteht? Das werden wir vermutlich in den nächsten Wochen beantworten können.
Dr. Josef Obergantschnig, Gründer, Obergantschnig Management GmbH & e-fundresearch.com Gastkolumnist
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Josef Obergantschnig ist Unternehmer und Gründer von „Börse kannst auch du“. Über zehn Jahre war er Chief Investment Officer mit Investmentverantwortung im Milliardenbereich und entwickelte Strategien für Banken, Versicherungen und Pensionskassen; außerdem Chief Impact Officer bei NIXDORF Kapital (Deutschland). Obergantschnig lehrt seit mehr als 15 Jahren an Universitäten und Fachhochschulen und hat als Buch- und Studienautor über 500 Fachartikel, Kolumnen und Videos veröffentlicht.
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