Schuld(en) und Sühne: Turbulenzen am US Rentenmarkt - Monika Rosen ordnet ein

US Staatsanleihen haben zuletzt etwas erlebt, was einem Top Schuldner niemals passieren sollte: sie sind ins Gerede gekommen. Die Renditen auf 30-jährige US Staatsanleihen sind auf den höchsten Stand seit 2007 geschossen. Gleichzeitig überschritt die US Staatsverschuldung die Marke von 40 Billionen Dollar. Der US Finanzminister sah sich zu einer Intervention genötigt, der neue Fed-Chef musste sich erstmals in Jackson Hole erklären. Und mit der massiven Emissionstätigkeit der Tech-Giganten erwächst der US Regierung zunehmend Konkurrenz um die Anlegergelder. Um hier den Überblick zu behalten, müssen Sie keinen epischen Roman lesen. Der neue RosenCorner genügt … Markets | 31.08.2026 09:25 Uhr
Monika Rosen / © e-fundresearch.com / Roland Rudolph
Monika Rosen / © e-fundresearch.com / Roland Rudolph

Warum ist der US Rentenmarkt in Turbulenzen geraten?

Prinzipiell muss man festhalten, dass die USA den größten und liquidesten Anleihenmarkt der Welt haben. Zuletzt sind die Treasury Renditen allerdings deutlich gestiegen, bei der Laufzeit von 30 Jahren auf den höchsten Stand seit 19 Jahren. Um einen weiteren Renditeauftrieb zu verhindern, verkündete US Finanzminister Bessent die Verdoppelung der Rückkäufe von 30-jährigen US Staatsanleihen. Das sorgte für etwas Beruhigung, die war aber nur von kurzer Dauer.

Während Bessent also über Interventionen nachdenkt, gilt der neue Chef der US Notenbank, Kevin Warsh, als expliziter Gegner von Markteingriffen. Und er hält auch nichts von allzu viel Kommunikation. Viele Beobachter waren allerdings der Meinung, Warsh hätte es mit der Zurückhaltung etwas übertrieben. Sein erster Auftritt beim Fed Symposium in Jackson Hole (Wyoming) war somit die perfekte Gelegenheit, seine Einschätzung zu Inflation und Geldpolitik darzulegen. Warsh äußerte sich durchaus konkret und auch reichlich restriktiv. Der Kampf gegen die Inflation sei keineswegs vorbei, das Ziel von 2% Inflation sei ernst zu nehmen und als fix zu sehen. Außerdem sagte er, das US Wachstum sei signifikant, der Arbeitsmarkt stabil, und der private Sektor würde weiter massiv investieren, vor allem in die KI. Angesichts der Inflation, die immer noch über dem Zielwert liegt, und der unsicheren Lage am Energiemarkt (Iran Krieg) hätte die Fed möglicherweise noch „Aufgaben zu erledigen“.

Wie reagierten die Märkte auf all das?

Die Märkte interpretierten die Rede von Warsh in Jackson Hole als Hinweis, dass eine Zinsanhebung im September wahrscheinlicher geworden ist. Die Erwartung einer Anhebung um 25 Basispunkte ist von zuvor 35% auf 57% angestiegen. Auch der Dollar zeigte Stärke, was den Goldpreis etwas nachgeben ließ. Die Ankündigung von Bessent, mehr US Staatsanleihen zurückkaufen zu wollen, führte hingegen zu keiner nachhaltigen Entspannung bei den langen Renditen. Das entspricht durchaus der gängigen Beobachtung, wonach Marktinterventionen früher oder später immer verpuffen.

Welche Rolle spielen die Hyperscaler am Rentenmarkt?

Geschätzte 700 Mrd. Dollar sollen die größten US Tech-Unternehmen, die sogenannten Hyperscaler, heuer in den Ausbau der KI pumpen. Sie finanzieren diese gewaltige Summe allerdings zunehmend nicht aus ihrem Barbestand, sondern über den Rentenmarkt. Da die Anlegergelder nicht unbegrenzt verfügbar sind, sieht sich die US Regierung in der unangenehmen Lage, mit ihren eigenen Tech-Riesen am Rentenmarkt konkurrieren zu müssen. 

Fazit: Intensive Emissionstätigkeit sowohl von staatlicher als auch von privater Seite (Hyperscaler), kaum Entspannung bei der Inflation (Iran Krieg, Ölpreis) und im Hintergrund die nach wie vor bestehende Forderung von US Präsident Trump nach Zinssenkungen lassen den Treasury Markt nicht zur Ruhe kommen. Umso wichtiger ist die Tatsache, dass sich Warsh bei seinem Auftritt in Jackson Hole deutlich zur Inflationsbekämpfung bekannt hat. Er will sich dem politischen Druck offenbar nicht beugen. Jetzt muss er den Worten allerdings auch Taten folgen lassen.

Monika Rosen, e-fundresearch.com Gastautorin & Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft

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Über die e-fundresearch.com Gastautorin:

Monika Rosen war über 20 Jahre Chefanalystin einer österreichischen Großbank. Als Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft ist sie weiterhin gefragte Spezialistin zu allen Finanzthemen.

Über den RosenCorner:

Im RosenCorner bietet Monika Rosen ab sofort regelmäßig auf e-fundresearch.com internationale Perspektiven und klare Kante. Als Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft und erfahrene Finanzmarkt-Expertin liefert sie ihre Einschätzungen zu Markt, Wirtschaft und globalen Entwicklungen.

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